Prinz Hamsa steht in Opposition zum jordanischen König. Foto: AFP/KHALIL MAZRAAWI

Der jordanische Prinz Hamsa verzichtet aus Protest auf seine Titel. Sein Halbbruder, der König, kommt dadurch in die Bredouille, in dem Wüstenstaat mehren sich nicht nur wirtschaftliche Probleme.

Prinz Hamsa will kein Prinz mehr sein. Der Halbbruder des jordanischen Königs Abbdullah II erklärte aus Protest gegen die Politik des Königreichs jetzt seinen Verzicht auf den Titel. Seine Überzeugungen und Werte seien unvereinbar mit denen der staatlichen Institutionen von Jordanien, schrieb Hamsa bin Al-Hussein, wie der Prinz ohne Titel heißt. Als Weg an die Öffentlichkeit wählte er sein Twitter-Konto, das anders als staatliche jordanische Medien nicht der Zensur unterliegt. Die Verzichtserklärung ist ein Zeichen wachsender Spannungen in der Königsfamilie. Jordanien, das zu den wichtigsten Verbündeten des Westens im Nahen Osten zählt, geht unsicheren Zeiten entgegen.

 

„Schmerzhafte“ Zeit für die Monarchie

Zwischen Hamsa und dem König gärte es schon länger; Abdullah verdonnerte seinen Halbbruder letztes Jahr zu Hausarrest, weil er ihn des Umsturzversuches mit ausländischer Unterstützung verdächtigte. Der 60-jährige Abdullah und der 42-jährige Hamsa sind Söhne verschiedener Frauen des früheren Königs Hussein, der in Jordanien immer noch sehr verehrt wird. Nach Husseins Tod und Abdullahs Machtantritt 1999 war Hamsa zunächst als Kronprinz vorgesehen, doch im Jahr 2004 setzte Abdullah seinen Halbbruder ab und machte seinen eigenen Sohn zum Thronfolger.

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Wegen Hamsas angeblichen Putschplänen sprach König Abdullah vor einem Jahr von einer schmerzhaften Zeit für die Monarchie, betonte aber, die Gefahr sei gebannt. Vor wenigen Wochen bekundete Hamsa aus dem Hausarrest heraus seine Loyalität zu Abdullah, doch seine jetzige Twitter-Erklärung spricht eine andere Sprache. Darin begründet der frühere Kronprinz, der in den vergangenen Jahren Armut, Korruption und andere Missstände in Jordanien anprangerte, seinen Verzicht auf den Prinzentitel mit Entwicklungen im Land, die er nicht mehr mittragen könne. Er bezieht sich ausdrücklich auf Werte, die er von seinem Vater – dem früheren König Hussein – übernommen habe: ein Seitenhieb auf Abdullah, der ja denselben Vater hat.

Jordanien kämpft mit wirtschaftlichen Problemen

Für Abdullah II ist Hamsas Erklärung hochgefährlich. Der König hat ohnehin mit vielen Problemen zu kämpfen. Die Wirtschaft leidet seit Jahren unter dem Konflikt im Nachbarland Syrien, der wichtige Handelswege blockiert und hunderttausende Flüchtlinge nach Jordanien getrieben hat. Vor vier Jahren gab es Massenproteste gegen Abdullah wegen der schlechten Lebensbedingungen. Seither hat die Pandemie die Lage noch verschlimmert, weil die Touristen ausblieben. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt laut Weltbank bei 40 Prozent. Als offizielle Hüterin der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem ist das jordanische Königreich, das zwei Millionen Palästinenser unter seinen zehn Millionen Einwohnern hat, zudem von den Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern betroffen.

In den vergangenen Jahrzehnten waren die Könige Hussein und Abdullah für den Westen sichere Partner in einer unruhigen Region. Jordanien hat schon oft in Nahost-Krisen vermittelt. Das Königreich schloss zudem bereits 1994 Frieden mit Israel; der israelische Präsident Izchak Herzog war erst vorige Woche bei Abdullah zu Gast.

Jordanien sei ein „Übersetzer“ zwischen den USA und der arabischen Welt, schrieb der Nahost-Experte Eddy Acevedo von der Denkfabrik Wilson Center in einem Beitrag für die Nachrichtenseite The Hill. Washington stützt Jordanien mit jährlich rund einer Milliarde Dollar.

Offener Aufstand gegen den König wird bezweifelt

Nun wird Abdullah zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres von seinem Halbbruder ins Visier genommen. Ex-Prinz Hamsa kündigt in seiner Erklärung an, dass er seinem Land auch weiterhin dienen wolle. Unklar ist, ob er genügend politische Verbündete hat, um den König herauszufordern. Die Nahost-Bloggerin Nervana Mahmoud bezweifelt, dass Hamsa den offenen Aufstand wagen kann. Trotzdem sei seine Verzichtserklärung eine schlechte Nachricht für König Abdullah, schrieb Mahmoud auf Twitter. Die Erklärung widerlege Abdullahs Darstellung, dass die Streitigkeiten in der Königsfamilie beigelegt seien. Hamsa sei möglicherweise in Teilen der jordanischen Gesellschaft weiterhin sehr beliebt.