Unterricht unter erschwerten Bedingungen: das Königin-Katharina-Stift zwischen Schillerstraße und Staatsoper Foto: LG/Max Kovalenko

Die Diskussionen um den gegenwärtigen Standort haben dem Königin-Katharina-Stifts großen Schaden zugefügt – Schulleiter Franz Baur beklagt einen Anmelde-Rückgang bei den Fünftklässlern von 40 Prozent.

Stuttgart -

Eigentlich ist alles in Butter. Nachdem OB Fritz Kuhn (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sich für den Verbleib des Königin-Katharina-Stifts am jetzigen Standort zwischen Schillerstraße und Staatsoper ausgesprochen hatten, sollten sich an dem Stuttgarter Gymnasium die Gemüter eigentlich beruhigt haben. Immerhin war das denkmalgeschützte Schulgebäude noch in Eisenmanns Ära als Schulbürgermeisterin für zehn Millionen Euro saniert worden. Die Klassenzimmer waren gegen den Verkehrs- und den Lärm der S-21-Baustelle schallisoliert worden. Und OB Kuhn meinte im Interview mit dieser Zeitung: „Wichtig ist dabei immer, die Stadt als Ganzes zu sehen. Zum Beispiel muss Stuttgart 21 erst mal fertig gebaut ­werden, bevor ich die Konrad-Adenauer-Straße überhaupt verändern kann. Das geht bautechnisch nicht anders.“

Und dennoch scheint der Schulleiter Franz Baur der Sache nicht ganz zu trauen. Die Pläne der Initiative „Aufbruch Stuttgart“ machen ihn vorsichtig: „Diese Diskussionen haben uns beunruhigt.“ Nicht nur das. Am Ende haben diese Diskussionen dem Gymnasium einen Schaden zugefügt. „Wir haben 40 Prozent weniger Anmeldungen für die Klassenstufe fünf“, sagt Baur. Ein Grund mag sein, dass immer wieder der Standort in Frage gestellt wurde. Auch von der Initiative „Aufbruch Stuttgart“. Ziel der Initiative ist es, die Stadtentwicklung und Stadtgestaltung durch Ideen und Impulse voranzubringen. Priorität hat dabei die Neugestaltung der von der B 14 zerschnittenen Kulturmeile. Sie soll zu einem lebendigen Kulturquartier umgestaltet werden. Und in manchen Gedankenspielen dieser Umgestaltung nimmt das Schulgebäude eine zentrale Rolle ein. Es soll in diesen Planspielen zum Verwaltungstrakt der Oper umgewidmet werden.

OB setzt sich für Schule ein

Aus diesem Grund erstattete Schulleiter Franz Baur dem Bezirksbeirat Mitte Bericht und warb erneut für den jetzigen Standort des Königin-Katharina-Stifts. Mit seinen Sorgen rannte Baur bei Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle offene Türen ein. Auch sie fragt sich: „Die Kulturministerin und der OB haben sich ja für den Verbleib der Schule ausgesprochen. Aber wie sieht die Zukunft der Schule wirklich aus? Wie ist die derzeitige Situation?“

Vor allem die zweite Frage der Bezirksvorsteherin konnte Baur, der im vierten Jahr Schulleiter ist, kurz und bündig beantworten: „Gut“, sagte er, „wir können die Bedrohungen von außen und die Probleme mit der der Baustelle gut meistern und bewältigen. Der Schulbetrieb läuft gut. Es besteht somit keine Einschränkung der Zukunftsfähigkeit der Schule.“ Schülersprecher Armin Heydari bestätigte dies: „Die Einschränkungen durch den Baustellenlärm und die Erschütterungen sind weit niedriger, als oft angenommen wird.“

Damit steht für Baur fest: „Es kann nicht sein, dass wir wegen der Oper verlegt werden. Wir identifizieren uns mit der Schule und dem Gebäude, das eine ganz besondere Atmosphäre hat.“ Aber für ihn spricht noch mehr für den jetzigen Standort: „Die Nähe zur Kulturmeile und deren Einrichtungen ist einzigartig. Wir nutzen diese Nähe fast täglich für den Unterricht. Kultur und Bildung gehören einfach zusammen und dürfen nicht gegen einander ausgespielt werden.“ Nicht zuletzt sei der zentraler Standort für Schüler, die von außerhalb wegen des Hochbegabten- und Italienisch-Zuges des „Katzenstifts“ kommen, wichtig. Fazit Baur: „Wir werden nicht weichen.“

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