Königin-Charlotte-Gymnasium in Stuttgart-Möhringen Schnurstracks nach London katapultiert

Von Georg Linsenmann 

Gruppenbild mit Queen: Marc Schmelzle (2.v.re.) und die Akteure versprechen ein kurios-schrilles, musikalisches Feuerwerk. Foto: Linsenmann
Gruppenbild mit Queen: Marc Schmelzle (2.v.re.) und die Akteure versprechen ein kurios-schrilles, musikalisches Feuerwerk. Foto: Linsenmann

Beim Sommerkonzert bringt das Königin-Charlotte-Gymnasium am Freitag, 15. Juni, 19 Uhr, den Brexit zum Tanzen. Wir haben vorab eine Probe in der Aula der Schule besucht.

Möhringen - Bitte erheben Sie sich von Ihren Plätzen, Ihre Majestät, die Königin! Und dann bitte mal kräftig mitsingen bei „God Save The Queen“! Schnurstracks nach London katapultiert das Königin-Charlotte-Gymnasium (KCG) das Auditorium am Freitagabend mit dem Sommerkonzert in der Aula der Schule – und sie macht das mit einem dermaßen kurios-schrillen, musikalischen Feuerwerk, dass man sich selbst in der eher nicht als Konzertsaal gedachten Aula für knappe zwei Stunden wie in der Royal Albert Hall fühlen könnte: Last Night Of The Proms, mitten auf den Fildern! Das haut sogar die Queen um, und zwar buchstäblich. Was in diesem Fall aber mal nicht an Schwiegertöchtern liegt, über die sie not amused ist, sondern am Mehrheitswillen ihrer Insulaner, die unbedingt raus wollen aus dem vereinigten Europa.

An Nietzsche angelehnt

Der Brexit als abendfüllendes, musikalisches Programm? Hört der Wahnsinn denn niemals auf? Marc Schmelzle amüsiert die Frage, er hat sich die Chose ausgedacht und das Ganze unter den Titel „British, All Too British“ gestellt, sich dabei an „Menschliches, allzu Menschliches“ des Philosophen Friedrich Nietzsche angelehnt, sich also wohl einiges gedacht bei der Sache: „Klar, Nietzsche hatte schon am Ausgang des 19. Jahrhunderts vor dem aufkommenden Nationalismus gewarnt, und das ist ja leider wieder topaktuell.“ Also hat er den Brexit zum roten Faden des Programms gemacht, mit Musik „von Komponisten, die typisch englisch sind“. Das reicht von Edward Elgar über Andrew Lloyd Weber bis zu Elton John, Freddie Mercury oder den Beatles. Und Händel selbstredend. Aber auch Beethoven ist mit im Boot: über John Olivers „Brexit-Song“.

Sowieso war der Schlusssatz in Beethovens 9. Sinfonie Ausgangspunkt für die musikalische Dramaturgie des Programmes: „Bevor die Freude-Hymne erklingt, tauchen noch einmal alle Motive auf. Wir machen einen abrupten Zitate-Wechsel, der in die musikalische Katastrophe führt.“ Die Botschaft: „Die Nationalhymnen sind verbraucht, die Hoffnung auf ihre integrative Wirkung hat sich als trügerisch erwiesen.“

Es läuft eine entsprechende Personnage auf

Tragende Säule des Konzertes ist der Chor, der laut Schmelzle mit den zugehörigen 25 Eltern „eine sehr solide Basis hat, sodass man einiges machen kann“. Hinzu kommt das Orchester nebst einigen Solisten, zudem die Pop- und Rock-Band der Schule. Als Schmelzle das fertig ausgearbeitete Programm, an dem sie ein halbes Jahr geprobt haben, vorstellte, sei das gleich „sehr gut angekommen. Es ist ja sehr abwechslungsreich, und es passiert dauernd was“. Auch das Publikum werde „seinen Spaß daran haben, mitzuwippen und mitzusingen“, ist sich Schmelzle sicher. Schließlich läuft in diesem musikalischen Brexit-Theater auch eine entsprechende Personnage auf.

Einschlägige Royalities wie Prinz Charles und Frischvermählte, Proms-Akteure wie die Admiral Nelson-Britannia, die die Insulaner weiter vom Regiment über die Weltmeere träumen lässt: „Rule Britannia, Britannia Rule The Waves“! Und jetzt das Publikum mal wieder aufgestanden und mitgesungen! Und natürlich ausgewiesene Brexiteers, weshalb auch eine so shakespearehaft diabolische Figur wie Boris Johnson nicht fehlen darf, der machtgierige Oberfiesling vor und hinter den Kulissen. Doch selbst am Schluss pfeift er falsch, weshalb er von Schülern unterrichtet werden muss.

Die Sex Pistols mutieren zu den Queen Pistols

Wenn die Queen dann in Ohnmacht fällt bei der „Escalating Farce“, holen die Sex Pistols Ihro Majestät zurück ins Leben, wofür die Punker mal kurz zu Queen Pistols mutieren. So endet es very british, mit Monty Python: „Always Look On The Bright Side Of Life“. Nimm’s nicht so schwer Junge, schau auf die lustige Seite des Lebens! Womit sich der Bogen schließt: „British, All Too British“!

British, All Too British Das Sommerkonzert geht am Freitag, 15. Juni, von 19 Uhr an in der Aula des KCG über die Bühne. Karten gibt es an der Abendkasse.

Redaktion Möhringen

Ansprechpartner
Sandra Hintermayr und Rüdiger Ott
moehringen@stz.zgs.de

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