König von Deutschland Wo Durchschnitt Trumpf ist

Von Wolfram Hannemann 

In der Rolle des Durchschnittsdeutschen glänzt ein zurückhaltend agierender Olli Dittrich, die Frau an seiner Seite mimt Veronica Ferres souverän als unnahbare, hochnäsige Person.

Filmkritik und Trailer zum Kinofilm „König von Deutschland“

Bereits das Nummernschild NO-RM 0815 an seinem Auto lässt es erahnen: Thomas Müller ist der durchschnittlichste Deutsche, den man sich vorstellen kann. Die Einrichtung seiner Wohnung, seine Hobbys, seine Familie, ja selbst seine Name – alles nur Durchschnitt. Das Häuschen, für das er gerade den Kaufvertrag unterzeichnet hat, gehört ­natürlich auch dazu. Dumm nur, dass er ausgerechnet jetzt seinen Job verliert. Mit der Ausweglosigkeit konfrontiert, will sich Müller von einer Brücke stürzen.

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Doch sein Vorhaben wird in letzter Sekunde von einem zu Hilfe eilenden Mann vereitelt. Und mehr noch: Der Typ hat prompt einen neuen Job für ihn. Mit eigenem Büro und Ausstattung vom Feinsten. Müller hat zwar keine Ahnung, was er tun soll, doch der Job gefällt ihm. Was der Gute nicht weiß: In Wirklichkeit dient er einer Industrieberatungsfirma als Versuchskaninchen.

Alles nur Durchschnitt

Wie schon Jim Carrey in der „Truman Show“ wird hier Olli Dittrich alias Thomas Müller in David Dietls Film mit modernster Technik heimlich überwacht. Sogar in seiner Brille verbirgt sich eine Kamera. Doch anders als bei Carrey, dessen grenzenlose Überwachung Thema einer Reality-TV-Show ist, dient die Überwachung einzig Marketing-Zwecken. Thomas Müller repräsentiert den absoluten Bevölkerungsdurchschnitt. Was er sagt und denkt, das hat Erfolg. Ob die Bierflasche mit Drehverschluss oder gar politische Entscheidungen. Denn wer dem Volk nach dem Munde redet, der erhält die Stimmen – unabhängig von den Inhalten.

In der Rolle des Durchschnittsdeutschen glänzt ein zurückhaltend agierender Olli Dittrich, die Frau an seiner Seite mimt Veronica Ferres souverän als unnahbare, hochnäsige Person. Auch alle anderen Rollen überzeugen, insbesondere Wanja Mues als Müllers schmieriger Chef und Drahtzieher der Ausspähaktion. Leider fehlt es dem Film an Biss, das Drehbuch hätte man sich wesentlich sarkastischer gewünscht. So bleibt dann auch hier alles nur Durchschnitt.

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