Für die Handy-Sammelaktion werben Gerlinde Maier-Lamparter und Linus Lamparter im Weltladen. Foto: Ines Rudel

Um Ressourcen zu schonen, hat der Köngener Weltladen 3000 Mobiltelefone gesammelt. Das ehrenamtliche Team belebt nicht nur die Fußgängerzone mit dem Geschäft. Die Mitglieder engagieren sich auch politisch.

Köngen - Seit fünf Jahren sammelt das Team des Weltladens in Köngen ausgediente Handys. 3000 Mobiltelefone sind in dieser Zeit zusammengekommen, deren Bauteile wiederverwertet werden. „Das spart wertvolle Rohstoffe, die oft unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut werden“, sagt Gerlinde Maier-Lamparter. Außerdem schade der Abbau der Umwelt. Seit die Handy-Aktion im Weltladen in der Hirschstraße läuft, wurden 50 Sammelboxen mit mehr als 3000 Mobiltelefonen gefüllt. Darin steckten mehr als 27 Kilogramm Kupfer, 456 Gramm Silber und 76 Gramm Gold. Die Initiative Eine Welt Köngen und Köngener Weltladen und ihre Aktion haben sich auch für den Ehrenamtspreis 2020 beworben und gehören zu den Nominierten.

Dass in Deutschland nach Informationen des Bundesverbands BITCOM fast 200 Millionen ungenutzte Handys und Smartphones in Schubladen lagern, ist für Ev-Marie Lenk schwer vorstellbar. „Da wollten wir etwas tun“, erinnert sich die langjährige Mitarbeiterin des Weltladens, die auch Vorsitzende des Trägervereins Fair handeln ist. Seit fünf Jahren motiviert das Team die Kundschaft unermüdlich, ihre gebrauchten Mobiltelefone abzugeben. Von Anfang an beteiligen sich der Köngener Weltladen und die Initiative Eine Welt an der landesweiten Handyaktion „Fragen. durchblicken. nachhaltig handeln!“.

Diese ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg, deren Schirmherr Minister Franz Untersteller ist. Wie viele andere Projekte im Land trägt auch die Köngener Sammelaktion zur lokalen Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele bei. „In Ziel zwölf geht es um nachhaltigen Konsum und Produktion“, erklärt Maier-Lamparter, die das Projekt koordiniert. Das Unterziel fünf fordert nach ihren Worten, „bis 2030 das Abfallaufkommen durch Vermeidung, Verminderung, Wiederverwertung und Wiederverwendung deutlich zu verringern“. Die Köngenerin ist glücklich, dass es so erfolgreich läuft.

Nicht nur mit der bunt beschrifteten Sammelkiste aus Pappe, die auf der Theke steht, wirbt das Weltladen-Team für die Aktion. „Viele sind einfach achtlos“, sagt Maier-Lamparter. Sie möchte die engagierte Koordinatorin zum Umdenken bewegen. Deshalb klärt die energiegeladene Köngenerin, die als Bildungsreferentin für Weltläden auch über die Gemeinde hinaus engagiert ist, immer wieder über die Bedeutung des Recycling-Projekts auf. „Ein Motor der Aktion waren die jungen Menschen, die bei uns im Weltladen ihr Praktikum gemacht haben“, sagt die studierte Betriebswirtin. Da gerade junge Leute viel mit elektronischen Geräten arbeiten, ist es ihr besonders wichtig, deren Bewusstsein zu schärfen. Für jedes gespendete elektronische Gerät zahle die Telekom einen Betrag, der in unterschiedliche Hilfsprojekte in aller Welt fließt.

Derzeit hat der Weltladen nur von donnerstags bis samstags offen – ab 31. August gelten dann wieder die normalen Öffnungszeiten. „Es ist nicht ganz einfach, die Verkaufsdienste zu besetzen“, schildert die Vorsitzende Ev-Marie Lenk die Situation. Denn etliche Mitglieder des ehrenamtlichen Teams gehörten zur Corona-Risikogruppe. Um Sicherheitsabstände einhalten zu können, ist der Laden derzeit nur mit einer Person besetzt. Wie läuft das Geschäft in Corona-Zeiten? „Lebensmittel gehen gut, aber bei Kleidung und Kunsthandwerk beobachten wir einen Rückgang“, schildert Maier-Lamparter die Marktlage. Die Nachfrage ziehe wieder an.

Dennoch will das Team den Weltladen gerade jetzt offen halten, um die Handelspartner in den Entwicklungsländern zu stärken. „Wie wichtig Lieferketten sind, hat uns die Corona-Pandemie gezeigt“, sagt Reinhold Hummel. Der Vorsitzende der Initiative Eine Welt hat in den vergangenen Monaten für ein bundesweites Lieferkettengesetz gekämpft. Da sich nur rund 22 Prozent der deutschen Unternehmen an menschenrechtliche Standards hielten und die Anforderungen des „NAP-Monitorings“ erfüllten, hält der Köngener dieses Gesetz für zwingend nötig. Dass sich die Bundesminister Hubertus Heil und Gerd Müller für das Gesetz ausgesprochen haben, sieht Hummel als den richtigen Schritt: „Gerade jetzt ist es wichtig, den fairen Handel in den Entwicklungsländern auch politisch zu stärken.“

Dass finanzielle Hilfe für die Handelspartner wichtiger denn je ist, steht für Maier-Lamparter außer Frage. Deshalb beteiligt sich auch der Köngener Weltladen seit 1. Juli an der Aktion #fairwertsteuer. Die eingesparte Mehrwertsteuer spenden die Läden an ihre internationalen Handelspartner. Sie haben nach den Worten der Bildungsreferentin wenig Aussicht auf staatliche Hilfen. Deshalb sei diese Unterstützung gerade jetzt wichtiger denn je.

Der Ehrenamtspreis 2020 zeichnet Personen und Initiativen aus, die sich für Nachhaltigkeit engagieren und gegen den Klimawandel stemmen. Alle Nominierten werden in den kommenden Wochen in der EZ vorgestellt.

Der Weltladen in der Hirschstraße hat derzeit donnerstags und freitags von 9 bis 12.30 und von 14.30 bis 18 Uhr offen, samstags von 9 bis 12 Uhr. Ab 31. August ist wieder an jedem Werktag offen.

www.fair-handeln-koengen.de

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