Beim angeleiteten Fasten in der Gruppe gehören Bewegungsübungen mit dazu. Regina Kraz-Reiser (links) und Thomas Diels (rechts) haben sichtlich Spaß dabei. Foto: Ines Rudel

Die Teilnehmer einer Köngener Fastengruppe berichten, wie ihnen eine Woche ohne Essen bekommen ist.

Köngen - Für Thomas Diels ist es eine Premiere gewesen. Zusammen mit sechs weiteren Teilnehmern hat er an einem Fastenkurs der Familienbildungsarbeit Köngen teilgenommen. So wie alle in der Gruppe, hat der Erstfaster die Woche ohne Essen bestens überstanden. „Es war eine durchweg gute Erfahrung“, lautet sein Fazit. Nur einmal, am zweiten Tag, hatte der Köngener eine kleine Fastenkrise.

Röstaromen machen den Mund wässrig

Es war Samstag, sein Sohn feierte Geburtstag, der fastende Vater musste 30 Burger grillen und dazu Pommes frites machen. Die Röstaromen stiegen ihm in die Nase und machten ihm den Mund wässrig. „Der Genussverzicht an der Stelle war eine kleine Herausforderung“, sagt er über die Grillparty, die manch einer wohl glatt als Folter empfunden hätte.

Thomas Diels blieb standhaft, doch auf dem Stimmungsbarometer auf dem Flipchart wurde der Durchhänger am Tag zwei der Fastenwoche vermerkt. In den Räumen der Familienbildungsarbeit traf sich die Gruppe unter der Leitung von Dorothee Busch täglich für einige Stunden zum Erfahrungsaustausch. Zwar ist alleine zu fasten kein Ding der Unmöglichkeit. Allerdings fällt es laut Dorothee Busch den meisten deutlich leichter, zusammen mit Gleichgesinnten den Verzicht zu üben. „Die Gruppe trägt“, sagt die Fastenleiterin vom Berufsverband Fasten und Ernährung. „Es wird unheimlich viel angesprochen in der Woche“, erklärt Dorothee Busch. Es gehe darum, was während der Fastenwoche im Körper passiert, auch Körperpflege ist ein Thema. Jeder bringt bei den Treffen seine Fastenbrühe mit, und gemeinsam wird dann langsam und bewusst gelöffelt. Dorothee Busch liest dann meditative Texte oder auch Geschichten aus dem alten Orient vor, die immer kleine Lebensweisheiten enthalten.

In der Gruppe fastet es sich leichter

Das in Köngen praktizierte Heilfasten nach der Methode der Fastenärzte Otto Buchinger und Hellmut Lützner richtet sich ausschließlich an Gesunde. Wer krank ist, den nimmt Dorothee Busch nicht. Sie bietet Fasten für Gesunde an. Zwar dürfen Fastenleiterinnen wie Dorothee Busch keine Kranken in ihre Fastenkurse aufnehmen. Fasten können aber auch Kranke. Sie werden in der Fastenklinik betreut – unter ärztlicher Aufsicht – „mit hervorragenden Ergebnissen“, wie Dorothee Busch sagt.

Laut Dorothee Busch ist das Fasten im Berufsalltag durchaus möglich. Für Regina Kraz-Reiser kam das allerdings nicht mehr in Frage. Vor Jahren hat die Stuttgarterin einmal gefastet und dabei gearbeitet. Das sei ihr schwer gefallen, erinnert sie sich. Diesmal hatte sie zwei Wochen Urlaub, und eine davon hat sie für den Fastenkurs reserviert. „Ich habe mich darauf konzentriert und eingestellt“, sagt sie. Ein Ziel des Fastens soll auch sein, sich einmal um sich selbst kümmern zu dürfen und zur Ruhe zu kommen.

Abnehmen ist nur ein Aspekt von vielen

Auch Sport kann weiter getrieben werden. Wichtig ist indessen, dass der Fastende auf seinen Körper hört, und sich nicht zu viel zumutet. Thomas Diels hat am Dienstag Fußball gespielt und sich nicht entkräftet gefühlt. Im Gegenteil – die rund 4,8 Kilogramm, die er am Ende des Fastens weniger auf den Rippen hat, haben sich positiv auf seine sportliche Leistungsfähigkeit ausgewirkt. Zwar purzeln beim Fasten die Pfunde. Doch die Gewichtsabnahme ist nur ein Aspekt von mehreren. „Man hat das Gefühl, dass man Großputz machen und seelischen Müll loswerden will“, erklärt Dorothee Busch den Sinn des Fastens. Zu sich selbst gelangen und bewusster leben – das steht klar im Mittelpunkt.

Ob Thomas Diels das Fasten wiederholen wird oder nicht, kann er noch nicht sagen. Zunächst freut er sich, dass er es so gut geschafft hat und auch das Glaubern zur Darmentleerung, vor dem er Respekt gehabt hatte, war kein Problem. Auch Helmut Renner, neben Thomas Diels der einzige Mann in der Gruppe, bereut seine Teilnahme nicht. Für die Fastenleiterin Dorothee Busch ist er voll des Lobes: „Mit ihr macht das Spaß, Kompliment!“

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