Und wieder steht ein Laden auf der Königstraße leer! Nach 142 Jahren schließt Koelble & Brunotte seinen Stammsitz. Zwar hat das Modehaus Insolvenz angemeldet, aber rasch einen Investor gefunden. Am neuen Standort mit einer günstigeren Miete geht es weiter.
Zwei Schneider im Dienste Ihrer Majestät haben das Fundament gelegt für ein Modegeschäft mit klangvollem Namen: Für die württembergischen Könige Karl und Wilhelm II. fertigten einst August Koelble und Heinrich Brunotte perfekt sitzende Maßhemden in höchster Qualität an. Ihr Atelier befand sich im Stuttgarter Hotel Marquardt, dem ersten Haus am Platze.
Weit über 100 Jahre nach der Monarchie muss das 1882 gegründete Geschäft seinen Stammsitz im Marquardt-Gebäude an der Königstraße aufgeben. Immer weniger Kunden in der City, immer höhere Kosten – dies blieb nicht ohne Folgen für das letzte inhabergeführte Modehaus auf der Königstraße, auf der die Ketten regieren.
Vorbesitzerin Herta Kächele führte das Geschäft 63 Jahre lang
Von Maute Benger bis zum Schuhgeschäft Görtz – viele klangvolle Namen mussten auf der größten Einkaufsmeile von Stuttgart aufgeben. „Die hohen Mieten lassen sich heute nicht mehr erwirtschaften“, sagt Marco Mangold, der vor sechs Jahren das kleine, aber feine Modegeschäft Koelble & Brunotte mit einer Ladenfläche von über 400 Quadratmetern gekauft hat.
Der studierte Betriebswirt Mangold ist ein Mode-Enthusiast mit großer Freude an den schönen Dingen des Lebens. Viel Herzblut hat er in das Geschäft gesteckt, seit er es von Herta Kächele gekauft hat. Die Vorbesitzerin hatte die Institution im Marquardt-Gebäude 63 Jahre lang geführt und erst mit 80 Jahren mit der Arbeit aufgehört.
Top-Label unter einem Dach – dafür steht die Marke Koelble & Brunotte. Viele Stammkundinnen kauften hier ein, von Schickem aus Mailand oder London angelockt, aber auch von der guten Beratung. Doch zuletzt waren es nicht mehr genügend, um den Fortbestand zu sichern.
Mitte März blieb Mangold nichts anderes übrig. Schweren Herzen meldete er Insolvenz an. Gleichzeitig war er aber auch erleichtert, weil es ihm gelungen ist, aus dem Kreis seiner Stammkundschaft einen Investor zu finden. Das erlebt Insolvenzverwalter IIlkin Bananyarli von der Pluta Rechtsanwalts GmbH nicht alle Tage, dass wenige Wochen nach der Insolvenz bereits ein neuer Käufer unterschreibt, alles also „in trockenen Tüchern“ scheint.
Alle Arbeitsplätze sind gerettet
Wichtige Voraussetzung für die Rettung war der Umzug an einen neuen Standort, an dem die Mieten nicht so hoch sind wie auf der teuren Königstraße. Dies ist sehr schnell gelungen. Bereits am kommenden Donnerstag eröffnet Koelble & Brunotte an der Neuen Brücke 3, etwas unterhalb der oberen Königstraße. Der neue Besitzer übernimmt alle 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Marco Mangold als Geschäftsführer. Die Marke überlebt also – und der bisherige Inhaber freut sich auf die zweite Chance an einem Ort, an dem die Ladenmiete nur etwa ein Viertel von dem beträgt, was auf der Königstraße verlangt wird.
„Die Mitarbeiter und auch die Kunden haben dem Betrieb die Treue gehalten“, sagt Insolvenzverwalter IIlkin Bananyarli, „das war eine wichtige Voraussetzung für die nun erzielte Einigung.“ Nicht nur für den Erhalt der Arbeitsplätze sei eine gute Lösung gelungen, sondern auch für die Gläubiger, „da ihre Quote deutlich erhöht wird“. Im Einzelhandel, in dem viele Betriebe ums Überleben kämpfen, sind so schnelle und aussichtsreiche Ergebnisse selten.
Das historische Mobiliar des Geschäfts und sechs Kronleuchter ziehen mit um
Marco Mangold blickt optimistisch in die Zukunft. „Der neue Standort wird sicherlich von unseren Kunden schnell angenommen, da dieser wie gewohnt sehr zentral ist und dennoch gute Parkmöglichkeiten bestehen“, sagt der neue wie alte Geschäftsführer. Wegen der Fußball-EM ist der Umzug sportlich. Da in Kürze Straßen der Innenstadt für die Fanzonen gesperrt werden, mussten die Kollektionen in wenigen Tagen rasch an den neuen Standort transportiert werden. Auch das Atelier zieht mit um – und mit ihm das gesamte historische Mobiliar des traditionsreichen Geschäfts sowie sechs Kronleuchter. Seit Tagen sind Schreiner damit beschäftigt, die edle Inneneinrichtung aus Holz aus dem alten Standort ab- und am neuen aufzubauen.