Derzeit schwelt im Rems-Murr-Kreis ein historischer Kohlemeiler. Dass es die Köhlerwoche überhaupt gibt, hängt mit einem anderen alten Handwerk aus der Region zusammen.
Neben dem Ziegenhof Kohl bei Alfdorf steigt blauer Rauch auf. Da muss er sein, der Kohlemeiler – doch halt, nicht ganz. Der Rauch stammt vom Lagerfeuer, an dem es sich die Mitglieder des Köhlervereins Schwäbischer Wald gemütlich gemacht haben. Der Meiler raucht einige Meter entfernt vor sich hin, und zwar eher unauffällig. „Wir wollen weißen Dampf“, erklärt der Vereinspräsident Manfred Krautter. „Würde unser Meiler so rauchen wie das Lagerfeuer, hieße das, er bekommt zu viel Luft.“
Seit dem vergangenen Samstag schwelt der Haufen aus Holz und Erde bei Alfdorf-Pfahlbronn. Es entsteht Holzkohle nach einer Methode, die hunderte von Jahren alt ist. Auf einen palettenartigen Unterbau, den sogenannten Rost, wird dabei zunächst das Holz geschichtet. Dieses decken die Köhler mit der sogenannten Lösche, einem Gemisch aus Erde, Sand und Kohlestaub, ab.
„Solche Meiler gab es damals im Schwäbisch-Fränkischen Wald überall“, erklärt Krautter. „Wer heute mit wachen Augen durch den Wald geht, entdeckt an vielen Orten noch Kohlplatten.“ Auf diesen verdichteten Plateaus in der Landschaft wurden einst die Kohlemeiler aufgeschichtet. Dass diese in der Region so verbreitet waren, ist kein Zufall: „Die Kohle war ein wichtiger Energieträger“, sagt Krautter. Und Holz als Basis gab es im Schwäbischen Wald viel.
Sogar nachts wird der Kohlemeiler überwacht
Alle zwei Jahre stemmt der Köhlerverein mit seinen 14 Mitgliedern eine Köhlerwoche. Für ein jährliches Event sei der Aufwand zu groß, sagt Manfred Krautter. Während der Köhlerwoche sind rund um die Uhr Vereinsmitglieder anwesend und vermitteln den Besuchern, die zu dem abgelegenen Hof kommen, Wissenswertes zu dem alten Handwerk. Der Meiler muss ständig überwacht werden – und da man durchaus in den innen glühenden Haufen einbrechen kann, braucht es mindestens zwei Menschen, die ihn betreuen. „Auch nachts“, erklärt Krautter. Genau geregelt passen die Vereinsmitglieder auf den Meiler auf.
Der Verein hat eigens einen Bauwagen eingerichtet, alle zwei Stunden gilt es nachts nach dem Meiler zu sehen. Die Hobbyköhler bessern ihn nach, verschließen die sogenannten Pfeifen – Löcher, die ins Innere des Meilers führen – oder bohren neue Pfeifen und regulieren auf diese Weise die Luftzufuhr. Dabei kommt es auf die richtige Dosierung an: Zu viel Sauerstoff lässt das Holz verbrennen. Zu wenig, und die Glut erlischt. Langweilig wird den Köhlern nicht, auch wenn sie es sich am Lagerfeuer und mit genügend Verpflegung gut gehen lassen.
Dass es im Fränkisch-Schwäbischen Wald einen Verein gibt, der das alte Handwerk der Kohleherstellung am Leben hält, ist einer zweiten, fast vergessenen Kunst aus dieser Gegend zu verdanken: Im Jahr 2010 gab es zwischen Lorch und Welzheim einen Waldglastag. Dieser sollte daran erinnern, dass ab dem späten Mittelalter in den Wäldern Waldglashütten errichtet wurden. Dort stellte man aus Quarz, Kalk und Pottasche Schmuckstücke und Gebrauchsgegenstände aus dem charakteristisch grünen Glas her und brauchte dafür Öfen mit einer Temperatur von 1200 Grad Celsius. Seinerzeit verwendete man Holz, beim Waldglastag stellte man dafür jedoch mit traditionellen Methoden Holzkohle her, die es erlaubte, die Öfen schneller auf Temperatur zu bringen.
Das ist das Ziel des Köhlervereins:
Bei den Beteiligten war das Interesse geweckt. Sie trafen sich wieder, um einen Kohlemeiler abzubrennen – die Geburtsstunde des Köhlervereins. Auch Manfred Krautter, der in der Region als Naturparkführer bekannt ist, war fasziniert. „Wie das Wasser hat auch das Feuer nicht nur eine zerstörerische Kraft, sondern auch eine schöpferische. Wenn man mit dem Kohlemeiler alles richtig macht, kann man diese zum Vorschein bringen“, sagt er. „Dieses Handwerk ist vom Aussterben bedroht. Unser Ziel ist es, dieses Wissen auch an kommende Generationen weiterzugeben.“ Das klappe auch schon ziemlich gut: „Unsere jüngsten Mitglieder haben teilweise inzwischen schon selbst Kinder. Auch die kommen her, springen hier herum und werden mit dem Köhlervirus infiziert“, wie Krautter schildert.
Am Samstag wird bei Alfdorf Grillkohle verkauft
Spannend wird es dann am kommenden Samstag. Ab 8 Uhr öffnet der Köhlerverein den Meiler – er „zieht ihn aus“, wie man sagt. „Für einen Köhler ist das wie Weihnachten“, sagt Krautter. „Erst dann stellt sich heraus, ob man alles richtig gemacht und die schöpferische Kraft des Feuers hervorgebracht hat.“ Zwischen 10 und 11 Uhr wird die Kohle dann portioniert und verkauft. „Wenn alles gut läuft, bekommen wir am Ende aus den acht Raummetern rund 200 Säcke Holzkohle“, schätzt Krautter.
Köhlerwoche Der Kohlemeiler ist beim Ziegenhof Kohl, Schautenhof 1, aufgebaut. Dieser liegt zwischen Welzheim-Breitenfürst und Alfdorf-Pfahlbronn, gehört aber zu Plüderhausen.