Robert Stauder hat sich gar nicht ausgemalt, den Kochwettbewerb zu gewinnen, wie er sagt. Er sah die Teilnahme eher als gute Prüfungsvorbereitung. Foto: Julia Barnerßoi

Der Koch-Azubi der Speisemeisterei, Robert Stauder, hat den Kochwettbewerb des Stuttgarter Kochvereins gewonnen. Eigentlich hätte der Lehrling im zweiten Jahr noch gar nicht teilnehmen dürfen – dann ist er den erfahreneren Kollegen einfach davongezogen.

Hohenheim - Die Arbeitszeiten sind nicht gerade freizeittauglich, das Arbeitspensum ist hoch und der Umgangston in Restaurant-Küchen oft rau. Alles Gründe, warum der Beruf des Kochs teils nicht sehr beliebt sei bei jungen Leuten, sagt Robert Stauder. Der 21-Jährige ist Azubi im zweiten Lehrjahr in der Speisemeisterei in Hohenheim. Um den Beruf schmackhaft zu machen und den Nachwuchs zu fördern, gibt es vom Stuttgarter Kochverein seit Jahren einen Wettbewerb für Koch-Lehrlinge. Vormals hieß er Achenbach-Stadtwettbewerb, seit diesem Jahr firmiert das Wettkochen unter dem Namen Staufenfleisch-Pokal. Robert Stauder hat bei der neu getauften Meisterschaft kürzlich den ersten Platz erkocht.

Obwohl der Kochberuf aus genannten Gründen kein leichter ist, gab es für Stauder nie eine Alternative. Schon während der Schulzeit auf der Waldschule Degerloch absolvierte er einige Praktika. Mit 14 Jahren ging er mutterseelenallein in die französische Schweiz und arbeitete in einer Hotelküche. „Die großen Töpfe, die Messer, die Kochjacken – das alles hat mich von Anfang an fasziniert“, sagt Stauder. Bis zum Abitur hatte er bereits drei Praktika in der Sterneküche der von Fernsehkoch Frank Oehler geführten Speisemeisterei absolviert. Nach dem Schulabschluss bot man ihm dort schließlich die Lehrstelle an.

Einfach lecker kochen – ganz ohne Chichi

Inzwischen ist Stauder im zweiten Lehrjahr. Eigentlich ist der Staufenfleisch-Pokal für Azubis im dritten Jahr gedacht. Sie können bei einem Sieg in die nächste Runde einziehen und am Landes- oder sogar Bundeswettbewerb um den Robert-Achenbach-Preis teilnehmen. Stauder, der ausnahmsweise einen noch freien Platz im Teilnehmerfeld bekam, kann dies als Sieger nun nicht. Stolz auf den Sieg sei er trotzdem, immerhin hat er alle erfahreneren Konkurrenten abgehängt. Den zusätzlich vergebenen Jurypreis hat der 21-Jährige, der in Heumaden wohnt, ebenfalls abgeräumt. Stauder habe „zu keiner Zeit den Eindruck vermittelt, dass es sich um einen Auszubildenden im zweiten Lehrjahr handelt“, heißt es in der Jury-Begründung.

Robert Stauder sagt, er sei total überrascht gewesen, dass er gewonnen hat. Nachdem er ohnehin nicht in die nächste Runde einziehen konnte, habe er den Wettbewerb eher als gute Prüfungsvorbereitung angesehen. „Ich wollte einfach lecker kochen – ohne Chichi.“ Das ist dem 21-Jährigen gelungen. Mit einer Stubenkükengalantine mit Linsensalat als Vorspeise, einem gebratenen Schweinebauch mit Ochsenschwanzragout an Pastinakenpüree und Risoleekartoffeln als Hauptgang und einem Ziegenkäseparfait mit karamellisierten Äpfeln und Grapefruit als Dessert hat er sich in das Herz der Jury gekocht.

Drei Gänge in fünf Stunden

Fünf Stunden Zeit hatten die Jungköche, um ihr Drei-Gänge-Menü in der Küche des IB Hotels in Vaihingen zuzubereiten. Den Zutatenkorb mit Pflicht- und Wahlbestandteilen kannten sie schon vorher. Nur mit einem daraus fertig erdachten und aufgeschriebenen Menü konnten sie sich für den Wettbewerb anmelden. „Die größte Herausforderung war es, in einer fremden Küche zu kochen“, erzählt Stauder.

Vor dem Wettbewerb habe er das Menü einmal in der Speisemeisterei probegekocht. Mehr Versuche gab es nicht, denn zuhause fehlt dem 21-Jährigen eine ganz wichtige Grundlage: „Ich habe in meiner Wohnung noch keine Küche“, gibt er zu. Das solle sich aber bald ändern, denn nicht nur die Faszination für große Töpfe und Messer haben Stauder zu der Berufswahl bewogen, sondern auch noch ein entscheidender weiterer Vorteil, wie er mit einem Grinsen anfügt: „Mit gutem Essen bekommt man die hübschesten Frauen.“

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