Die Uni Heidelberg prüft Plagiatsvorwürfe gegen Koch-Mehrin. Foto: dapd

Koch-Mehrin soll bei ihrer Doktorarbeit vorsätzlich Texte anderer Autoren kopiert haben.

Heidelberg - Die Universität Heidelberg will die Plagiatsvorwürfe gegen die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin bis spätestens Ende Mai aufklären. Dann werde ein Ergebnis des Promotionsausschusses erwartet, sagte eine Sprecherin am Mittwoch auf Anfrage.

Nach einem Bericht der Internet-Plattform "VroniPlag Wiki" soll Koch-Mehrin bei ihrer Doktorarbeit vorsätzlich Texte anderer Autoren kopiert haben. Auf der Plattform arbeiten anonyme Internet-Nutzer bei der Überprüfung von Doktorarbeiten zusammen.

Laut Plattform "VroniPlag Wiki" vorsätzlich Texte kopiert

"In der untersuchten Dissertation wurden in erheblichem Ausmaß fremde Quellen verwendet, die nicht oder nicht hinreichend als Zitat gekennzeichnet wurden", hieß es in einem am Dienstag im Internet veröffentlichten Bericht zu der Doktorarbeit. "Die zahlreichen textuellen Anpassungen der Plagiate sowie die Tatsache, dass Plagiate über die gesamte Dissertation hinweg zu finden sind, lassen darauf schließen, dass die Textübernahmen kein Versehen waren, sondern bewusst getätigt wurden."

Die Vorwürfe der Internet-Plattform würden in die unabhängige Prüfung der Universität einbezogen, sagte die Uni-Sprecherin. Bewertet werde die Arbeit aber nach den Kriterien der Wissenschaft. Erhärte sich der Verdacht gegen Koch-Mehrin, werde sie angehört.

Staatsanwaltschaft ermittelt routinemäßig

Die Vorwürfe beschäftigen auch die Heidelberger Staatsanwaltschaft. Sie leitete vergangene Woche eine routinemäßige Vorprüfung wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen ein. Nach wie vor gebe es aber keinen Anfangsverdacht gegen Koch-Mehrin, sagte eine Sprecherin. "Es ist noch kein Fall für uns". Zunächst würden die Ergebnisse der Universität abgewartet.

Koch-Mehrin, die heute Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments ist, hatte ihre Arbeit "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" bei der Uni Heidelberg eingereicht und 2001 in einem renommierten Verlag veröffentlicht. Die FDP-Politikerin hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.