Das Eröffnungswochenende des Cannstatter Volksfests lockte die Massen an. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Drei Wasen-Besucher klagen plötzlich über körperliche Beschwerden – die Polizei prüft, ob K.-o.-Tropfen eine Rolle spielten. Was bisher bekannt ist und wie man sich schützen kann.

Nach dem ersten Wochenende des Cannstatter Volksfests verzeichnet die Polizei drei Verdachtsfälle, bei denen K.-o.-Tropfen im Spiel gewesen sein könnten. Demnach berichteten zwei Frauen am späten Freitagabend und ein Mann am Sonntag gegen 22 Uhr von körperlichen Beschwerden, wie Polizeisprecher Stephan Widmann auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte: „Derzeit werden Urinproben ausgewertet.“ Wann ein Ergebnis vorliegt, sei noch nicht abzusehen.

 

In welchen Zelten den Festbesuchern möglicherweise K.-o.-Tropfen ins Glas gekippt wurden, verrät die Polizei nicht. Allerdings „ gibt es solche Fälle auf Volksfesten, aber auch in Discos, immer mal wieder“, sagt Widmann. Häufig sei die Flüchtigkeit der Stoffe in K.-o.-Tropfen ein Problem, das den Nachweis nicht ganz einfach mache. Darum geht die Polizei bei Delikten in diesem Bereich auch von einer hohen Dunkelziffer aus.

Um sich davor zu schützen, Opfer von K.-o.-Tropfen zu werden, rät Widmann: „Niemals das Getränk aus der Hand geben, wenn möglich, einen Deckel drauf.“ Außerdem solle man „auf keinen Fall offene Getränke von Unbekannten annehmen.“ Wer sich in einem Bierzelt unwohl fühle und den Verdacht habe, K.-o.-Tropfen verabreicht bekommen zu haben, dem rät der Polizeisprecher, dies dem Personal im Zelt mitzuteilen, Begleitpersonen zu informieren oder gleich die Polizei zu rufen.


K.-o.-Tropfen stehen häufig in Zusammenhang mit Sexual- oder Raubdelikten. Wer die Tropfen, die häufig sogenanntes Liquid Ecstasy enthalten, verabreicht bekommt, kann sich an die dann folgenden Straftaten häufig kaum noch erinnern – was es Tätern erleichtert, unerkannt zu bleiben.

Codewörter in Wasen-Zelten

Dabei werden vor allem Sexualdelikte sowohl vom Volksfestveranstalter als auch in den Festzelten sehr ernst genommen. So hat sich die Wasenboje – ein Safe Space in Form eines Containers – als Anlaufstelle für Frauen etabliert, die sexuell belästigt wurden oder den Verdacht haben, Opfer von K.-o.-Tropfen geworden zu sein.

Auch in den Zelten selbst ist man sensibilisiert: So reagiert das Personal auf bestimmte Codewörter, sollte sich jemand sexuell bedrängt fühlen. Im Wasenwirt reagiert das Personal etwa auf „Wo ist Eve“, im Göckelesmaier auf „Wo ist Luisa“.

Straftaten auf dem Cannstatter Wasen gehen zurück

Außerdem gibt es Kooperationen mit Anbietern von Safe-Apps, die die Sicherheit von Frauen erhöhen sollen. Mit der App SafeNow können Gäste beispielsweise Beim Benz das Sicherheitspersonal alarmieren und über den eigenen Standort informieren. Im Wasenwirt wird mit der App Eve gearbeitet, die ähnlich funktioniert.

Insgesamt tendiert das Cannstatter Volksfest laut Polizei dazu, sicherer zu werden. So seien die Straftaten vom Jahr 2023 auf das Jahr 2024 um 37 Prozent zurückgegangen.