Erst schreiben, dann trinken: KNITZ lässt sich über zwei Weinflaschen aus, die bei ihm in der Schreibtischschublade liegen.
Nein, KNITZ ist stocknüchtern. Er hat noch keinen Tropfen der hier abgebildeten Weine zu sich genommen. Sie liegen noch ungeöffnet in seiner Schreibtischschublade. Er will ja niemandem in Versuchung bringen. Schon gar nicht sich selbst.
KNITZ ist auch nicht sicher, ob da was G’scheites herauskäme, würde er die Weine besprechen. Er wäre mit seinem Vokabular schnell am Ende. Trocken, lieblich, süffig, mehr wäre von ihm kaum zu erwarten.
Rotwein gibt keine Weißweinflecken
Dabei trinkt er gern Wein, vorzugsweise roten, weil Rotwein keine Weißweinflecken macht. KNITZ bewundert Menschen, die an einem Weinglas nippen und außer Kirsch- oder Himbeeraromen im Abgang auch noch die Handynummer des Winzers herausschmecken können.
Er fühlt sich mit dem Wein, zumal mit dem Württemberger, schon deshalb verbunden, weil er zu Beginn seiner Tätigkeit vor rund zwei Jahrzehnten im Wandschrank sechs Flaschen Weißwein mit der Aufschrift „KNITZ“ vorfand. Sie waren an einen seiner Vorvorgänger gegangen und lagen dort schon etliche Jahrzehnte. Ein Roter hätte das überstanden, ein Weißer wohl eher nicht.
Also öffnete KNITZ im Beisein einiger Fachleute der Lokalredaktion eine Flasche – und man kam übereinstimmend zum Schluss, dass dieser Tropfen nicht mal mehr zum Kochen taugt. In dem Moment hat KNITZ entschieden, dass unter seiner Regie in der Redaktion kein Wein mehr dem Verderben überlassen wird. Ein zarter Hinweis darauf, dass die Tage der hier abgebildeten Flaschen gezählt sind.
Es waren erlesene Weinexperten des Verlags, die auf den Gedanken kamen, dem tief verwurzelten Heimatgefühl der werten Leserschaft mit zwei Weinkreationen entgegenkommen zu müssen. Dass die Idee nach einer Weinprobe der Württembergischen Weinmeisterschaft hochkam, ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Geist des Weines beflügeln kann. Weil so ein Zeitungshaus zwar einen Keller hat, der aber zum Keltern kaum geeignet ist, haben wir uns als Partner das Collegium Wirtemberg mit ins Boot geholt, Stuttgarts größte Genossenschaft.
Der Trollinger ist besser als sein Ruf
Doch nun zu den Weinen, die, wie könnte es anders sein, auf den Titel unserer beliebten Mundartkolumne „Auf gut Schwäbisch“ getauft wurden. Beim Roten handelt es sich um einen Trollinger vom Uhlbacher Götzenberg. Der Trollinger, einst der Leib-und-Magen-Wein des Viertelesschlotzers, ist ja etwas in Verruf geraten. Völlig zu Unrecht, wie KNITZ sich sagen ließ. Der Trollinger sei viel besser als sein Ruf. Bedenkt man, dass die Trollinger-Anbauflächen in Württemberg zurückgegangen sind, dann darf ein Trollinger-Trinker behaupten, dass er sich aktiv für den Arterhalt starkmacht.
Beim zweiten Wein handelt es sich um einen Weißburgunder vom Rotenberger Schlossberg. Ein Wein, der für das moderne Württemberg stehe und zeige, dass man über den Tellerrand hinausblicke – also im Grunde ein im Fass gereifter KNITZ.
Sollten Sie, lieber Leserinnen und Leser, neugierig geworden sein: Die Auf-gut-Schwäbisch-Weine kann man im Internet unter www.shop711.de bestellen. Die Auflage ist limitiert auf 1200 Flaschen von jeder Sorte. Wobei man die beiden Exemplare in der Schublade von KNITZ davon abziehen muss. Die gibt er nimmer her.