Die Cervecería Untertürkheim bietet in Argentinien und Spanien deutsche Gastronomie an. Wir haben uns mit Stephan Englert, dem Sohn der Inhaber, über die Geschichte der beiden Bierlokale unterhalten.
Stephan Englert. Zugegeben, dieser Name klingt nicht gerade nach Argentinien oder Spanien. Doch Englert kommt aus der argentinischen 15-Millionen-Einwohner-Metropole Buenos Aires.
Aber er hat deutsche Wurzeln, seine Ururgroßeltern stammen aus Stuttgart-Untertürkheim. Er ging auf eine deutsche Schule, dort hat der 30-Jährige Deutsch gelernt, später lebte er vier Jahre mit seinen Eltern und seiner Schwester in Bremen.
Die Gründungsgeschichte der Cerveceria Untertürkheim
Es folgte ein bitterer Nackenschlag: Stephans Vater Gustavo – der gerade dabei war, seine deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen – verlor seinen Job. Vor 20 Jahren war das. Daraufhin kamen Gustavo Englert und seine Frau Valeria auf die Idee, eine Kneipe in Buenos Aires zu eröffnen. Dem Gründer-Duo kamen die Wurzeln ihrer Urgroßeltern in den Sinn, der Name Cervecería Untertürkheim war geboren.
„Meine Eltern waren auch schon ein paar Mal in Stuttgart“, erzählt Stefan Englert. Von einem Kulturschock könne ein Argentinier in Deutschland eher nicht reden, zu präsent sei die deutsche Kultur in Argentinien. Insbesondere viele Stuttgarter und Hamburger würden in Argentinien leben. Das südamerikanische Land spricht von etwa zwei bis drei Millionen Deutschstämmigen, bei denen dies der Fall sei. Somit ist Argentinien eines der beliebtesten Länder für deutsche Auswanderer.
Deutsches Essen
Passend dazu bietet die Cervecería Untertürkheim in Buneos Aires unter anderem deutsche Speisen und Biere an. Darunter sind auch Picadas – Häppchen, die mit den spanischen Tapas vergleichbar sind – mit den Namen Baden, Stuttgart und Untertürkheim. Sie bestehen größtenteils aus Käse und Wurst.
Eine neue Erfahrung
Die Geschichte der Cervecería Untertürkheim endet aber nicht in Argentinien, sie führt uns nach Málaga. Dort eröffneten die Englerts vor 2,5 Jahren einen weiteren Laden – ebenfalls mit dem Namen Cervecería Untertürkheim. „Es gibt viele Gründe dafür. Wir wollten neue Erfahrungen sammeln, haben dafür einen guten Ort gefunden. Es ist sehr ruhig. In Buenos Aires ist ein bisschen Chaos“, sagt Stephan Englert, dessen Eltern immer noch beide Läden managen.
Und wie läuft das Geschäft in Andalusien bisher? Beklagen will sich Englert nicht, auch wenn es nicht gerade viele deutsche Restaurants in Spanien gebe. „Deshalb bieten wir ein gemischtes Menü auch mit Tapas und spanischem Essen an“, so Englert. „Viele Spanier, die etwas anderes probieren wollen, kommen zu uns. Natürlich gibt es auch viele Touristen, die bei uns essen.“
Viel los ist besonders, wenn auf den drei Bildschirmen Champions-League-Fußball gezeigt wird. Generell sei jedes wichtige Spiel im Fußball und in anderen Sportarten in der Kneipe zu sehen, betont Englert.
Bier, Strand und sehr viel gute Laune
Ob der Argentinier an solchen Abenden auch manchmal das ein oder andere Bier während der Arbeit trinkt? „Ab und zu, wenn es etwas zu feiern gibt.“ Die Bierkultur spiele in seiner Familie eine große Rolle.
Zu dieser Kultur gehört auch das Ausprobieren neuer Biersorten. Über 200 Biere aus 16 Ländern werden in der Cervecería Untertürkheim in Málaga angeboten, ein Großteil kommt aus Deutschland und Spanien. „Wir bieten das beste Bier der Welt an“, grinst Englert. Ein Stuttgarter Bier sucht man auf dieser langen Liste jedoch vergeblich. Dieses sei nicht so einfach zu beschaffen in Spanien, glaubt er.
Wie wäre es deshalb mit einer dritten Kneipe in Stuttgart? Englert winkt ab: „Im Moment ist es genug. Unsere Idee ist es nicht, groß zu sein.“ Warum auch. Der Strand gegenüber. Die Ruhe. Das gute Wetter. Für Stephan Englert fühlt sich das Leben richtig gut an.