Neue Dirigentin für Aidlingen: Helena Österle darf nach ihrem Wahlsieg symbolisch beim Musikverein den Taktstock schwingen. Foto: Langner

Mit 52,54 Prozent der Stimmen sichert sich die 46-Jährige in einer knappen Wahl die Mehrheit in der 9500-Einwohner-Gemeinde.

Gegen 19.20 Uhr steht das Ergebnis fest: Helena Österle ist die neue Bürgermeisterin in der Gemeinde Aidlingen. Die 46-Jährige sicherte sich in einer denkbar knappen Wahl mit 52,54 Prozent (2196 Stimmen) die Mehrheit. Ihr Mitbewerber Marc Weidel landete mit 1959 Stimmen am Ende bei 46,87 Prozent.

 

Bei der Stimmenauszählung wechselte die Führung mehrfach hin und her, nach dem sechsten Wahlbezirk hatte Österle weniger als einen halben Prozentpunkt Vorsprung. Erst nach Auszählung der Briefwahlergebnisse war klar, wer als neue Verwaltungsspitze ins Aidlinger Rathaus einziehen würde.

Zwischenzeitlich weniger als ein halber Prozentpunkt Abstand

Stimmberechtigt waren 7217 Personen. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,2 Prozent. Der Wert zeigt, wie groß das Interesse an dieser Wahl war. Noch vor wenigen Monaten hätte angesichts des Bewerberfeldes wohl kaum jemand mit einem so knappen Ausgang gerechnet.

Helena Österle hatte bei ihrer Kampagne stark ihre mehr als zwanzigjährige Rathauserfahrung in den Vordergrund gestellt. Die Diplom-Verwaltungswirtin aus Nagold leitet derzeit das Calwer Liegenschaftsamt und kümmert sich als Ortsvorsteherin um die Stadtteile Stammheim und Holzbronn. Zuvor war sie von 2002 bis 2022 bei der Stadt Nagold in teils leitender Funktion in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Tourismus, Kultur und Liegenschaften tätig.

Im Wahlkampf mit dem Mitbewerber Marc Weidel zeichnete sich frühzeitig eine gewisse Polarisierung ab: Auf der eine Seite der junge und in Verwaltungsdingen unerfahrene Marc Weidel, der als Sohn der Gemeinde Aidlingen ganz stark auf seine Verbundenheit mit der Heimatgemeinde setzte. Auf der anderen Seite die Rathausexpertin mit zwei Jahrzehnten Berufserfahrung – aber auch einem Eigenheim in Nagold, wo sie mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Kindern seit elf Jahren lebt.

Proppenvolle Sonnenberghalle

Bei der Kandidatenvorstellung in der mit 600 Interessierten proppenvollen Sonnenberghalle am 13. September sowie auch bei den Wahlkampfterminen und auf Facebook standen deshalb zwei Schlagworte im Mittelpunkt, die letztlich den Ausschlag geben sollten: Herzblut oder Erfahrung.

Wie sich am Sonntag herausstellte, legt eine – wenn auch knappe – Mehrheit der Aidlinger offenbar mehr Wert auf Verwaltungserfahrung und weniger auf Ortsverbundenheit. In Anbetracht der zahlreichen Herausforderungen und Projekte, die in der 9500-Einwohner-Gemeinde in den kommenden Jahren anstehen, wird Österle diese Erfahrung gut gebrauchen können.

„Gemeinsam mit Ihnen möchte ich Aidlingen voranbringen. Ich freue mich riesig darauf“, sagte die sichtlich erleichterte Siegerin. Im Gespräch mit unserer Zeitung dankte sie Weidel für einen fairen Wahlkampf. Ihr Konkurrent zeigte sich enttäuscht, nahm die Niederlage aber sportlich: „Ich bin 23, mein Leben geht weiter.“

Viele Herausforderungen

Am 1. Dezember wird Helena Österle die Nachfolge von Bürgermeister Ekkehard Fauth (parteilos) antreten. Der 66-Jährige geht nach drei Amtszeiten in den Ruhestand. Die 46-Jährige ist damit neben Susanne Widmaier (Rutesheim) und Anna Walther (Schönaich) aktuell die dritte Frau an der Spitze einer Rathausverwaltung im Kreis Böblingen – und die erste in Aidlingen.