Freiwilliger Rückzug (von links): Landrat Roland Bernhard, Prof. Dr. Guy Arnold, Dr. Michael Jugenheimer und der Geschäftsführer Alexander Schmidtke Foto: Klinikverbund Südwest

An den Kliniken Böblingen-Sindelfingen und Herrenberg gibt es neue medizinische Chefs – zum Teil als Reaktion auf die baldigen Reformen und das beschlossene Medizinkonzept.

Das frisch beschlossene Medizinkonzept im Klinikverbund Südwest bringt viele Veränderungen mit sich – insbesondere für die Struktur und das Angebot der Krankenhäuser. Bereits jetzt zeigen sich auch personelle Konsequenzen.

 

Dr. Michael Jugenheimer, der Ärztliche Direktor des Krankenhauses in Herrenberg, hat das Amt abgegeben, wie der Klinikverbund mitteilt. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Rahmenbedingungen und nun anstehenden Veränderungen im Klinikverbund Südwest und speziell am Standort Herrenberg habe ich für mich die Entscheidung getroffen, für das Amt des Ärztlichen Direktors nicht mehr zur Verfügung zu stehen“, wird Jugenheimer in einer Pressemitteilung zitiert. Über 27 Jahre habe er die Entwicklung des Krankenhauses Herrenberg als Ärztlicher Direktor gerne mitgestaltet, aber: „Die nun anstehende Umwandlung des Krankenhauses in ein integriertes Gesundheitszentrum sollte durch die nachfolgende Generation gestaltet werden.“ Den Direktorenposten hat Jugenheimer abgegeben, Chefarzt der Chirurgie will er in Herrenberg bleiben.

Auch Prof. Dr. Guy Arnold, seit 16 Jahren Ärztlicher Direktor der Kliniken Böblingen-Sindelfingen, stellt das Amt zur Verfügung, bringt seinen Rückzug aber nicht in direkten Zusammenhang mit den anstehenden Veränderungen. „Persönlich für mich stelle ich fest, dass speziell die letzten Jahre geprägt durch die Coronapandemie extrem fordernd waren“, wird Arnold zitiert, „der Posten des Ärztlichen Direktors verlangt vollen Einsatz über das reguläre Tagesgeschäft der Patientenversorgung hinaus.“ Damit dies weiterhin so geschehen könne, wolle er den Posten nun weitergeben. Auch Arnold bleibt dem Standort dabei als Chefarzt der Neurologischen Klinik in Sindelfingen erhalten.

Neustart (von links): Geschäftsführer Alexander Schmidtke, Dr. Ines Vogel, Prof. Dr. Stefan Benz und Landrat Roland Bernhard Foto: Klinikverbund Südwest

Seit 1. April ist an Jugenheimers Stelle in Herrenberg seine bisherige Stellvertreterin Dr. Ines Vogel gerückt. Sie ist die Chefärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Damit übernimmt nun ausgerechnet die Leiterin jener Abteilung, die am Herrenberger Krankenhaus geschlossen werden soll. Auf den Posten des Ärztlichen Direktors in Böblingen-Sindelfingen wiederum rückt Prof. Dr. Stefan Benz, Darmkrebs-Experte und Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie in Böblingen. Keine Veränderung gibt es lediglich in Leonberg. Prof. Dr. Wolfgang Steurer bleibt Ärztlicher Direktor für das dortige Krankenhaus. All diese Personalien hat jetzt der Böblinger Aufsichtsrat beschlossen. Für die Standorte Calw und Nagold stehen die gleichen Personalentscheidungen Mitte des Jahres an.

Seit Anfang des Jahres 2023 ist Alexander Schmidtke Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest und hat den Auftrag, die hohen Verluste zu senken. Für den Betrieb an den sechs Standorten sind zudem vier Regionaldirektoren verantwortlich. Zuletzt haben die Kreistage Böblingen und Calw ein neues Medizinkonzept beschlossen, um Kosten zu reduzieren. Dabei wird unter anderem das Krankenhaus Herrenberg zu einem Gesundheitszentrum degradiert, Leonberg muss Abteilungen abgeben. Die Krankenhäuser in Böblingen und Sindelfingen sollen 2026 in der Flugfeldklinik fusionieren. Sie befindet sich im Bau und soll 750 Millionen Euro kosten.