Das Krankenhaus in Leonberg liegt ruhig am Stadtrand. Foto: Simon Granville

Roland Bernhard reagiert auf die heftigen Debatten um die ausufernden Kosten im Flugfeldklinikum – und auf die Sorge um Zukunft des Krankenhauses Leonberg.

Heiß wurde in den vergangenen Wochen die Frage diskutiert, wie es im Leonberger Krankenhaus weitergehen könnte. Was passiert mit der erfolgreichen Inneren Klinik? Wie geht es mit dem rund ums Haus seit Jahren in Rede stehenden Gesundheitscampus weiter? Kommt er überhaupt?

 

Der Chef des Krankenhaus-Fördervereins, Helmut Noë, über viele Jahre Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, zeigte sich mit Blick auf die Zukunft hoch besorgt. Der Leonberger CDU-Chef Oliver Zander und sein Parteifreund, der Kreisrat Ulrich Vonderheid, hatten jüngst vom Landrat Roland Bernhard ein Bekenntnis für den Klinikstandort Leonberg gefordert.

Danach herrschte erst einmal Schweigen. Lediglich der sozialdemokratische Kreisrat Günther Wöhler warb um Verständnis dafür, dass momentan keine konkreten Aussagen gemacht würden. Zunächst müsse das Landessozialminsterium verkünden, in welcher Klinik welche Leistung erbracht werden dürfe. „Das Ministerium muss die Vorgaben der bundesweiten Krankenhausreform umsetzen“, sagte Wöhler, selbst ein Allgemeinmediziner, der seine Laufbahn im Leonberger Krankenhaus begonnen hat, unserer Zeitung. Wobei sich der Leonberger Kommunalpolitiker verhalten optimistisch gab, dass Leonberg „seine im vom Kreistag beschlossenen Medizinkonzept klar definierte Position als Grund- und Regelversorger mit 24-Stunden-Notfall-Betrieb“ behalten werde.

Der SPD-Kreisrat Günther Wöhler, im Hintergrund die Leonberger Klinik Foto: Simon Granville

Auch wenn sich das Sozialministerium wohl erst Anfang des kommenden Jahres erklären wird, bekräftigt der Landrat Wöhlers Zuversicht. „Das Medizinkonzept gilt“, sagte Roland Bernhard bei der traditionellen Sommerpressekonferenz vor Journalisten. „Das gewünschte Bekenntnis zur Grund- und Regelversorgung wird erteilt.“ Es sei „nie die Rede davon gewesen“, den Status des Krankenhauses herabzustufen. „Es gibt auch keine Schubladenpläne. Daran wird sich, so lange ich Verantwortung trage, nichts ändern.“ Bernhard geht in fünf Jahren in den Ruhestand.

Die Sorgen um die Existenz der Leonberger Klinik war zuletzt wieder laut geworden, weil die Kosten für den Neubau einer Großklinik am Flugfeld in Böblingen mittlerweile die 800-Millionen-Euro-Latte gerissen haben. Für die explodierenden Mehrkosten, so meinten Kritiker, müssten jetzt die kleineren Häuser bluten. Bernhard, der sich im Vorsitz des Klinikverbund-Aufsichtsrats mit seinem Calwer Kollegen Helmut Riegger abwechselt, wies diese Befürchtungen zurück. Die Häuser im Verbund würden sich untereinander keine Konkurrenz machen und ließen sich auch nicht „gegeneinander ausspielen“. Die Tendenz zeige positive Züge, die Defizite seien insgesamt rückläufig.

Schon 2021 präsentierten Roland Bernhard (rechts) und der damalige Klinikverbund-Chef Martin Loydl Pläne für einen Gesundheitscampus. Foto: Simon Granville

Wie genau die vor gut zwei Jahren auf Eis gelegte Sanierung in Leonberg wie auch die in Herrenberg aussieht, das werde der Kreistag im Herbst beschließen. Angedacht sei ein Volumen von drei Millionen Euro zuzüglich der Kosten für technische Maßnahmen. „Gibt es ein besseres Bekenntnis als die Übernahme der Betriebskosten und des Defizites?“, fragte Bernhard mit Blick auf die CDU-Kritik.

Leonberg werde mit einem verbundweiten Zentrum für Altersmedizin einen wichtigen Schwerpunkt bekommen und damit deutlich gestärkt. Für die Innere Klinik, die nach dem Weggang der Chefärztin Barbara John seit mehreren Monaten führungslos ist, kündigte der Landrat eine zeitnahe personelle Lösung an.

Das lange brach liegende Thema Gesundheitscampus will Roland Bernhard nach der Leonberger OB-Wahl aktiv angehen. Das Gelände rings um das Krankenhaus und der Berufsschule in Leonberg gehört dem Landkreis Böblingen. Neben der Ansiedlung verschiedener Betriebe und Praxen aus der Medizinbranche kann sich der Chef der Kreisverwaltung dort neue Wohnquartiere und universitäre Strukturen im Berufsschulzentrum vorstellen. „Doch die Stadt hat sich zu einer städtebaulichen Entwicklung nie bekannt“, sagte Bernhard mit Blick auf den amtierenden Oberbürgermeister Martin Georg Cohn, der sich in dieser Frage zuletzt sehr bedeckt gehalten hatte.

Wenn nach der Wahl am 28. September die Führungsfrage im Rathaus geklärt sei, will Bernhard das Gespräch mit der neuen Stadtspitze suchen:. „Das ist das erste, was ich mache. Wir haben allergrößte Chancen, ein riesiges Areal gemeinsam positiv zu entwickeln.“