Auch in den Häusern des Klinikverbunds Südwest steigt laut Konzernbetriebsrat die Zahl der Angriffe auf das Personal. Dagegen wollen die Arbeitnehmervertreter etwas unternehmen. Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote/Thomas Bischof

Der Konzernbetriebsrat des Klinikverbunds Südwest mit den Häusern Böblingen, Sindelfingen, Leonberg, Herrenberg, Nagold und Calw fordert Maßnahmen zum Schutz des Personals, das verstärkt Angriffen ausgesetzt sei.

„Die Anzahl an Gewalttaten gegenüber dem Krankenhauspersonal nimmt in den Kliniken des Klinikverbundes Südwest (KVSW) erheblich zu. Die Entwicklung ist mehr als besorgniserregend.“ Mit diesem Statement meldet sich der Betriebsrat des Klinikverbunds Südwest – zu dem die Häuser Böblingen, Sindelfingen, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Calw gehören – zu Wort. Die Äußerung ist eine Reaktion auf die repräsentative Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts aus dem April, wonach 73 Prozent der Krankenhäuser angeben, dass die Zahl der Übergriffe in ihren Häusern in den vergangenen fünf Jahren mäßig (53 Prozent) oder deutlich (20 Prozent) gestiegen ist. Die Dunkelziffer wird weitaus höher geschätzt, da kleinere Übergriffe meist nicht gemeldet würden. Dabei will man es vonseiten des Betriebsrats aber nicht bewenden lassen, sondern darauf reagieren.

 

Um das Personal zukünftig vor Gewalt zu schützen, sind die Betriebsräte des Verbundes in den Kontakt mit der Geschäftsleitung des KVSW getreten, heißt es in der Pressemitteilung. Aus Sicht des Konzernbetriebsratsvorsitzenden Lorenz Horlacher „hat die Arbeitgeberin die gesetzliche Verpflichtung Maßnahmen zu ergreifen, um seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Gefahren und deren möglichen Folgen zu bewahren“.

Aufgrund der prekären finanziellen Situation des Klinikverbundes wurde „im vergangenen Jahr das Budget für den Einsatz eines Sicherheitsdienstes deutlich reduziert – teils in vereinzelten Häusern komplett eingestellt. Diese Entscheidung sorgte in der Belegschaft für Unverständnis“, heißt es weiter.

Die Arbeitnehmervertreter des Klinikverbundes wollen aber nicht weiter abwarten und sind selbst aktiv geworden. Das Sicherheitskonzept, speziell die präventiven Schutzmaßnahmen, sollen überarbeitet und ausgeweitet werden. Man habe dafür mit der Unfallkasse Baden-Württemberg Ideen erarbeitet. Diese sind: In Wartebereichen könnten Überwachungskameras installiert werden, Bodycams könnten zum Einsatz kommen und das bereits vorhandene Deeskalationstraining könnte intensiviert werden. Die gesammelten Ideen würden nun auf deren Eignung zur Umsetzbarkeit geprüft.

„Als Konzernbetriebsrat wünschen und sprechen wir uns für einen respektvollen Umgang mit dem Klinikpersonal aus. Zudem sollte eine schnelle Implementierung des überarbeiteten Sicherheitskonzept zum Schutz aller Beteiligten stattfinden“, so der Konzernbetriebsratschef. Es müsse mehr Geld in das Thema Sicherheit investiert werden, wird auch von der Regierung gefordert. Denn „folgenschwere Konsequenzen für die Geschädigten reichen von körperlichen Beschwerden über längere Krankheitsausfälle bis hin zur psychischen Traumatisierung - mit Ausfällen bis hin zur Kündigung“. Dies sei definitiv vermeidbar.