Das neue Hauptgebäude des Klinikums an der Kriegsbergstraße. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Klinikum der Stadt leidet an einem hohen Defizit. Eine entscheidende Wende ist nicht in Sicht. Ein Programm zur wirtschaftlichen Verbesserung ist aufgelegt.

Das Defizit des Klinikums Stuttgart wächst weiter. Laut dem jetzt vorliegenden Jahresabschluss 2024 betrug das Minus rund 49,4 Millionen Euro. Das sind 1,8 Millionen Euro mehr als im Jahr davor. Der Wirtschaftsplan wurde damit um fast zehn Millionen Euro verfehlt.

 

Geprägt war des Geschehen im vergangenen Jahr durch die Übernahme zweier Häuser des Sana-Konzerns. Wie berichtet, hat die Stadt für sein Klinikum das Krankenhaus vom Roten Kreuz (RKK) in Bad Cannstatt erworben sowie die Sana-Herzchirurgie in Stuttgart-Mitte und dafür 30 Millionen Euro aufgebracht. Dank der RKK-Übernahme konnte das Großkrankenhaus eine Schwachstelle beseitigen und einen Schwerpunkt in der Pneumologie bilden und eine Klinik für Thoraxchirurgie aufbauen. Mit dem Erwerb der Sana-Herzklinik, die sich auf dem Gelände des Katharinenhospitals am Standort Mitte befindet, hat das Klinikum den vor Jahren vollzogenen Verkauf an die Sana rückgängig gemacht.

Diese Erwerbungen haben zwar die Erträge des Klinikums im Vorjahr merklich erhöht, aber auch die Aufwendungen insbesondere durch deutlich höhere Personalkosten. So erzielte das Klinikum im Jahr 2024 insgesamt rund 903 Millionen Euro an Erträgen, was im Vergleich zum Jahr 2023 ein Plus von 114,8 Millionen Euro ist und einem Zuwachs von 14,6 Prozent entspricht. Die Zunahme bei den Krankenhausleistungen, sie machten im Vorjahr 580,6 Millionen Euro an der Gesamtsumme aus (plus 13,4 Prozent), sei insbesondere durch „die Übernahme der Geschäftstätigkeit des RKK“ und „aufgrund der Verrechnung mit dem Herzzentrum“ zustande gekommen.

Allerdings sind auch die Personalaufwendungen stark gestiegen. Dafür hat das Klinikum im vergangenen Jahr insgesamt 607,5 Millionen Euro aufgebracht, das sind immerhin 79,6 Millionen Euro oder 15,1 Prozent mehr als im Jahr 2023. Der städtische Maximalversorger hat heute 6426 Vollkräfte (plus 8,4 Prozent), rund 500 mehr als im Jahr davor. Aber auch höhere Tarife haben zu der Personalkostensteigerung beigetragen. Die Ausgaben für Materialien aller Art sind um fast 32 Millionen Euro (plus 14,7 Prozent) auf rund 248 Millionen Euro gestiegen. Insgesamt haben sich die Aufwendungen im Vorjahr um rund 116,6 Millionen Euro erhöht und liegen damit über dem Plus der Erlöse von 114,8 Millionen Euro.

Zwar stecken in dem Jahresergebnis noch rund 17,8 Millionen Euro an Zuweisungen und Zuschüssen der öffentlichen Hand. Allerdings sind diese 2024 merklich zurückgegangen. So fehlen etwa die Corona-Hilfen des Landes, die 2023 noch gezahlt wurden, die mit fast acht Millionen Euro weniger zu Buche schlagen. Die Energiehilfen wurden um knapp 7,3 Millionen Euro reduziert.

Bisher hat man offenbar versucht, die schwierige Lage durch höhere Leistungen mit mehr Personal zu kompensieren. Zwar konnte man die durchschnittliche Fallschwere, die zu mehr Erlösen führt und in sogenannten Casemixpunkten gemessen wird, um etwa sieben Prozent erhöhen, was unter anderem auch auf den zusätzlichen Beitrag etwa der Pneumologie und der Thoraxchirurgie zurückzuführen ist. Rechnet man diese aber heraus, schrumpft das Casemix-Plus auf 1,7 Prozent zusammen. Damit liegt man deutlich hinter den selbst gesteckten Zielen.

Diese Diskrepanz ist noch ausgeprägter bei der Entwicklung der Fallzahlen. Diese haben 2024 gegenüber dem Vorjahr mit 71 814 um 3,7 Prozent zugenommen. Das ist deutlich weniger, als im Wirtschaftsplan vorgegeben war. Insgesamt leidet auch das städtische Klinikum wie viele Krankenhäuser in der Republik an einem beträchtlichen Rückgang der Patientenzahlen seit der Corona-Pandemie. Beim Klinikum liegt dieses Minus im Vergleich zu den Werten von 2019 immer noch bei minus 13 Prozent.

Auch für das laufende wie das nächste Jahr rechnet man im Klinikum trotz der Zukäufe offenbar nicht mit einer entscheidenden Verbesserung der Lage. Während man im Wirtschaftsplan für 2024 noch ein Defizit von 39,7 Millionen Euro eingeplant hatte, ist dort für 2025 ein Wert von minus 46,7 Millionen Euro angesetzt, für 2026 immer noch ein Minus von 41,4 Millionen Euro. Von der „Schwarzen Null“, die man noch vor einigen Jahren angestrebt hatte, ist nicht mehr die Rede.

So heißt es in der Ratsvorlage denn auch: Das Klinikum werde „zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit und damit der Sicherstellung der Unternehmensfortführung mittelfristig auf die finanzielle Unterstützung durch die Landeshauptstadt Stuttgart angewiesen sein“. Das ist angesichts der sich verdüsternden Haushaltslage der Stadt keine günstige Prognose. Im nächsten Absatz des Papiers folgt dann auch die Ankündigung, man habe „Ende 2024 ein umfassendes Programm zur konkreten wirtschaftlichen Verbesserung eingeleitet“.