Professor Mohamad Jawhar leitet seit Januar die Abteilung Hämatologie/Onkologie im Klinikum Sindelfingen. Foto: G. de la Maddalena/Archiv

Seit Januar heißt der neue Chef-Onkologe im Klinikum Sindelfingen Mohamad Jawhar. Wie geht der Arzt mit schwere Fällen um und weshalb kann er einigen Krebspatienten Hoffnung machen?

Für die meisten Menschen ist die eine Krebserkrankung ein medizinisches Schreckgespenst, dem sie und ihre Familienangehörigen möglichst nie begegnen möchten. Dennoch trifft es in Deutschland jährlich mehr als 500 000 Menschen mit entsprechender Diagnose. Auch wenn weiterhin ein höheres Sterberisiko besteht, dürfen Patienten heute noch viel mehr als früher berechtigte Hoffnungen haben, den Krebs zu besiegen oder mit ihm weiter zu leben.

 

Ob Chemo-, Strahlen-, Immuntherapie oder OPs – innerhalb des Klinikverbund Südwest werden Menschen mit onkologischem Befund zentral am Klinikum Sindelfingen behandelt. Seit Anfang des Jahres hat dort mit dem habilitierten und promovierten Mediziner Mohamad Jawhar ein Experte den Bereich Onkologie/Hämatologie übernommen. Schon früh hat den 39-Jährigen ausgerechnet die Arbeit in diesem hochkomplexen Feld fasziniert.

Hier am Klinikum Sindelfingen ist Jawhar nun als oberster Krebsmediziner tätig. Foto: Stefanie Schlecht

Seit Anfang 2026 am Klinikum Sindelfingen

Und das, obwohl er zunächst nicht einmal Medizin studieren wollte. „Ich hatte eigentlich vor, Wirtschaftsinformatik zu studieren“, erzählt Jawhar, der mit 13 Jahren nach Deutschland gekommen war. Angefixt durch seinen älteren Bruder, der Medizin studierte und ihm vorschwärmte, beschloss der gebürtige Kurde aus dem Irak, ebenfalls in dieses Berufsfeld zu gehen. Am Universitätsklinikum Mannheim/Heidelberg begann er sein Studium.

Mohamad Jawhar wusste dann auch schnell, in welche Richtung er sich spezialisieren würde: „Mich hat die Pathophysiologie sehr interessiert. Ich wollte verstehen, wie Krankheiten im Körper entstehen und sich entwickeln. So bin ich in die Hämatologie und Onkologie gekommen“, sagt der Chefarzt der Inneren Medizin. Vom Uniklinikum Mannheim ging er im Jahr 2023 nach Pforzheim, wo Jawhar seine erste Chefarztstelle übernahm. Zum Jahreswechsel 2026 zog der Krebsmediziner dann weiter an seine neue Wirkungsstätte nach Sindelfingen.

Onkologe am Klinikum Sindelfingen – Jeder Krebspatient bringt andere Voraussetzungen mit

Statt in der Goldstadt ist Mohamad Jawhar nun in der Daimlerstadt mit Visiten sowie Befund- und Therapiebesprechungen beschäftigt. Denn für Patienten mit Krebsdiagnose sind vor allem die Tumorboards bedeutend. „Das sind Zusammenkünfte von Ärzten aus diversen Fachrichtungen wie Radiologie, Chirurgie, Strahlentherapie oder Pneumologie. Dort sprechen wir über aktuelle Fälle und nächste Behandlungsschritte“, sagt der Chefarzt und unterstreicht: „Das ist nötig, denn Krebserkrankungen, gleich welchen Ursprung sie haben, sind komplex und brauchen individuelle Therapien. Keine Krebserkrankung ist wie die andere.“

Der Job des Onkologen ist ein besonderer: Mit der Komplexität kommt noch die große Tragweite, die Krebserkrankungen den betroffenen Patienten, aber auch sein direktes soziales Umfeld mitsichbringen. Jeden Tag heißt es daher, einen Umgang mit schweren Schicksalen zu finden. „Ich habe den Eindruck, dass mir das keine Probleme bereitet. Natürlich gibt es auch mal besondere Fälle, bei denen man stark mitfühlt und sich einen guten Ausgang wünscht oder gewünscht hätte. Darüber reden wir im Team auch mal. Abends, wenn ich nach Hause komme, kann ich aber meist gut abschalten“, erzählt der Sindelfinger Mediziner.

Klinikum Sindelfingen: Krebsmedizin entwickelt sich rasant

Und gerade in seinem Berufsfeld gibt es auch gute Neuigkeiten: „Die Hämatologie/Onkologie ist eine Disziplin, in der es zuletzt große Fortschritte gab. Wir können so viel mehr Therapieansätze bieten, weil wir die Ursprünge der Krebserkrankungen viel besser verstehen.“ Wo früher nur eine Chemo- oder Bestrahlung zur Verfügung stand, seien heute häufiger auch Immuntherapien möglich. „Teilweise können wir bei weit fortgeschrittenen Krankheitsstadien völlig ohne Chemotherapien vorgehen. Das überrascht viele Patienten“, so Jawhar.

Die Forschung macht weiter vielversprechende Schritte in Richtung Heilung. So hat das während der Coronapandemie bekannt gewordene Mainzer Unternehmen BioNTech zuletzt seine Bemühungen verstärkt, präventive und therapeutische Impfungen auf MRNA-Bassis gegen Krebserkrankungen zu entwickeln. Professor Jawhar sieht hier eine Chance: „Erste Studien zeigen, dass teils positive Ergebnisse erzielt werden konnten. In den nächsten Jahren kann sich die Substanzgruppe als eine weitere Säule in der Prävention und Therapielandschaft etablieren.“

Klinikum Sindelfingen: „Ärztlicher Aderlass nicht mehr zu spüren“

In Sindelfingen traf der Onkologe auf ein Klinikum und eine Abteilung, die zuletzt mit zahlreichen Abgängen zu tun hatte. Wie Recherchen unserer Zeitung zeigten, verließen gleich mehrere Mediziner das Sindelfinger Klinikum. Sie hatten ein Missmanagement und durch die Sparmaßnahmen schlechter werdende Arbeitsbedingungen beklagt. Nachdem 2025 noch Ersatz gefunden werden konnte, sollen Patienten auch in diesem Jahr vom letztjährigen Aderlass nichts spüren, wie Krankenhausdirektor Daniel Weiß betont.

Für Krebsmediziner Mohamad Jawhar sind das gute Neuigkeiten. Er möchte mit seinem Team Patienten Hoffnung geben – trotz der Schockdiagnose Krebs.

Die Sindelfinger Krebsmedizin

Onkologie
In der Onkologie werden Geschwulsterkrankungen, also Tumore, in Organen und Gewebe, therapiert. Dazu zählen unter anderem Brust, Prostata oder Lunge.

Hämatologie
In der Hämatologie werden Krebserkrankungen behandelt, die sich aus dem Blut entwickeln. Dazu gehören unter anderem Leukämien und Lymphome.