Auf der Intensivstation im Klinikum Ludwigsburg müssen derzeit deutlich weniger Patienten behandelt werden also noch vor einigen Wochen. Foto: dpa/Marijan Murat

Seit Monaten kämpfen die Mitarbeiter im Klinikum Ludwigsburg mit hohen Coronavirus-Fallzahlen in Kreis und Land. Gerade entspanne sich die Lage zwar etwas, heißt es von den Verantwortlichen. Nun gebe es aber auch noch einen Fall der Virus-Mutationen im Kreis.

Ludwigsburg - Es sind Zahlen, die Mut machen: Waren im Landkreis Ludwigsburg einen Tag vor Weihnachten noch 1816 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, gab es am vergangenen Donnerstag 951 Infizierte im Kreis. Ein Abwärtstrend der Fallzahlen, der sich deutschlandweit abzeichnet und auch für leichte Entspannungen in den Kliniken vor Ort sorgt, teilte Jörg Martin, Geschäftsführer der RKH-Kliniken am Freitag mit.

 

Demnach sinke die Zahl der Coronavirus-Patienten im Klinikum Ludwigsburg seit einem Höchststand im Dezember kontinuierlich. Konkret: Habe es im Klinikum im vergangenen Monat noch knapp 100 infizierte Patienten geben, so stagniere die Zahl seit einigen Tagen bei knapp über 50.

Weniger Coronavirus-Patienten in den Intensivbetten

Und auch die 58 Betten auf der Intensivstation im Klinikum Ludwigsburg seien zwar noch immer fast vollständig belegt, sagte der zuständige Direktor Götz Geldner. Allerdings sei dabei der Anteil an beatmeten Coronavirus-Patienten deutlich zurückgegangen.

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Gleiches gelte für ganz Baden-Württemberg: „Wir hatten in den Spitzenzeiten im Land zwischen 30 und 40 Prozent Covid-Belegungen in den Intensivbetten. Momentan sind wir bei 20 bis 25 Prozent“, so Geldner.

„Wir haben sechs solcher Cluster im Land“

Bewältigt habe man die Pandemie bisher mithilfe des sogenannten Cluster-Prinzips. Das Cluster bezeichnet den Verbund verschiedener Kliniken in Baden-Württemberg, die sich in der Pandemie gegenseitig aushelfen. „Wir haben sechs solcher Cluster im Land“, erklärte Geldner. „Das heißt, wenn jemand zu viele Covid-Patienten bei sich hat und diese nicht mehr versorgen kann, werden die Patienten in andere Kliniken verlegt.“

Funktioniert habe das bislang sehr gut: „Im Gegensatz zu Kliniken in anderen Bundesländern konnten in Baden-Württemberg alle Corona-Patienten versorgt werden“, so Geldner. Insgesamt seien von Mitte Dezember bis jetzt rund 200 bis 250 Intensivpatienten innerhalb der Cluster verlegt worden. Auch diese Zahl ginge mittlerweile zurück.

Finanzielle Verluste drohen

Vom Tisch seien damit aber noch längst nicht alle Probleme. „Wir mussten den Normalbetrieb in den vergangenen Monaten deutlich reduzieren“, sagte Geschäftsführer Martin. Besonders angespannt sei die Lage im Kreis Ludwigsburg gewesen. „Wir haben Mitarbeiter aus der Klinik Markgröningen hierher versetzt, um unsere Intensivkapazitäten auslasten zu können.“

In Markgröningen operierten Ärzte deshalb weniger, vermehrt mussten Säle geschlossen werden. Weil es sich bei der Klinik zusätzlich um eine Orthopädische Fachklinik handelt, habe es keine finanziellen Entschädigungen für den entstandenen Leerstand gegeben. „Das tut uns natürlich richtig weh“, so Martin.

Aus finanzieller Sicht müsse man sehen, wie sich die Pandemie weiter entwickelt. Wenn die Krise auf dem jetzigen Niveau bleibe, dann bräuchten die Kliniken auch weiter Unterstützung. „Wenn man überlegt: Die Lufthansa hat neun Milliarden, und Tui vier Milliarden an Hilfen bekommen. Wir sind an der Front“, so Martin.

Wie steht es um die Virus-Mutationen im Kreis?

Eine Front, die sich derzeit auch um die in Deutschland noch wenig erforschten Virus-Mutanten kümmern muss. „Im Kreis Ludwigsburg gibt es einen nachgewiesenen Bürger, der sich mit der englischen Virus-Variante infiziert hat“, sagte Sabine Gfrörer, Ärztliche Direktorin des Instituts für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene in den RKH-Kliniken.

„Der Mann war beruflich im Ausland und kam mit leichten Symptomen hierher zurück.“ Er sei sofort isoliert worden, im Anschluss habe man den Mutant bei ihm als bisher einzige Person im Kreis nachgewiesen. „Aber man hat bis jetzt auch nicht wirklich danach gesucht“, so Gfrörer.

Von nächster Woche an wolle man versuchen, routinemäßig positive Coronaproben an das Landesgesundheitsamt zu schicken. Dort könnten dann weitere Untersuchungen angestellt werden. Tatsächlich sei man mit diesen Untersuchungen in Deutschland spät dran, erklärte Gfrörer. Weil es bis jetzt aber noch keinen sprunghaften Anstieg der Coronavirus-Fallzahlen in Deutschland gegeben hat, gehe sie davon aus, dass die Virus-Mutation noch nicht weitläufig um sich gegriffen hat.

Das Klinikum wartet auf Impdosen

Im Klinikum Ludwigsburg wartet man derweil darauf, dass die Mitarbeiter gegen das Coronavirus geimpft werden. Bis jetzt habe nur ein kleiner Teil des Personals einen Pieks bekommen. Das liege allerdings nicht an der „Impfwilligkeit auf den Corona- und Intensivstationen“, betonte der ärztliche Direktor für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie im Klinikum Ludwigsburg, Geldner. „Ob Arzt oder Pfleger: da liegen wir bei 90 bis 100 Prozent Impfbereitschaft.“

Viel mehr gebe es deutlich zu wenig Impfdosen. Manche Mitarbeiter hätten sich bereits im Landesimpfzentrum in Stuttgart impfen lassen, andere hofften auf den Anlauf der Impfzentren im Kreis Ludwigsburg. „Wir haben uns auch darauf eingestellt, die Mitarbeiter bei uns zu impfen. Aber wir wurden bis dato noch nicht beliefert.“, sagte Geldner.

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Die Beschäftigten in den RKH-Kliniken selbst seien müde von der Krise. „Es ist derzeit eine extreme Dauerbelastung“, so Geschäftsführer Martin. Prämien an die Belegschaft schließe er jedoch aus. „Dafür haben wir keine Mittel.“ Im vergangenen Jahr hätten die Mitarbeiter zudem bereits Zuwendungen erhalten.