Die drei Mädchen aus Maichingen gleichem einem Wunder: Die eineiigen Drillinge kamen in der Klinik Böblingen per Kaiserschnitt auf die Welt. Jetzt dürfen die drei mit Mama und Papa heim.
Ein Sonnenstrahl fällt durch den halbgeöffneten Vorhang im Zimmer der Kinderklinik Böblingen und streift die mit winzigen rosa Stramplern und weißen Mützchen bekleideten drei kleinen Mädchen, die brav nebeneinander in einem Bettchen liegen und selig schlafen. Ihre Haut ist rosig und zart, die Fingerchen so fein, dass sie kaum eine ganze Handfläche füllen. Kein Summen von Geräten, nur das sanfte Atmen der Drillinge ist zu hören. Alles gut. Vor wenigen Wochen sah das noch anders aus.
Damals lagen die winzigen Schwestern im Brutkasten, angeschlossen an piepsende Monitore, die sie Tag und Nacht überwachten. Hidaya, Sumaja und Ruqaya sind eineiige Drillinge. Sie kamen Ende August in der 29. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt auf die Welt, da es Komplikationen gab. Ihre Mutter Meggy Yilmaz kann sich noch gut an die Geburt erinnern. Der Kreißsaal war voll mit Neonatologen, Hebammen und Pflegekräften. „Als wir die Schreie der Mädchen gehört haben, flossen die Tränen“, erzählt die 30-Jährige. Tränen der Erleichterung und Freude. Denn, dass es den drei Mädchen so gut geht, ist nicht selbstverständlich.
„Bei Frühchen gibt es oft Probleme mit der Atmung oder es kommt zu Hirnblutungen“, sagt der Oberarzt Tobias Schlegel, der bei der Geburt der Drillinge dabei war und sie von Anfang an medizinisch betreut hat. Auch Sumaja hatte eine Hirnblutung. Bleibende Schäden hat sie zum Glück jedoch nicht davon getragen. Nur ihre Augen müssen weiterhin beobachtet werden. Die Geburt von Drillingen gab es am Perinatalzentrum Böblingen schon häufiger, die Geburt eineiiger Drillinge ist aber auch für das Ärzteteam eine kleine Sensation. „Eineiige Drillinge sind superselten. Die Wahrscheinlichkeit liegt etwa bei 1 zu 100 Millionen“, sagt Schlegel.
Die ersten Wochen waren für die Familie aus Sindelfingen-Maichingen, die bereits eine zweijährige Tochter hat, dennoch eine emotionale Achterbahnfahrt. „Eigentlich war die gesamte Schwangerschaft ein Gefühlschaos“, erzählt Meggy Yilmaz und lacht. „Als ich den Schwangerschaftstest in den Händen hielt, war ich mir sicher, die beiden Striche bedeuten zwei Babys.“ Beim Frauenarzt erfuhr sie schließlich, dass sie Drillinge bekommt. „Ich war geschockt. Körperlich ging es mir die gesamte Schwangerschaft zwar sehr gut, aber seelisch hat es mich belastet. Ich hatte Ängste“, sagt die 30-Jährige. Ihr Mann habe ihr mit seiner Zuversicht geholfen, das Schicksal anzunehmen. „Jetzt realisiere ich erst, was für einen Segen wir mit den drei Mädchen haben.“
Drillinge dürfen nach Hause
Dennoch war die Anfangszeit hart. Die Eltern durften ihre Töchter nur durch die Scheibe am Brutkasten sehen und vorsichtig ihre winzigen Hände berühren. „Sie so verkabelt zu sehen mit der Sauerstoffmaske, das tat schon weh“, erzählt die junge Frau. Abwechselnd besuchten sie und ihr Mann ihre Drillingsmädchen auf der Intensivstation, bis sie schließlich auf die Normalstation wechseln durften. Die letzten zehn Tage durfte auch die zweijährige Safya ihre drei Schwestern kennenlernen und ins Familienzimmer der Klinik einziehen.
Obwohl die Familie dem Ärzte- und Pflegeteam an der Klinik sehr dankbar ist, für die gute medizinische Versorgung und Betreuung, freut sich die Familie darauf, endlich nach Hause gehen zu dürfen. Denn Hidaya, Sumaja und Ruqaya geht es gut, sie haben ordentlich zugenommen. Knapp über 1000 Gramm wogen die drei Schwestern bei ihrer Geburt im August, mittlerweile bringen sie rund 3000 Gramm auf die Waage. Von der Klinik nach Hause geht es mit zwei Autos. Denn alle zusammen passten nicht in eines, sagt Mutter Meggy Yilmaz. „Wir werden uns einen Bus kaufen müssen.“ Und auch die Dreieinhalbzimmerwohnung des jungen Paares könnte bald schon eng werden. Daher schaut sich Yagiz Yilmaz bereits nach einem größeren Zuhause und nach einer Haushaltshilfe um, die die Familie bei der Hausarbeit unterstützt.
Obwohl sich die drei Mädchen zum Verwechseln ähnlich sehen, können ihre Eltern sie anhand des Charakters schon unterscheiden. „Hidaya ist eine kleine Heulsuse, Ruqaya hat immer Hunger und Sumaja ist die Ruhigste von allen“, erzählen die stolzen Eltern. Schon bald beginnt das Abenteuer der jungen Familie außerhalb der Klinik. Doch das Ehepaar ist zuversichtlich. „Ich denke, es wird eine harte Zeit, aber es wird trotzdem sehr schön sein“, sagt der 34-jährige Familienvater.
Seltenes Glück am Klinikum Böblingen
Besonderheit
Eineiige Drillinge sind sehr selten und entstehen, wenn sich eine einzelne befruchtete Eizelle nach der Befruchtung mehrfach teilt.
Perinatalzentrum
Das Perinatalzentrum Böblingen befindet sich in den Kliniken Böblingen und ist eine Fachabteilung für Kinder- und Jugendmedizin sowie Neonatologie. Es ist als Perinatalzentrum Level I anerkannt, was die höchste Versorgungsstufe für Risikoschwangerschaften, Früh- und Neugeborene bedeutet.
Instagram
Wer wissen will, wie die Familie Yilmaz ihren Alltag mit den Drillingen meistert, der wird auf Instagram fündig. Unter Meggy Ipanema gibt die frisch gebackene Drillingsmama und Mutter von vier Kindern Einblicke in ihren Familienalltag.