Ein Neurologe wertet MRT-Bilder aus. Foto: sudokl/Adobe Stock

Es ist völlig unverständlich, warum die Kreiskliniken und der Landrat so großen Druck beim Thema Schlaganfallversorgung aufgebaut haben, findet unsere Autorin Karen Schnebeck.

Göppingen - Warum nur, warum, fragt man sich, wenn man von außen den Schlagabtausch zwischen den Kreiskliniken und dem privaten Christophsbad um die Versorgung von Schlaganfallpatienten verfolgt. Warum haben der Göppinger Landrat Edgar Wolff und die Kreiskliniken das Machtwort des Sozialministeriums nicht einfach stillschweigend zur Kenntnis genommen und dann versucht, hinter den Kulissen erneut mit dem Land und dem Christophsbad ins Gespräch zu kommen?

Denn ganz so überraschend, wie ständig behauptet wird, kann die Entscheidung des Landes für das Christophsbad für den Kreis nicht gewesen sein. Immerhin ist das Gutachten, auf dessen Grundlage die Entscheidung gefällt wurde, den Konfliktparteien bereits im September zugesandt worden.

Aber Nein. Statt in Ruhe den eigenen Standpunkt zu überdenken und nach neuen Lösungen zu suchen, wendet man sich mit den gleichen Argumenten an die Öffentlichkeit, die bereits bei dem Gutachter Darius Günther Nabavi nicht verfangen haben. Man interpretiert Teile des Gutachtens einfach nach Gutdünken um, unterstellt dem Land Absichten, die es bisher gar nicht hat – nämlich, in zwei Jahren die Neurologie des Christophsbads an den Eichert zu verlegen – und nutzt jede Möglichkeit, politischen Druck zu machen.

Und was haben der Kreis und seine Kliniken nun davon? Die Fronten zwischen Christophsbad und Kreiskliniken sind verhärteter denn je. Ein Gutachten, das nicht gerade schmeichelhaft für das Kreiskrankenhaus ausfällt, wird – gerade wegen der eigenwilligen Auslegung des Kreises – immer mehr in die Öffentlichkeit gezerrt, das Sozialministerium, von dem man 150 Millionen Euro für den Neubau der Klinik am Eichert haben will, wird brüskiert, und, das ist wahrscheinlich das Schlimmste, die Patienten sind nachhaltig verunsichert.

Im Zweifel wird sich mancher eben in einem anderen Landkreis behandeln lassen. Am Ende könnte das der seit Jahren angestrebten Konsolidierung der Kreiskliniken mehr schaden als der Verlust der bisher 200 Schlaganfallpatienten, die pro Jahr in der Klinik am Eichert behandelt wurden.

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