Ende 2023 läuft der Vertrag von Jörg Martin, dem Geschäftsführer der Kliniken-Holding, aus. Der 64-Jährige würde gern um drei Jahre verlängern. Doch nicht jeder Aufsichtsrat findet das gut.
Anfang der Woche hat der Geschäftsführer der Rems Murr Kliniken, Marc Nickel, das Handtuch geworfen. Er galt als Chefsanierer. Mit zum Verhängnis wurden ihm interne Konflikte – unter anderem mit Chefärzten. In Ludwigsburg läuft der Vertrag mit Geschäftsführer Jörg Martin, der 2013 zur Holding wechselte, zum 31. Dezember 2023 aus. 2016 hatte der Aufsichtsrat der Regionalen Kliniken Holding (RKH) ihn um weitere fünf Jahre gebunden. Geht es nach ihm, würde er bleiben. „Ich wurde gefragt und habe angeboten, weitere drei Jahre zu bleiben, um die eingeleitete Transformation zu begleiten. Darüber muss aber der Aufsichtsrat entscheiden“, sagt Martin.
In Ludwigsburg bröckelt die Unterstützung
Im Enzkreis und in Karlsruhe ist die Lage klar: Die Aufsichtsräte haben eine Absichtserklärung abgegeben. Im Enzkreis wünscht man sich drei weitere Jahre mit dem heute 64-Jährigen, in Karlsruhe kann man sich bis zu drei Jahre vorstellen, will die Zeit jedoch an einige Faktoren knüpfen, berichtet Landrat Dietmar Allgaier. So müssten die Führungsstruktur der Kliniken ebenso wie strategische Ziele klar sein. Allgaier selbst spricht sich, im Sinne einer „Stabilität“, für eine Verlängerung um bis zu drei Jahre aus.
Doch die Unterstützung für Martin in Ludwigsburg ist längst nicht so gefestigt. In den Reihen der 20 Aufsichtsräte gibt es, quer durch alle Fraktionen, auch Kritiker, die mit drei Jahren Verlängerung hadern. Ein bis zwei Jahre kann sich etwa Ralf Trettner (CDU) vorstellen. Martin habe sich große Verdienste erworben, von daher ergebe es Sinn, mit ihm zu verlängern. „Aber wir sind auch gerade dabei, die Kliniken auf neue Beine zu stellen. Daher erachten wir es als zielführend, uns strukturell und personell neu auszurichten.“ Kritiker bemängeln unter anderem einen Sanierungsstau, den Martin mit zu verantworten habe sowie seine Alleingänge – zum Teil am Betriebsverfassungsgesetz vorbei, ärgert sich ein Aufsichtsrat. In der Kritik steht Martin zudem wegen „fehlender Empathie“ im Umgang mit Mitarbeitern und Kritikern. „Uns wurde im Grunde zu verstehen gegeben, wir verstünden nichts vom Geschäft und sollten auch über nichts reden, sonst würden wir haftbar gemacht“, moniert ein anderer Aufsichtsrat. Druck ausüben, Macht demonstrieren – das seien Mittel, mit denen Martin bisweilen intern agiere.
„Ich übe keinen Druck aus“
Kritik, der Martin widerspricht. „Ich übe keinen Druck aus, sondern versuche, mit Leuten ins Gespräch zu kommen.“ Er sei in einer exponierten Position, in der es immer Kritik gebe. Darüber hinaus sei in einem so riesigen Verbund Nähe zu allen Mitarbeitern nicht möglich. „Den Vorwurf fehlender Empathie höre ich zum ersten Mal.“ Das Verhältnis zum Aufsichtsrat sei aus seiner Sicht professionell, transparent und ohne „größere Probleme“. Die Rolle des Gremiums liege in der Kontrolle der Geschäftsführung und in der Entwicklung und Diskussion von Strategien.
Kommenden Dienstag tagen die Ludwigsburger Aufsichtsräte. Mit dem Stimmungsbild geht es eine Woche später in die Holdingssitzung, in der Ludwigsburg rein rechnerisch die Mehrheit hat. „Aber anders als in einem Zweckverband hat jeder Aufsichtsrat in der Sitzung eine Stimme – das heißt, selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass es in Ludwigsburg eine Mehrheit gegen die Verlängerung des Vertrags geben würde, hieße das nicht zwingend, dass der Vertrag nicht verlängert würde“, erklärt Allgaier. Er ist davon überzeugt, dass es zwischen den Gesellschaften und damit auch in den einzelnen Aufsichtsräten eine Einigkeit zur Frage des Zeitraums geben wird.