Großer Bedarf, kleines Angebot: Für pflegebedürftige Patienten stehen nach einem Klinikaufenthalt zu wenige Heimplätze bereit. Foto: dpa

Die Krankenhäuser in Stuttgart klagen über einen gravierenden Mangel an Pflegeheimplätzen für alte, alleinstehende Patienten nach einem Klinikaufenthalt. Sie sprechen von Notstand.

Stuttgart - Aufgrund der neuen Landesheimbauverordnung sinkt seit geraumer Zeit die Zahl der Pflegeheimplätze in Stuttgart, von 2019 an sollen die Träger nur noch Einzelzimmer anbieten. Das hat einschneidende Folgen für die Krankenhäuser, deren Patienten immer älter werden und die in wachsender Zahl nach einer Klinikbehandlung zumindest vorübergehend auf Heimpflege angewiesen sind.

Die Stuttgarter Krankenhäuser klagen, dass sie nur noch sehr schwer und mit großen Aufwand Pflegeheimplätze für Patienten finden. „Mitunter müssen wir bis zu 50 Heime anrufen“, sagt Hans Nau vom Klinikum der Stadt. „Wir wissen manchmal nicht wohin mit den Menschen“, erklärt Silke Ferenci vom Marienhospital. „Das ist ein echte Not.“

Heimstiftung: Genehmigungen dauern in Stuttgart zu lange

Die Kliniken, die unter hohem wirtschaftlichem Druck stehen und Patienten deshalb möglichst früh entlassen, kritisieren nicht nur den allgemeinen Rückgang der Pflegeheimplätze. Mangels Förderung fehlten Angebote zur Kurzzeitpflege und zur geriatrischen Rehabilitation in der Region. „Die ganze Weiterversorgung nach dem Krankenhaus ist völlig unterfinanziert“, erklärt Bernd Rühle, der Geschäftsführer des Diakonie-Klinikums in Stuttgart.

Angesichts der „Notlage“ insbesondere in der Landeshauptstadt und wegen der negativen Folgen der Landesheimbauverordnung fordern die Krankenhäuser, aber auch Pflegeheimträger ein Umsteuern der Politik. Bernhard Schneider, der Chef der evangelischen Heimstiftung, einem der großen Pflegeheimträger in Baden-Württemberg, sagt: „Vor zehn Jahren hat das Land die Förderung von Pflegeplätzen abgeschafft, das war ein Fehler.“ Und speziell in Stuttgart dauerten die Genehmigungsverfahren für Heimbauprojekte viel zu lange. Schneider: „Andernorts geht das viel schneller.“

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