Der Leonberger CDU-Chef Zander schlägt städtische Gelder für die Geburtshilfe vor. OB Cohn (SPD) will vom Chef der CDU-Kreistagsfraktion Noë wissen, ob das mit ihm abgestimmt ist.
Selbst im USA-Urlaub holt Helmut Noë der politische Alltag ein. Am Freitag bekam er eine Mail vom Leonberger Oberbürgermeister. Doch Sozialdemokrat Martin Georg Cohn wünscht dem Christdemokraten keine schöne Ferien, sondern schreibt ihn in dessen Funktion als Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag Böblingen an.
Der OB interessiert sich dafür, wie Helmut Noë, einst langjähriger Erster Bürgermeister von Leonberg, die im Gutachten der Hamburger Beratungsfirma Lohfert & Lohfert nahegelegte Schließung der stationären Geburtshilfe im Krankenhaus Leonberg beurteilt. Die Gutachter sehen Geburten im Klinikverbund Südwest, der die Kreise Böblingen und Calw umfasst, nur noch an den Standorten Böblingen und Nagold vor. Calw und Leonberg würden demnach ihre Gynäkologien verlieren, in Herrenberg steht sogar das komplette Krankenhaus zur Disposition. Eine Art Tagesklinik soll daraus werden.
Nicht nur in Herrenberg ist angesichts des drohenden Verlustes die Aufregung groß. Auch in Leonberg gibt es massiven Widerstand gegen ein mögliches Aus der Gynäkologie, die einen guten Ruf genießt. Besonders umstritten ist die Schließung des erst vor zwei Jahren mit großer Resonanz eröffneten hebammengeführten Kreißsaals.
Nicht nur die Hebammen selbst sind stinksauer. Bei einer Infoveranstaltung zu den Schließungsplänen vor den Sommerferien hielten die demonstrierenden Frauen sogar ein Plakat mit der Aufschrift „Diese Politik ist frauenfeindlich“ hoch.
Zander kritisiert auch den Landrat
Unterstützung bekamen sie jetzt vom Stadtverbandsvorsitzenden der Leonberger CDU. Oliver Zander kritisiert scharf das geplante Aus der Geburtshilfe, hätte sie doch einen werbenden Effekt für die komplette Klinik: Werdende Mütter und deren Angehörige, die vor verschlossenen Türen stünden, kämen auch als Patienten nie mehr wieder.
Der CDU-Chef, der im Leonberger Gemeinderat sitzt, schlägt vor, die Geburtsstation mit einem Sonderzuschuss aus dem städtischen Haushalt abzusichern. Das vom Landrat Roland Bernhard unterstützte Ende des hebammengeführten Kreißsaals nennt Zander eine „Missachtung der Leistung der Hebammen“ in Leonberg. „Da wurde mühsam etwas aufgebaut, was jetzt wieder zerschlagen werden soll.“
Noë meldet sich aus den USA
Eine Bewertung, die Martin Georg Cohn aufhorchen lässt. „Ob diese Aussagen mit Ihrer Abstimmung getroffen wurden, ist nicht erkennbar“, schreibt der OB an Helmut Noë. „Aufgrund Ihres jahrzehntelangen großartigen ehrenamtlichen Engagements halte ich dies jedoch für unverzichtbar.“
Was sagt Noë dazu? Unsere Zeitung hat ihn in Amerika erreicht: Für das Anliegen seines Parteifreunds Zander zeigt er Verständnis, aber: „Als Kreistagsfraktion müssen wir auch die Geburtshilfen in Herrenberg und Calw betrachten“. Der Gutachter habe weitere Informationen in Aussicht gestellt. „Erst danach kann ich mich abschließend äußern.“ Mit ihm abgestimmt sei Zanders Vorstoß nicht: „Das muss er auch nicht.“
So sieht es auch der Leonberger CDU-Chef. „Als gewählter Stadtrat und Stadtverbandsvorsitzender setze ich mich mit tiefer Überzeugung für unser Krankenhaus ein“, betont Oliver Zander. „Da ist für mich erst einmal unerheblich, welche Meinung unser Kreisverband hat. Ich stehe zuallererst für die Leonberger Interessen ein“.
Zander betont allerdings, dass das Verhältnis zur Kreis-CDU, insbesondere zum Fraktionsvorsitzenden Helmut Noë „sehr gut sei.“ Beide leben im Leonberger Teilort Höfingen.
Auch die Leonberger Ratsfraktion war in den Vorstoß Zanders nicht involviert. „In der betreffenden Vorstandssitzung des Stadtverbandes war ich nicht dabei“, betont die Fraktionschefin Elke Staubach. „Wir werden das Thema in der Fraktion diskutieren“. Eine finanzielle Unterstützung der Geburtshilfe sei durchaus eine „mögliche Priorität im kommenden Haushalt, zumal sie einen guten Ruf hat. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass die Diskussion wieder Fahrt aufnimmt.“