CDU, AfD und FDP im Göppinger Kreistag positionieren sich gegen den Antrag von Landrat Möller, die Klinik am Eichert abzureißen. Damit wäre das Vorhaben gekippt.
Fünfmal hat der Kreistag bereits über den Abriss der alten Klinik am Eichert abgestimmt, am Freitag steht Abstimmung Nummer sechs auf der Tagesordnung: Nach einem neuerlichen Faktencheck der LBBW Kommunalentwicklung GmbH soll nun endgültig darüber entschieden werden, ob der Grundsatzbeschluss zum Abriss Bestand hat. Landrat Markus Möller (CDU), seit Juli 2025 im Amt, hatte die Prüfung angeregt, um abschließend entscheiden zu können. Doch ob sein Beschlussantrag, am Abbruch des Klinik-Altbestands festzuhalten, eine Mehrheit bekommt, ist fraglich.
Das Ergebnis der LBBW-Prüfung ist klar: Vermutlich wird durch die Erhaltung des Altbaus nicht viel Geld gespart – wenn überhaupt. Der würde demnach zwischen 20 und 30 Millionen Euro kosten, je nachdem, wie viele Stockwerke vor dem Verkauf abgetragen werden. Ein möglicher Verkaufserlös ist bereits eingerechnet und wird auf 3,18 Millionen Euro taxiert. Auf der anderen Seite gehen die Gutachter von Abrisskosten von rund 28,5 Millionen Euro aus.
LBBW warnt vor Risiken, sollte das Bauwerk erhalten werden
Ausdrücklich warnt die LBBW vor Risiken, sollte das Bauwerk erhalten werden. So könne eine Bauruine entstehen, wenn ein möglicher Investor zahlungsunfähig werde oder sich der Boden hebe. Zudem gebe es ein Reputationsrisiko für Landkreis, Alb-Fils-Klinikum und die Stadt Göppingen, außerdem würden der Klinik Erweiterungsmöglichkeiten und somit die Zukunftsfähigkeit genommen. Die Gutachter warnen: „Es ist derzeit keine ausreichende Nachfrage des Marktes nach einem Bauvolumen in der Größenordnung der bestehenden Klinik in Göppingen absehbar.“ Und: „Für eine zusätzliche verkehrliche Erschließung der alten Klinik ist, Stand heute, kein tragfähiges und umsetzbares Konzept erkennbar.“
Ob die Argumente eine Mehrheit der Kreisrätinnen und Kreisräte überzeugen, ist allerdings fraglich. So bleibt CDU-Fraktionschef Wolfgang Rapp bei seiner Meinung: „Es gibt Interessenten, wir müssen uns erst die Nutzungskonzepte anschauen.“ Genau davor warnt SPD-Kreisrat Peter Hofelich: „Wir sollten jetzt aber keinen weiteren Zeitverzug durch nochmalige Untersuchungen oder Interessentenabfragen mehr zulassen.“ Doch Rapp möchte dem Beschlussantrag seines Parteifreunds Möller in der vorliegenden Form nicht zustimmen, betont allerdings ausdrücklich, dass dies seine Privatmeinung sei und er in diesem Fall nicht für die Fraktion spreche. Diese werde sich noch beraten.
Bislang hat die CDU jedoch stets für die Erhaltung und gegen den Abriss gestimmt und dies bereits mehrfach beantragt, genauso wie die AfD-Fraktion. Deren stellvertretender Vorsitzender Uwe von Wangenheim sagt nun vor der erneuten Abstimmung: „Wir plädieren für ein offenes Gespräch mit Investoren und Interessenten.“ Er wisse zwar nicht, was ein Abriss am Ende kosten würde, aber: „Bei der öffentlichen Hand wird doch immer alles teurer, es können am Ende auch 40 Millionen werden.“ Deshalb kündigt von Wangenheim an: „Die AfD-Fraktion ist einhellig der Meinung, wir reißen erst einmal nicht ab.“ Das bekräftigte auch der Fraktionsvorsitzende Michael Weller in einer Pressemitteilung: „Die AfD-Kreistagsfraktion spricht sich klar für den Erhalt des Bestandsgebäudes des Alb-Fils-Klinikums aus.“
31 Gegenstimmen könnten für Landrat Möller zu Buche schlagen
Insgesamt 66 Mitglieder hat der Kreistag, die CDU-Fraktion besteht aus 21 Personen, neun sind es bei der AfD plus ein fraktionsloser AfD-Kreisrat. Auch der Einzelkreisrat der Linken war immer gegen einen Abriss, ist jedoch derzeit erkrankt. Somit könnten bereits 31 Gegenstimmen für Möller zu Buche schlagen. Freie Wähler, Grüne und SPD waren bislang für den Abriss, bliebe also die vierköpfige FDP-Fraktion als Zünglein an der Waage. Er und seine Mitstreiter würden gegen mögliche neue Anträge von CDU oder AfD stimmen, versichert der FDP-Fraktionschef Oliver Strommer. Landrat Möller möchten sie dennoch nicht folgen: „Dem können wir natürlich nicht zustimmen“.
FDP lehnt einen privaten Investor ab
Denn die FDP hat beantragt, dass der Klinikaltbau am Eichert in mehrheitlicher Trägerschaft des Landkreises Göppingen nachgenutzt wird, „insbesondere für die notwendige Erweiterung der Bodelschwinghschule Göppingen, zur Konzentration aller Außenstellen des Landkreises Göppingen sowie für Wohnungen für Mitarbeitende der Alb-Fils-Klinikum-GmbH“. Einen privaten Investor lehnt die FDP aber ab. Diese Position ist nicht neu, das hatten die Liberalen bereits erfolglos vorgeschlagen. Nun heißt es in dem Antrag: „Die FDP-Fraktion nimmt ihre bisherigen Anträge zur Prüfung möglicher Nachnutzungen des Klinikaltbaus am Eichert zurück, nachdem es die Verwaltung und der Kreistag das gesamte letzte Jahr versäumt haben, entsprechend unseren damaligen Anträgen mögliche Nachnutzungen des Klinikaltbaus zu prüfen.“ Sollten die drei Fraktionen am Freitag geschlossen abstimmen, wäre Möllers Antrag auf Abriss abgelehnt. Und das wäre ein Novum.
Abriss der Klinik bereits mehrfach beschlossen
30. November 2012
Der Kreistag fasst den Grundsatzbeschluss zum Klinikneu- und Abriss des Altbaus.
23. Februar 2018
Der Göppinger Unternehmer Johannes Krauter stellt sein Konzept zur Nachnutzung vor, doch weder die Stadt Göppingen noch der Aufsichtsrat der Alb-Fils-Kliniken stimmen den Plänen zu. Schließlich votiert auch der Kreistag dagegen.
24. Mai 2019
Erneut befasst sich der Kreistag mit dem Thema und stimmt dem in der Baugenehmigung zum Klinikneubau festgesetzten Abriss mehrheitlich zu.
15. Juli 2022
Mit ihrem Antrag im Kreistag, mittels Ideenwettbewerb zu klären, ob der Altbau noch gerettet werden kann, kann sich die CDU nicht durchsetzen.
26. Mai 2023
Die CDU-Fraktion will den Beschluss zum Abriss bis fünf Jahre nach dem Umzug aussetzen. Nur drei weitere Kreisräte folgen der CDU.