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Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann für dessen Dienstwagen erneut die Rote Karte gezeigt.

Berlin/Stuttgart - Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann für dessen Dienstwagen erneut die Rote Karte gezeigt. Kretschmanns Mercedes S-Klasse, ein S 350 BlueTEC 4Matic, liegt mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,3 Litern auf 100 Kilometer und einem Kohlendioxid- (CO2)-Ausstoß von 193 Gramm pro Kilometer im bundesweiten Politiker-Vergleich weit vorn. „Für den ersten Grünen-Ministerpräsidenten ist das sehr enttäuschend“, teilte die DUH am ­Mittwoch mit.

Unter den Landesministern erhielt lediglich Verkehrsminister Winfried Hermann für einen CO2-Ausstoß von unter 130 Gramm pro Kilometer, den EU-Zielwert seit 2012, die Grüne Karte. Hermann erledigt seine Dienstgeschäfte in einer Mercedes E-Klasse (Diesel-Hybrid, 3,0-Liter-Motor). Während die Minister Franz Untersteller (Umwelt), Silke Krebs (Staatsministerium), Bilkay Öney (Integration), Peter Friedrich (Europa), Reinhold Gall (Inneres), Rainer Stickelberger (Justiz), Nils Schmid (Finanzen und Wirtschaft) und Alexander Bonde (Agrar) mit der Gelben Karte bedacht wurden – sie fahren allesamt Audi –, stempelt die DUH neben Kretsch­mann auch die Ressortchefs Katrin Altpeter (Soziales), Andreas Stoch (Kultus) und Theresia Bauer (Wissenschaft) als potenzielle Klimasünder ab.

Den mit Abstand schmutzigsten Dienstwagen aller deutschen Spitzenpolitiker fährt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) – einen Audi A 8 Quattro mit 6,3-Liter-Motor. Im Bundeskabinett erhielt ausschließlich Bildungsministerin Johanna Wanka Rot wegen Übermotorisierung, der Rest kam mit Gelb davon. Umweltminister Peter Altmaier schnitt eher schlecht ab; der Wagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (alle CDU) fiel wegen besonderer Sicherheitssysteme, die sich auf den Verbrauch auswirken, aus der Wertung.

„Umwelthilfe vergleicht Äpfel mit Birnen“

Die Umweltorganisation, zu deren Zielen die Förderung umweltfreundlicher Wirtschaftsweisen zählt, vergab mit 18 Grünen Karten dreimal so viele Auszeichnungen für schadstoffarme Fahrzeuge wie im Jahr zuvor. Mit dem Hamburger Senat unterschritt erstmals ein komplettes Landeskabinett den EU-Grenzwert von 130 Gramm. Insgesamt würden sich aber nur zehn Prozent aller Minister umweltbewusst zeigen, so die DUH.

Ein Sprecher von Kretsch­mann sagte unserer Zeitung, die Umwelthilfe „vergleicht Äpfel mit Birnen. Es freut uns, dass Olaf Scholz in Hamburg so wenig CO2 ausstößt. Aber das würde Winfried Kretschmann auch, wäre er nur in der Stadt unterwegs.“ Im hügeligen Baden-Württemberg sei der Regierungschef gerade im Winter auf ein Fahrzeug mit Allrad-Antrieb angewiesen. „Dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg steht es dabei ganz gut zu Gesicht, Daimler oder Audi zu fahren.“ Gegenüber seinem Vorgänger Stefan Mappus emittiere Kretschmanns Limousine nur halb so viel. Bei Terminen in Stuttgart greife Kretschmann zudem auf eine Elektro-A-Klasse von Mercedes zurück. Diese wurde in der DUH-Rangliste jedoch nicht berücksichtigt.

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