Auf den Grundstücken an der Straße Zum Langwieser See sollen Wohngebäude entstehen. Für diese gibt es nun neue Bestimmungen. Foto: Jacqueline Fritsch

Nachträglich soll ein Mischgebiet in Stuttgart-Plieningen in ein reines Wohngebiet umgewandelt werden. Die Klimaschutzziele der Stadt Stuttgart haben dabei Auswirkungen auf die bereits geplanten und verkauften Doppelhaushälften.

Plieningen - Voraussichtlich im Juni werden die Pläne für das Gebiet Schießhausäcker in Stuttgart-Plieningen öffentlich ausgelegt. In einem vereinfachten Verfahren möchte die Stadt den Bereich von einem Mischgebiet in ein reines Wohngebiet umwandeln. So können die verbliebenen drei Baulücken für Wohnraum genutzt werden. Ein Investor soll die Grundstücke schon lange erworben und fertige Baupläne haben. Diese könnten nun vorzeitig, das heißt bevor das Gebiet offiziell Wohngebiet ist, genehmigt werden. „Das kommt darauf an, welche Anregungen und Einwände es bei der öffentlichen Auslegung gibt“, sagte Susanne Frucht vom Stadtplanungsamt.

Solaranlagen und Dachbegrünung sind Pflicht

Eine Sache kommt bei der Änderung des Bebauungsplans und der Genehmigung des Bauvorhabens nun hinzu: Die Neubauten sollen bereits unter die Solarpflicht für Wohngebäude fallen, die die Landesregierung beschlossen hat. So müssen die Häuser nun mit Solaranlagen ausgestattet werden, die dauerhaft zu erhalten sind. Bei Flachdächern oder flach geneigten Dächern gilt die Regel, dass sowohl eine Solaranlage als auch eine Dachbegrünung vorhanden sein muss. Die Solarmodule dürfen dabei maximal die Hälfte der begrünten Fläche bedecken, heißt es in einem Schreiben der Stadt Stuttgart. Freiwillig bleibt, neue Gebäude als Plusenergiegebäude oder klimaneutrale Gebäude zu errichten.

Der Bezirksbeirat Ulrich Berger (SPD) spricht von einer Ungleichbehandlung in diesem Punkt gegenüber denen, die in dem Gebiet bereits gebaut haben. „Es wird dort ja kein ganz neuer Bebauungsplan gemacht, sondern nur der alte angepasst“, sagte er bei der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats. Susanne Frucht wies darauf hin, dass der alte Bebauungsplan aus dem Jahr 2006 stamme und sich seither in Sachen Klimaschutz viel getan habe. „Die Leute profitieren ja von der Änderung des Bebauungsplans“, sagt sie, „sonst hätte man dort nur Gewerbe machen können“. Die Solaranlagen seien nötig, um die ehrgeizigen Klimaziele der Stadt Stuttgart zu erreichen.

Sie müssen mit dieser Neuerung leben

Der Investor und die künftigen Bewohner der Häuser müssen also mit dieser Neuerung leben. Auf den Bauplänen des Investors sind bisher keine Solarmodule sichtbar. Die Immobilienfirma hatte Ende 2019 für ihr Bauvorhaben eine Voranfrage bei der Stadt gestellt, die nicht abgelehnt worden sei. Erst als die Häuser geplant waren, kam die Absage vom Baurechtsamt. Denn: Wohngebäude können derzeit an der Straße Zum Langwieser See nicht genehmigt werden, da es in einem Mischgebiet mindestens 20 Prozent Gewerbe geben muss.

Da aber bisher kein Gewerbe Interesse an dem Standort zeigt, hat sich die Stadt für die Änderung entschieden. Diese soll schnell erfolgen, da es bereits konkrete Baupläne gibt. Es soll auch schon Familien geben, die die Doppelhaushälften gekauft haben. Bisher beruhte diese Information auf inoffiziellen Aussagen, mittlerweile ist aber auch die Immobilienanzeige des Investors mit „Verkauft“ ergänzt. Das knapp 1,3 Hektar große Gebiet könnte Ende des Jahres rechtlich reines Wohngebiet sein.

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