Michael Hurlebaus fährt täglich mit dem geleasten Dienst-Pedelec zur Arbeit in der Atriumschule Foto:  

Der Hausmeister Michael Hurlebaus fährt in Urbach täglich per Rad zur Arbeit. Auch kreisweit fördern immer mehr Firmen und Behörden diese Form der Mobilität und verbessern die Bedingungen für „Fahrradpendler“.

Urbach - Wenn das Wetter mitspielt, fährt Michael Hurlebaus mit dem E-Bike zur Arbeit, einem Rad, das er über die Urbacher Gemeindeverwaltung geleast hat. Schon früher, erzählt der Hausmeister der Atriumschule und Kommandant der Urbacher Feuerwehr, sei er gerne aufs Rad gestiegen. „Zur Arbeit bin ich trotzdem meistens mit dem Auto gefahren“, sagt er. Mit dem E-Bike sei das nun anders. Jetzt macht Michael Hurlebaus auch mal längere Touren oder dreht noch eine Runde nach Feierabend.

Als die Gemeinde ihren Mitarbeitern anbot, im Rahmen der Aktion „JobRad“ über eine Gehaltsumwandlung ein Fahrrad zu leasen, war der 47-Jährige sofort dabei. „Innerhalb von einem Jahr bin ich etwa 2500 Kilometer mit dem E-Bike gefahren“, erzählt Hurlebaus. „Und ich finde, es ist eine gute Aktion. Man bewegt sich mehr und tut etwas für die Umwelt.“

Autoverkehr reduziert sich

Insgesamt sind bisher 13 Mitarbeiter der Urbacher Verwaltung aufs Fahrrad umgestiegen. Bei der Aktion „JobRad“ können sich die Beschäftigten von teilnehmenden Unternehmen oder Behörden ein Fahrrad bei einem Kooperationspartner konfigurieren lassen und es beruflich wie privat nutzen. Außerdem übernimmt die Verwaltung die Kosten für die Versicherung. „Das Jobrad verbindet CO2-freie Mobilität mit der individuellen Gesundheitserhaltung“, sagt die Bürgermeisterin Martina Fehrlen. Außerdem werde dadurch der Autoverkehr rund um das Rathaus reduziert.

Nicht nur in Urbach satteln immer mehr Berufstätige aufs Fahrrad um. Bereits 2013 hat der Rems-Murr-Kreis das Projekt „Bike & Work“ ins Leben gerufen, um die betriebliche Fahrradförderung im Landkreis zu unterstützen. Im Rahmen von Bike & Work werden in jeder Runde zehn Betriebe ausgewählt, die ein knappes Jahr lang dabei unterstützt werden, fahrradfreundlicher zu werden. Dazu bekommen die Unternehmen Besuch von erfahrenen Mobilitätsberatern, es gibt Mitarbeiterbefragungen und Workshops und am Ende bekommt jede Firma einen individuellen Aktionsplan für mehr Fahrradfreundlichkeit. „Die Nachfrage nach einer Teilnahme ist nach wie vor hoch“, sagt Jessica Henning von der Geschäftsstelle Klimaschutz beim Landratsamt.

Maßnahmen kommen gut an

Die AOK Ludwigsburg-Rems-Murr nimmt seit 2016 am Bike & Work-Projekt teil und hat gute Erfahrungen gemacht. „Die professionelle Begleitung seitens der Projektpartner war ebenso hilfreich wie der regelmäßige Austausch mit anderen teilnehmenden Firmen“, sagt Nina Lägel. „Wir haben vor Ort einen Arbeitskreis Mobilitätsmanagement gegründet, einen Aktionsplan entwickelt und Maßnahmen umgesetzt, um die Ausstattung an verschiedenen Standorten noch fahrradfreundlicher zu gestalten.“ So wurde am Kundencenter in Schorndorf eine Fahrradabstellanlage neu installiert. Außerdem, so Lägel, gebe es abgeschlossene Fahrradabstellplätze und Umkleidekabinen mit Duschen. Auch Lademöglichkeiten für E-Bikes und Reparatursets für Fahrräder stünden bereit. Bei den Mitarbeitern kämen die Maßnahmen zur Förderung des Radfahrens gut an, so Lägel. „Die Angebote werden sehr gerne genutzt.“

Auch der Automobilzulieferer Swoboda in Schorndorf hat 2016 erstmals am Bike & Work-Projekt teilgenommen. Inzwischen, erklärt Andreas Falk, Leiter des Bereichs Mechanische Konstruktion, gebe es eine neue Abstellanlage mit Platz für 26 Fahrräder. Außerdem seien zwei Hängeparker für Rennräder, ein Stellplatz für zwei E-Scooter oder E-Roller und eine Ladestation für Pedelecs eingerichtet worden. „Aktuell haben sechs Mitarbeiter ein Fahrrad geleast.“ Dass das Radeln zur Arbeit bei den Mitarbeitern gut ankommt, zeige die Nutzung der Fahrradabstellanlage, die zu bis zu 75 Prozent ausgelastet sei.

Spenden für den guten Zweck

Bei der Firma Tekon Prüftechnik in Kernen ist man ebenfalls überzeugt vom Radförderprojekt des Rems-Murr-Kreises. Um die Mitarbeiter fürs Radfahren zu begeistern, seien aber auch Kreativität und neue Ideen gefragt, meint die dortige Marketingfrau Andrea Grimm. „Es gilt, Bequemlichkeiten zu überwinden, alle oder zumindest sehr viele mit ins Boot zu holen und wieder und wieder zu motivieren und zu überzeugen.“ Deshalb habe Tekon nicht nur einen Reparaturplatz für Fahrräder, regensichere Fahrrad-Abstellplätze sowie Duschen und Umkleiden eingerichtet. Für jeden Kilometer, den ein Mitarbeiter mit dem Fahrrad oder übrigens auch zu Fuß zur Arbeit kommt, spendet die Firma außerdem je 50 Cent für den guten Zweck.

Die fünfte Runde des Klimaschutz-Projektes von Bike & Work wird in diesem Sommer abgeschlossen. Dann, so sagt Jessica Henning von der Geschäftsstelle Klimaschutz im Waiblinger Landratsamt, werden immerhin 52 Unternehmen am Projekt teilgenommen haben.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit

Sicherheit
: Unternehmen, welche die Fahrradmobilität ihrer Mitarbeiter unterstützen möchten, sollten ein paar Dinge beachten. Dazu gehören ein sicher befahrbarer Radweg auf dem Betriebsgelände und sichere, überdachte und gut beleuchtete Abstellmöglichkeiten. Der Zugang zum Fahrradabstellplatz sollte stufenlos erreichbar sein. Im Rahmen von Bike & Work bekommen die teilnehmenden Betriebe zu diesen und weiteren Aspekten eine ausführliche Beratung.

Firmenförderung:
Mit dem Förderprogramm „Betriebliches und behördliches Mobilitätsmanagement“ unterstützt das Land Baden-Württemberg Betriebe und Behörden auf ihrem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität. Außerdem fördert das baden-württembergische Verkehrsministerium den Kauf oder das Leasing von E-Lastenrädern mit Zuzahlungen bis zu 3000 Euro. Weitere Informationen dazu im Internet unter www.vm.baden-wuerttemberg.de.

Kontakt:
Betriebe im Rems-Murr-Kreis, die sich für das auch weiterhin laufende Projekt Bike & Work interessieren, können sich an Jessica Henning von der Geschäftsstelle Klimaschutz im Waiblinger Landratsamt (Telefon: 0 71 51/5 01 27 57; Email: klimaschutz@rems-murr-kreis.de) wenden. Informationen zum Projekt „Sicher E-Biken“ erhalten Interessierte außerdem von Wirtschaftsförderer Timo John (0 71 51/ 5 01 11 93 oder t.john@rems-murr-kreis.de)

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