Beim Klimaschutz ist vielen der Bau von Photovoltaikanlagen wichtig. Foto: ZB/Waltraud Grubitzsch

Ein großes Team in der Verwaltung, Bürger die auf Eigeninitiative setzen oder umfassende Fördermaßnahmen durch die Kommune – welcher Weg ist für Städte im Kreis Ludwigsburg der richtige zur CO2 -Neutralität?

2024 soll der Fokus im Landkreis Ludwigsburg auf dem Klimaschutz liegen. Die Prämisse hat Landrat Dietmar Allgaier schon beim Neujahrsempfang im Januar ausgegeben. So steht vom 6. bis 8. März ein kommunales Klimaforum im Landratsamt an, in dem sich unter anderem Entscheider der kommunale Ebene vernetzen und Input für Klimaschutz in ihrem Bereich erhalten können. Die Zeit drängt, denn bis 2040 will das Land klimaneutral sein. Städte und Gemeinden im Kreis gehen das Ziel unterschiedlich an.

 

„Klimaschutz spielt hier schon lange eine große Rolle“, sagt der Erste Bürgermeister Kornwestheims Daniel Güthler. Cordula Wohnhas habe schon in den 1980er-Jahren den Umweltschutz vorangetrieben, deshalb sei man weiter als andere Kommunen.

Stabsstelle eher ungewöhnlich

Wohnhas ist inzwischen in Pension und ihr Nachfolger Christopher King ist nach der Einarbeitung seit Anfang Februar alleiniger Leiter der Stabsstelle Umwelt- und Klimaschutz. Dass es für den Bereich eine Stabsstelle gibt, ist eher ungewöhnlich. In der Regel sind die Fachleute in anderen Abteilungen oder innerhalb anderer Referate untergebracht und nicht direkt dem Bürgermeister untergeordnet. Die Salamanderstadt hat ein paar weitere Besonderheiten, die es für King zu beachten gilt bei Maßnahmen zum Klimaschutz: Kaum eine andere Stadt ist so versiegelt, das heißt zugebaut wie Kornwestheim. 60 Prozent der Fläche ist zubetoniert. Das ist mehr als in Ludwigsburg. „Nur Asperg ist im Kreis noch stärker versiegelt“, erklärt Güthler. Das hat mehrere Folgen: Die Stadt heizt sich im Sommer stärker auf als andere Kommunen, folglich ist der allgemeine Temperaturanstieg dort stärker zu spüren. Außerdem fehlen Flächen, die bei Starkregen das Wasser verträglich aufnehmen,ohne die Kanalisation zu überlasten

Wenig Photovoltaik auf den Dächern

Die Wärmeplanung der Stadt und die stark verbesserungsbedürftige Photovoltaik-Quote auf den Dächern sind weitere Baustellen, die King auf dem Zettel. Dennoch sagt er: „Es geht vor allem darum, die Dinge am Laufen zu halten.“ Vieles sei schon angestoßen oder auf den Weg gebracht. Gemeinsam mit seinem Team hat King nun eine eigene Website der Stadt zum Klimaschutz online schalten lassen (klimastadt.kornwestheim.de)  .

Anreiz über Soziale Medien

In Bietigheim-Bissingen gibt es eine solche Internetseite (klima.bietigheim-bissingen.de)  schon. Neben Informationen zum Klimaschutz gibt es seit Anfang des Jahres auch eine monatliche Klima-Challenge. So wird im Februar dazu aufgerufen, „raumbewusst“ zu heizen. Dabei geht es darum, etwa im Schlafzimmer weniger zu heizen als im Bad. Das spare Geld, sei gesund und natürlich gut fürs Klima. Bei einem Gewinnspiel können Teilnehmer in diesem Monat ein digitales Thermometer gewinnen.

In der Stadt an Enz und Metter hat sich mit der „Initiative Bietigheim-Bissingen klimaneutral“ eine Gemeinschaft gefunden, die sich aktiv für die Klimaneutralität der Stadt bis 2035 einsetzt. Die Stadtverwaltung selbst hat unter anderem einen Klimaaktionsplan fortgeschrieben und treibt unter anderem den Ausbau von Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden voran.

In Ludwigsburg ist das Wort Nachhaltigkeit schon seit Alt-OB Werner Spec fest im Sprachgebrauch verankert. Das Team „Klima und Energie“ umfasst zwölf Mitarbeiter. Die Kreisstadt will bis 2035 klimaneutral sein. Unter anderem will man sich von Gasverteilnetzen ablösen. Bis 2033 soll Gas durch erneuerbare Fernwärme und Wärmepumpen ersetzt werden. Wie in Kornwestheim liegt auch in hier ein Fokus auf der Vermeidung weiterer Versiegelung. Mit einem Versiegelung von 58,5 Prozent laut einer Studie des Gesamtverbands der Versicherer liegt die Barockstadt von 134 untersuchten Kommunen auf Rang 14 deutschlandweit.

Beliebt ist bei Kommunen auch die Teilnahme am European Energy Award. Jüngst hat Sachsenheim unter Mithilfe ein Energieteam der Verwaltung zusammengestellt, das die Vorgaben des Wettbewerbs zur Steigerung der Energieeffizienz umsetzen soll. Schafft man die Vorgaben des Wettbewerbs, gibt es ein Zertifikat.

Bis 2040 will die Stadt klimaneutral sein und sieht unter anderem durch LED-Straßenbeleuchtung einen guten Schritt in diese Richtung gemacht. Der Kreis hat schon seine Zertifizierung, Kornwestheim ebenfalls, Ludwigsburg ist sogar Gold-zertifiziert. Neben Sachsenheim nehmen derzeit Bietigheim-Bissingen, Ditzingen, Remseck am Neckar und Steinheim an der Murr teil.