Esslingen baut an einem klimaneutralen Quartier: Der Baublock A der Neuen Weststadt wächst und soll laut Investor bezahlbaren Wohnraum für die Mittelschicht bieten.
Er ist sozusagen das Entrée des Vorzeigestadtteils: Vom Bahnhofsplatz aus gesehen soll der Baublock A zusammen mit dem Alten Zollamt künftig den Beginn der Neuen Weststadt markieren. Auf dem Areal südlich von Altem Zollamt und IKK-Gebäude wird derzeit kräftig gearbeitet. Mit dem Bau des neuen Wohn- und Gewerbehauses kommt die Umgestaltung des früheren Güterbahnhof-Areals langsam auf die Zielgerade.
Seit Oktober 2025 laufen die Arbeiten auf dem rund 0,6 Hektar großen Gelände zwischen Fleischmannstraße im Norden, Berliner Straße im Osten, Eugenie-von-Soden-Straße im Süden und Kollwitzstraße im Westen. Laut Jan Rau von RVI, dem Investor und Bauherrn, steht das Untergeschoss bereits, demnächst werde das Gebäude geschossweise in die Höhe wachsen. Derzeit würden die Rohbauarbeiten erledigt, die voraussichtlich bis Ende 2026 oder Anfang 2027 fertiggestellt werden sollten. Man rechne damit, alle Arbeiten bis Anfang 2028 erledigt zu haben.
Geförderter Wohnraum für Esslingens Mittelschicht geplant
Konkret geplant ist ein gestaffeltes Gebäude mit fünf bis sieben Geschossen. In diesem entstehen insgesamt 51 Wohneinheiten, die meisten davon als Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnungen. Acht der Wohnungen sollen barrierefrei sein. Ein besonderer Schwerpunkt soll auf geförderten Wohnungen liegen: Laut Jan Rau werden 39 Wohnungen, also rund 75 Prozent, als geförderte Wohnungen realisiert. „Zielgruppe sind insbesondere Angehörige der arbeitenden Mittelschicht“, so Rau. Ihnen wolle man qualitativ hochwertigen Wohnraum zu bezahlbaren Mieten anbieten. Voraussetzung für den Bezug sei ein Wohnberechtigungsschein, der an bestimmte Einkommensgrenzen geknüpft sei.
Im Erdgeschoss und in den Obergeschossen sind laut Jan Rau gewerbliche Nutzungen vorgesehen, die zur Belebung des Quartiers beitragen sollen. Es gebe bereits Interessenten für die gewerblichen Einheiten, aber die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. Deshalb könne er noch keine konkreten Nutzungen nennen. Im Übrigen habe man das gesamte Gebäude an einen „institutionellen Investor aus dem genossenschaftlichen Umfeld“ veräußert, teilt Rau mit, ohne weiter ins Detail zu gehen. Mit der Vermietung werde frühestens Ende 2027 begonnen, Interessenten könnten sich aber bereits vormerken lassen. „Wir gehen von einer hohen Nachfrage aus“, so Rau.
Esslingen strebt Gold-Standard für nachhaltiges Bauen an
Das neue Gebäude soll im Rahmen der Quartiersentwicklung nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zertifiziert werden, laut Rau strebt man den Gold-Standard an. Damit würden neben sozialen auch ökologische Aspekte berücksichtigt. Unter anderem kämen sogenannte wohngesunde Materialien zum Einsatz, die eine gute Luftqualität in den Innenräumen sicherstellen sollten. Auch Aspekte wie Ressourcenschonung, geringe Betriebskosten oder Langlebigkeit der Baukonstruktion spielten eine zentrale Rolle.
Vor einigen Jahren hatte die Stadt zudem mit dem Kauf des IKK-Gebäudes geliebäugelt, um den Platz davor als öffentliche Aufenthaltsfläche in Verlängerung des Bahnhofsplatzes gestalten zu können. Doch jetzt sagt Nicole Amolsch dazu: „Die Stadt Esslingen hat vor einiger Zeit den Erwerb des IKK-Gebäudes geprüft, diese Überlegung jedoch verworfen, da keine sinnvolle Nutzungsmöglichkeit für die Stadt ersichtlich war.“ Zu einer Freiflächenplanung vor dem IKK-Gebäude könne man deshalb derzeit keine Aussagen treffen.
„Crystal Rock“: Architektonisches Highlight in Esslingen geplant
Ganz fertig ist die Neue Weststadt aber auch mit der Fertigstellung des Baublocks A noch nicht. Denn es steht noch der Baublock E aus – und damit der Bau eines architektonisch außergewöhnlichen Bürohochhauses mit dem Namen „Crystal Rock“ mitten zwischen Wohngebäuden und neuer Hochschule. Geplant wurde der innovative Bau mit bis zu 13 Geschossen vom renommierten Rotterdamer Architektenbüro MVRDV.
Ungewöhnlich ist unter anderem die Fassade des „Crystal Rock“, die laut Plänen teils begehbar sein und teilweise aus transparentem, aber auch aus verspiegeltem Glas bestehen soll. Laut Stadtverwaltung steht der Zeitpunkt der Realisierung noch nicht fest. Auf der Fläche des Baublock E entstehe derzeit ein temporärer Stadtteilplatz vor der Neuen Hochschule, teilt die städtische Sprecherin Nicole Amolsch mit.
Klimaquartier Neue Weststadt
Vorzeigequartier
In den vergangenen Jahren ist auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Esslingen nach und nach das klimaneutrale Stadtquartier Neue Weststadt gewachsen. Dieses umfasst mehr als zwölf Hektar Fläche, im Endausbau über 600 Wohnungen sowie Büro- und Gewerbeflächen, Grünflächen und den neuen Hochschulcampus. Mit ihrem innovativen Energiekonzept und der Produktion von grünem Wasserstoff gilt die Neue Weststadt als Vorzeigequartier in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz.
Baublock A
Der Baublock A soll als ansprechendes Portal für die Neue Weststadt in direkter Nähe zum Bahnhof wirken. Neben dem Wohn- und Geschäftsgebäude entsteht auf dem Areal auch eine Tiefgarage mit rund 40 Stellplätzen für Autos und zusammen mit Abstellmöglichkeiten im Untergeschoss etwa 60 Stellplätzen für Fahrräder. Weitere neun Parkplätze für Autos sowie rund 55 Fahrrad-Stellplätze entstehen oberirdisch.