Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will in Zukunft den Umweltschutz noch stärker fördern. Foto: AFP

Der französische Präsident redet viel von Umweltschutz, doch Kritiker werfen ihm vor, zu wenig zu tun. Das soll sich nun ändern. Was steckt hinter seiner überraschend vorgebrachten grünen Agenda?

Paris - Emmanuel Macron redet gerne und sehr viel über Umweltschutz. Die Ökologie sei ein Schwerpunktthema seiner Amtszeit, betont Frankreichs Präsident immer wieder. Zuletzt versprach er in seiner Neujahrsansprache eine breit angelegt ökologische Offensive. Aber auch dafür musste sich Macron den Spott seiner Kritiker anhören, denn außer vielen Versprechungen ist in Sachen Umweltschutz sehr wenig passiert.

„Seit dem Beginn seiner Amtszeit hält er starke Reden, doch Resultate lassen auf sich warten“, sagt Anne Bringault von der Umweltschutzorganisation Réseau action climat (RAC). „Frankreich hinkt bei der Reduzierung der Treibhausgase oder beim Ausbau von erneuerbaren Energien weit hinterher.“ Nur 16 Prozent der Energie stammt in Frankreich aus erneuerbaren Quellen. Aber auch hier macht die Regierung ein Versprechen. Sie will den Anteil bis zum Jahr 2030 auf 40 Prozent steigern.

Frankreich klammert sich an die Atomkraft

Vorgeworfen wird Frankreich auch, dass sich das Land noch immer zu sehr an die Atomkraft klammere. So sind noch 58 Reaktoren am Netz, die 72 Prozent des französischen Energiehaushaltes liefern. Macron erklärt diesen Kurs damit, dass nur auf diesem Weg die Begrenzung des Ausstoßes von Kohlendioxid ermöglich werden könne.

Nun hat Macron einen neuen Anlauf unternommen, um seine Kritiker zum Schweigen zu bringen. Am Mittwoch tagte im Präsidentenpalast der Ministerrat für Umweltfragen. Besprochen wurden sehr konkrete Probleme, die Frankreich angesichts des Klimawandels zu schaffen machen. Im Zentrum standen etwa zunehmende Überflutungen oder die Erosion der Küsten durch Stürme. Thema war auch die deutliche Ausdehnung der besonders geschützten Naturflächen, die in Zukunft knapp ein Drittel des Landes bedecken sollen.

Die Beamten sollen ein Beispiel geben

Im Alltag sollen die rund 2,4 Millionen staatlichen Angestellten in Sachen Ökologie mit gutem Beispiel vorangehen. Als Anreiz wird eine Prämie in Aussicht gestellt. So erhält jeder, der in Zukunft etwa mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, einen Mobilitätszuschlag von 200 Euro. Zudem sollen 500 neue Strom-Tankstellen finanziert werden. Dieses Mal präsentierte der Präsident also keine Überraschungen. Aus dem Élysée war zu hören, dass der Ministerrat für Umweltfragen dieses Mal eher an praktikablen, alltäglichen Lösungen mit einem langfristigen Effekt interessiert war.

Macrons Problem in den Umfragen

Doch auch hier erscheint der Präsident wie ein von Umfragen Getriebener. Im März stehen wichtige Kommunalwahlen ins Haus, die als entscheidender politischer Stimmungstest im Land gelten. Doch es sieht schlecht aus für Macron. Vor allem im alles überstrahlenden Paris liegt Benjamin Griveaux, der Kandidat der Präsidenten-Partei La République En Marche, aussichtslos zurück. Anne Hidalgo, die amtierende sozialistische Bürgermeisterin, punktet hingegen seit Monaten mit immer neuen und sehr konkreten Vorschlägen, wie die französische Hauptstadt grüner, ökologischer und für die Menschen lebenswerter gemacht werden könnte.

Der offensichtlich verzweifelte Benjamin Griveaux versuchte in diesen Wochen schließlich eine Art ökologischen Befreiungsschlag. Er präsentierte die Idee, den großen Bahnhof Gare de l’Est in der Innenstadt von Paris abzureißen und auf dem Gelände eine gigantische Parkanlage anlegen zu lassen. Die Reaktion bei den Wählern: ungläubiges Kopfschütteln und ein Absacken in den Umfragen.

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