In Marbach wurde eigens eine fair gehandelte Schiller-Schokolade auf den Markt gebracht. Foto: Archiv (Oliver von Schaewen)

Viele Kommunen im Landkreis Ludwigsburg haben sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Doch folgen den Worten tatsächlich auch Taten?

Die Artenvielfalt wird geringer, die Sommer werden heißer, das Wetter spielt zunehmend verrückt: Der Klimawandel lässt mit immer größerem Nachdruck grüßen. Damit wächst der Druck auf jeder politischen Entscheidungsebene, gegenzusteuern, auch bei den Kommunen. Doch sind die Signale der Zeit dort tatsächlich angekommen? Die Städte im Landkreis Ludwigsburg würden wohl sagen: ja – und beteuern, dass sie schon große Anstrengungen in Sachen Klimaschutz unternehmen.

 

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„Die Stadtverwaltung achtet in vielen Bereichen darauf, Ressourcen nachhaltig zu nutzen“, beteuert beispielsweise Lisa Herfurth, Pressesprecherin von Kornwestheim. Mitarbeiter der Kommune erhielten einen Zuschuss für ein ÖPNV-Ticket. Der Arbeitgeber schultere 80 Prozent der Kosten. „Die Stadt Kornwestheim führt außerdem für ihre Beschäftigten und Beamten im Laufe des Jahres 2022 das Fahrrad- und E-Bike-Leasing im Wege der Gehaltsumwandlung ein und übernimmt die Kosten für die bei jedem Leasingvertrag abzuschließende Vollkaskoversicherung“, ergänzt Herfurth. Weiter sei ein Großteil der kommunalen Liegenschaften an ein Fernwärmenetz angeschlossen. 20 Prozent der Mahlzeiten, die in den Kitas und Schulen serviert werden, stammten aus Bioprodukten. Ferner werde „bei bestehenden Gebäuden geprüft, ob eine Fotovoltaikanlage eingesetzt werden kann. So zum Beispiel bei dem Gebäude der Stadtgärtnerei, die bald in Betrieb genommen wird“.

Negativliste von Produkten

Ellenlang ist auch die Zusammenstellung, die Meike Wätjen schickt, um zu dokumentieren, dass bei der Stadt Ludwigsburg Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht bloß leere Worthülsen sind. Es gebe beispielsweise eine Negativliste mit Produkten und Dienstleistungen, die grundsätzlich auf dem Index stünden, also nicht beschafft werden, „da sie nicht mit ökologischen oder sozialen Mindeststandards für nachhaltige Produkte vereinbar sind“, erklärt die Pressesprecherin. Außerdem sei ein Arbeitskreis Nachhaltigkeit eingerichtet worden. Dort säßen Vertreter aller Dezernate und verschiedener Fachbereiche. „Durch Vernetzung und im regelmäßigen Austausch werden Grundsatzfragen, Projekte und Kooperationen der nachhaltigen Stadtentwicklung sowie das interne Nachhaltigkeitsmanagement vorangebracht“, erklärt Wätjen, was es mit dem Arbeitskreis auf sich hat.

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Ferner führe die Stadt einen Klima-Check ein. Mit diesem Instrument soll geprüft werden, welche Auswirkungen Vorhaben perspektivisch auf die Umwelt haben. „Die Testphase findet 2022 statt, später ist eine Ausweitung auf einen Nachhaltigkeits-Check angedacht“, berichtet die Pressesprecherin, die unter anderem noch auf die städtische Kantine hinweist, in der Wert auf regionale Produkte und Bio-Kost gelegt werde. Außerdem wird versucht, Mitarbeitern den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn sowie Fahrrad per Fahrtkostenzuschuss zu versüßen. Umgekehrt muss für die Nutzung von PKW-Parkplätzen eine Gebühr entrichtet werden. „Die Stadt Ludwigsburg setzt sich seit vielen Jahren für eine nachhaltige und integrierte Stadtentwicklung ein. Das bedeutet, dass ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit als Querschnittsthemen in alle Handlungsbereiche einfließen“, fasst Wätjen zusammen.

Fahrzeug-Flotte soll umweltfreundlicher werden

Ähnlich breit gefächert ist, was die Stadt Remseck zur Wahrung der Umwelt unternimmt. Für Dienstfahrten stünden mehrere Pedelecs bereit, der Fuhrpark werde nach und nach auf eine batteriebetriebene Flotte umgestellt, berichtet Pressesprecher Philipp Weber. Überdies regele man über Bebauungspläne, dass zwingend auf Solarthermie gesetzt werden muss. Die Kommune ermögliche es auch, mobil zu arbeiten, um Emissionen beim Weg ins Rathaus zu verhindern. Auf städtischen Immobilien werde zudem der Bau von PV-Anlagen forciert. Darüber hinaus strebe man an, bis 2040 klimaneutral zu agieren, was beispielsweise über Wohngebiete mit ausgeglichener CO2-Bilanz oder die Reduzierung von Wasserverlusten erreicht werden soll, erklärt Weber.

Nur Saft von heimischen Streuobstwiesen

In Marbach indes würden unter anderem umweltschonende Dämmstoffe verwendet, so dies technisch möglich ist, erklärte Bürgermeister Jan Trost nun im Verwaltungsausschuss. Zudem sei man auf „absolut nachhaltiges und ökologisches Papier umgestiegen“. Bälle für den Sportunterricht müssten unter gerechten Bedingungen hergestellt worden sein. Man kaufe auch Lebensmittel wie Zucker oder Kaffee im Marbacher Lädle ein, wo fair gehandelte Produkte erhältlich sind, betonte Hauptamtsleiter Jürgen Sack. Die Säfte stammten aus Früchten von heimischen Streuobstwiesen. Und was das geplante allgemeine Konzept für ein nachhaltiges Beschaffungswesen anbelangt, so hoffe man auf die Expertise des Klimaschutzmanagers, den man einstellen will.

Grosser Fuhrpark mit E-Vehikeln

Förderung
 Auch das Landratsamt Ludwigsburg bemüht sich, den Klimaschutz voranzutreiben. Man fördere beispielsweise ÖPNV-Monats- und Tagestickets der Mitarbeiter mit 75 Prozent, berichtet Pressesprecher Andreas Fritz. Im Fuhrpark stünden mittlerweile 36 Vehikel mit E-Kennzeichen, zehn Hybridfahrzeuge sowie sieben Pedelecs. Außerdem wolle man bis 2035 bei den eigenen Gebäuden eine Klimaneutralität erreichen.

Sanierung
 Im Rahmen eines Klimaschutzkonzepts habe man bei eigenen Liegenschaften auch Fassaden und Dächer energetisch sanieren lassen. Ferner sei der Anschluss an Nahwärmenetze erfolgt, die mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien betrieben werden. Überdies habe man bereits Stromerzeugungsanlagen bauen lassen und Beleuchtungen auf LED umgestellt. Hocheffiziente Heizungspumpen würden ebenfalls eingesetzt, um dem Klimaschutz Vorschub zu leisten.