Stuttgart will bis 2035 klimaneutral sein. Wenn man die Umstellung auf LEDs als Maßstab nimmt, sind Zweifel angebracht.
Gebäude und Straßenbeleuchtung einer Landeshauptstadt, das muss man zugeben, sind kein Treppenhaus in einem Zweifamilienhäuschen. Da tauscht man nicht mal eben alle Lampen aus. Und doch ist erschütternd, wie die nackten Zahlen aussehen: Nur knapp ein Fünftel der städtischen Gebäude ist auf die LED-Technik umgestellt, die massiv Energie spart und das Klima schont. Bei der Straßenbeleuchtung ist es ein Drittel – 13 Jahre nachdem man die neuen Lampen dort zum ersten Mal erprobt hat. Und das Planetarium bekommt jetzt nur deshalb LED-Lichtquellen für die Projektoren, weil es die alten Lampen nicht mehr gibt. Nicht etwa, um 40 Prozent Energie zu sparen. Dieser Effekt kommt gerade glücklicherweise zum richtigen Zeitpunkt dazu, nachdem ganz Deutschland über die Energiekrise infolge des Kriegs in der Ukraine diskutiert.
Natürlich ist die flächendeckende Umrüstung aufwendig und teuer, und es gibt jede Menge praktische Gründe, die den langen Zeitraum erklären. Doch wenn in Stuttgart für eines Geld da ist, dann ist es der Klimaschutz, spätestens seit Fritz Kuhns Sonderpaket in Höhe von 200 Millionen Euro. Seit damals hat der Gemeinderat sogar noch nachgelegt. Die Finanzen können also, wenn man es ernst meint, nicht der ausschlaggebende Grund sein. Wenn man das Schneckentempo bei den LEDs sieht, könnte man sarkastisch sagen: Wenn schon dieser ziemlich simple Schritt zum Energiesparen so lange dauert, nämlich Jahrzehnte, will man sich gar nicht ausmalen, was wohl bei komplizierteren Themen drohen könnte. Da dürften viele private Eigentümer der Stadt längst weit voraus sein.
Klar ist: Stuttgart muss Gas geben – nicht beim Heizen, sondern beim Energiesparen. In der Theorie ist der Gemeinderat da ganz vorne dabei. Erst jüngst hat man beschlossen, nicht erst 2050, sondern schon 2035 klimaneutral sein zu wollen. Das ist ein gewaltiges Ziel. Konzepte dafür sollen jetzt erst noch ausgearbeitet werden. Mal sehen, was in diesen weiteren 13 Jahren wirklich passiert. Vielleicht ist bis dahin wenigstens die Umrüstung der städtischen Beleuchtung auf LEDs abgeschlossen. Falls es diese Technologie dann überhaupt noch gibt.