Ein Luxus: Gut zwei Millionen private Pools soll es in Deutschland geben. Foto: Imago/bonn-sequenz

Wegen Wassermangels und der Klimakrise stehen private Pools in der Kritik. Dennoch ist die Nachfrage hoch. Ein viel beschäftigter Poolbauer aus dem Kreis Esslingen berichtet von Erfahrungen mit seinen Kunden und sagt: Pool ist nicht gleich Pool.

Wenn die Sommer immer heißer werden, steigt das Bedürfnis nach Abkühlung. Immer mehr Menschen lassen sich deshalb einen privaten Pool in den Garten bauen – vor allem zu Beginn der Coronapandemie, als der Garten einen ganz neuen Stellenwert bekam, sind die Zahlen gestiegen. Doch wie geht es angesichts der Diskussionen rund um die Klimakrise, den Wasserverbrauch und mögliche Verbote von Pools weiter?

 

Wie ist die Nachfrage nach Pools?

Seit Beginn der Coronapandemie ging die Entwicklung in nur eine Richtung: nach oben, sagt Alexander Fahrion, der Chef des gleichnamigen Garten- und Poolbauunternehmens in Notzingen (Kreis Esslingen). Im Sommer 2020 waren seine Auftragsbücher so voll wie nie. „Das ging in den Jahren 2021 und 2022 genauso weiter“, sagt er. In diesem Jahr spüre er erstmals wieder, dass die Nachfrage leicht zurückgehe, „aufgrund der bekannten Themen“. Damit meint er: die Inflation und die politischen Diskussionen rund um Wasserknappheit und mögliche Einschränkungen für private Pools. Dennoch sei die Nachfrage weiterhin hoch; derzeit etwa wieder auf dem Vor-Corona-Niveau, sagt er.

Nach Angaben des Bundesverbands Schwimmbad und Wellness gibt es 2,1 Millionen private Pools in Deutschland, zwei Drittel davon sind Aufstellbecken oder in den Boden eingelassene Freibäder. Angesichts von 18 Millionen Eigenheimen sieht der Verband noch großes Wachstumspotenzial.

Sind Poolfans verunsichert?

In jedem Gespräch mit Kunden seien die derzeit geführten politischen Diskussionen zu Wasserverbrauch durch private Pools ein Thema, sagt Alexander Fahrion. Allerdings sei Pool nicht gleich Pool: Die Bandbreite gehe von Naturpools bis hin zu High-Tech-Pools mit Chlor. Ähnlich wie bei Autos variieren Ökobilanz und Preise enorm. „Natürlich sind Pools immer ein Luxus.“ Aber den Menschen, die sich einen Pool wünschten, werde der ökologische Aspekt immer wichtiger, meint Fahrion. Und teilweise könnten bestehende Pools durch Überarbeitungen auch deutlich ökologischer gemacht werden.

Warum sind Pools problematisch?

Für den Bau eines Pools wird Fläche versiegelt, und es wird viel Wasser verbraucht, um ihn zu befüllen. Für einen größeren Pool mit acht Metern Länge, vier Metern Breite und 1,35 bis 1,50 Meter Tiefe sind 30 000 bis 48 000 Liter Wasser notwendig. Ein runder Pool mit 3,66 Metern Durchmesser benötigt rund 6500 Liter Wasser. Ist es heiß, verdunstet zudem mehr Wasser – und der Pool muss regelmäßig nachgefüllt werden. Zum Vergleich: Der Tagesbedarf einer Person liegt bei 125 Liter Wasser; also für Duschen, Händewaschen, Toilettenspülung, Geschirr- und Waschmaschine, Putzen sowie Essen und Trinken.

Früher war es klassischerweise so, dass im Frühjahr ein Pool mit Frischwasser befüllt und im Herbst das ganze Wasser abgepumpt wurde. Inzwischen gibt es auch Modelle, bei denen das Wasser den Winter über im Pool bleibt und im Frühjahr nur ein Teil nachgefüllt werden muss.

Ein Pool wird jedoch in der Regel erwärmt, und das Wasser muss aufbereitet werden, das kostet Energie. Dafür würden immer nachhaltigere Lösungen gefunden, sagt Alexander Fahrion: „Wir nutzen teils die Wärme der Haustechnik zur Erwärmung des Poolwassers oder prüfen, ob wir Solarmodule am Grundstück anbringen können.“

Kann ein Pool klimafreundlich sein?

Wenn sich jemand einen Pool bauen lässt und dadurch mehr Zeit im Garten verbringt, kann das einen positiven Effekt aufs Klima haben: „Der eine oder andere Urlaub findet nach dem Bau eines Pools eher im Garten statt“, sagt Alexander Fahrion. Womöglich wird dadurch also eine klimaschädliche Flugreise weniger pro Jahr gemacht.

Die Firma von Alexander Fahrion baut nicht nur Pools, sondern kümmert sich generell um Außenanlagen. „Wir versuchen dann, mit Grünflächen einen Ausgleich zum Poolbau zu schaffen.“ Und sie berieten die Kunden in puncto nachhaltige Pflanzen und Materialien, wie etwa regionale Natursteine oder Recyclingbeton. „Unser Ziel ist ein möglichst ökologisches Gesamtkonzept.“

Wo wurde der Wasserverbrauch eingeschränkt?

Laut dem deutschen Städte- und Gemeindebund haben im vergangenen Jahr rund 30 Landkreise in Deutschland durch Allgemeinverfügungen die Wassernutzung eingeschränkt oder Verbote ausgesprochen. In diesem Jahr waren es laut dem hiesigen Umweltministerium die Hälfte aller Landkreise in Baden-Württemberg.

Zudem haben einzelne Kommunen Regelungen erlassen: In Untereisesheim (Kreis Heilbronn) stand kurze Zeit ein Bauverbot für neue Swimmingpools zur Debatte, am Ende kam es nicht dazu. Stattdessen kann es die Kommune in den Sommermonaten verbieten, mehr als 300 Liter fassende Becken mit Trinkwasser zu füllen. Das Verbot umfasst auch die Bewässerung von Gärten – ausgenommen sind Gemüsebeete – sowie die private Autowäsche.

In Stuttgart wurde vom Linksbündnis – also Linke, SÖS, Piraten und Tierschutzpartei – vor kurzem ein ähnlicher Antrag gestellt.

In Königstein im Taunus (Hessen) wurde im Juni die Wasserknappheit ausgerufen, nun dürfen Pools mit einem Volumen von mehr als 25 Kubikmetern nicht mehr gefüllt werden sowie Rasenflächen über 200 Quadratmeter nicht mehr aus dem öffentlichen Netz bewässert. Es ist nicht der erste Sommer in Königstein, in dem diese Regeln gelten.

Auch im nordbayerischen Bad Könighofen wurde in diesem Sommer bereits zum wiederholten Male verboten, mit Trinkwasser Pools zu befüllen und Gärten zu bewässern. Auch in der Gemeinde Panketal nahe Berlin dürfen die Menschen von April bis September zwischen 17 und 21 Uhr nicht ihre Gärten bewässern und Pools befüllen. Eigentlich sollte die Regelung dafür sorgen, dass das Wasserwerk in Spitzenzeiten nicht überlastet werde, es führte aber auch zu einer Senkung des Wasserverbrauchs generell.

Sind die Bestimmungen in anderen Ländern strenger?

In Frankreich auf jeden Fall. Im Département Pyrénées-Orientales an der Grenze zu Spanien wurde bereits im Mai dieses Jahres in rund drei Viertel der Gemeinden das Befüllen von Pools sowie der Verkauf von aufstellbaren Schwimmbassins verboten. Auch den Duschen am Strand wurde das Wasser abgedreht, Gärten durften nicht mehr bewässert, Autos nicht mehr gewaschen werden.

Im Südosten Frankreichs, in den Départements Bouches-du-Rhône, Gard und Var, haben ebenfalls mehrere Gemeinden im Frühsommer Verbote erlassen. Die Gemeinde Callian hat für die kommenden fünf Jahre den Bau neuer Swimmingpools wegen Wassermangels verboten. Im vergangenen Sommer mussten 340 Gemeinden in Frankreich zeitweise mit Zisternenwagen versorgt werden.

Und wenn das Wasser nicht mehr reicht?

An heißen Tagen steigt der Wasserbedarf der Haushalte um 40 bis 60 Prozent, heißt es vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Das liegt freilich nicht nur an Pools, sondern auch an der Bewässerung von Gärten oder daran, dass Menschen öfter duschen.

In der neuen Wasserstrategie des Bundes vom März dieses Jahres heißt es, es sollen nun Leitlinien dafür entwickelt werden, wenn das Wasser nicht mehr für alle Nutzungen reicht. Auch das Land Baden-Württemberg arbeitet an Regeln. Die Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) betonte bereits, dass die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser vor allen anderen Nutzungen Vorrang haben werde.