Gelb und schwarz: Neues Symbol für die Stuttgarter Protestkultur Foto: Max Kovalenko

Eine Anti-Stuttgart-21-Demonstration am Samstag direkt vor dem Hauptbahnhof vereint die Montags-Demonstranten mit denen vom Freitag unter dem Aspekt des Klimaschutzes

Stuttgart - Der ziemlich große Platz für die Demonstranten gegen das Projekt Stuttgart 21 war gesperrt, also die komplette Fahrbahn Richtung Stuttgart-Nord und Stuttgart-West direkt vor dem Hauptbahnhof wie in Zeiten der großen Montagsdemonstrationen. Doch da hätten ruhig noch erheblich mehr Demonstranten kommen können, um diesen Platz zu füllen.

Von den Argumenten her haben die S-21-Gegner jedenfalls viel Verstärkung bekommen, das wurde schnell deutlich an diesem frühen Samstag-Nachmittag. Er kommt vor allem von der neuen Jugendbewegung Fridays for Future, also von den Schülern, die auch in Stuttgart jetzt Freitags immer auf die Straße zum Demonstrieren gehen statt in die Schule. Yvonne Sauter, eine der Organisatorinnen dieser Freitags-Aktionen, bekräftigte dies mit teils markigen Worten: „Dass es vor allem junge Leute sind, die das in ihrer Schulzeit machen, das erschreckt viele“. Aber das bedeute auch einen „Riesenschub“. Und für diese klare Argumentation und direkten Formulierungen bekommt sie viel Applaus.

Beste Noten für Stuttgarter Protestkultur

Der Umweltjournalist Franz Alt hätte sicherlich auch viel Applaus bekommen, doch krankheitsbedingt hat er kurzfristig seinen Stuttgarter Auftritt abgesagt. Immerhin: Er will dies bald nachholen. Und geht es nach seinem Grußwort, das der Moderator Matthias von Hermann von den Parkschützern vorlas, will er dies bald nachholen: Der Stuttgarter Protestkultur stellte er beste Noten und viel „demokratische Reife“ aus.

Dass der Gemeinderat der Landeshauptstadt erst an diesem Freitag eine Entscheidung zum Klimanotstand vertagt hat, war eine Steilvorlage für diese Veranstaltung: „Die Grünen hier bekommen etwas nicht hin, was die CDU in Konstanz geschaffen hat“, so von Hermann. Gemeint ist damit ein gesetzlicher Beschluss des Kommunalparlaments, künftig alle Entscheidungen unter dem Aspekt der Klimaverträglichkeit abzuwägen. Und „das aus den 1990er Jahren stammende S-21-Konzept ist zum Sinnbild einer destruktiven und rücksichtslosen, aus der Zeit gefallenen Wachstumspolitik geworden“, so Eisenhart von Loeper vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 dazu in einem Positionspapier. Begleitet von vielen Protestlauten, rechnet von Hermann vor dem Hauptbahnhof vor, was S 21 zusätzlich an Stromverbrauch, mehr Feinstaub, Stickoxid und mehr CO2 bedeutet. „Stuttgart 21 passt nicht in das 21. Jahrhundert“, so von Hermann, „dem Diesel-Fahrverbot müsste ein ICE-Fahrverbot in die Stadt folgen“.

So gesehen, scheint der Samstag künftig ein interessanter Tag zu werden, an dem sich die Montags- und die Freitags-Demonstranten erneut in der Stadt versammeln.

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