Der Mütterbrunnen vor dem Zuffenhäuser Rathaus spendet kein Trinkwasser mehr. Aus rund 100 der rund 250 Brunnen in Stuttgart kann man trinken. Foto: Chris Lederer

Das Klimapaket von Oberbürgermeister Fritz Kuhn sieht neben Trinkwasserspendern auch den Bau von acht Wasserspielen vor. Der Gemeinderat beschließt darüber im November.

Stuttgart - „Kein Trinkwasser!“ Das Schild am Zuffenhäuser Mütterbrunnen lässt keine Zweifel offen und warnt Durstige davor, vom dortigen Wasserspender leichtfertig einen Schluck zu nehmen. Seit der komplette Brunnen vor einiger Zeit an eine Umwälzpumpe angeschlossen wurde, fließt nur alle vier Wochen frisches Wasser ins Becken. Für den Treppenbrunnen, der nur einen Steinwurf entfernt ist, gilt das Gleiche. „Der nächste Trinkwasserbrunnen in Zuffenhausen ist der Silcherbrunnen“, sagt Brunnenmeister Bernd Sauer. Doch der liegt rund 700 Meter vom Rathaus entfernt.

Der örtliche Bezirksbeirat wünscht sich jedenfalls, dass es im Bezirk mehr Trinkwasserspender gibt. In ihrer jüngsten Sitzung haben die Lokalpolitiker die Stadtverwaltung um Mitteilung gebeten, an welcher gut frequentierten Stelle im Ort ein neuer Trinkwasserspender aufgestellt werden könnte. Auch im Feuerbacher Bezirksbeirat wurde jüngst ein ähnlich lautender Antrag thematisiert. Bezahlt werden mögen die Spender aus der zweckgebundenen Rücklage „Klimaschutz“; einem 190 Millionen Euro schweren kommunalen Klimaschutzpaket. Der Oberbürgermeister hat das Programm jüngst im Klimaausschuss des Gemeinderates vorgestellt, es wird derzeit in den Gremien beraten. Das Aktionsprogramm finanziert sich aus Überschüssen des Haushalts 2018 und soll am 7. November beschlossen werden.

Standard soll der „Stuttgarter Trinkbrunnen“ werden

Kuhns Aktionspaket sieht unter der Überschrift „Mehr blaue Infrastruktur“ tatsächlich auch den Bau von 20 neuen Trinkwasserspendern und acht Wasserspielen in der Stadt vor. „Um den weiteren Ausbau von Trinkwasserbrunnen zügig umzusetzen, entwirft das Tiefbauamt einen Standard für einen ,Stuttgarter Trinkbrunnen‘“, heißt es in der Beratungsvorlage. Dieser solle direkt an die Wasserleitung angeschlossen werden, die Stromversorgung soll über Fotovoltaik erfolgen. Die Trinkwasserbrunnen seien in erster Linie für die „Hotspots“ und bisher unterversorgte Stadtteile wie etwa den Westen vorgesehen. Geplant sei die Aufstellung von zunächst 20 Anlagen in den kommenden vier Jahren. In den folgenden Jahren solle die Zahl dieser Anlagen auf 50 erhöht werden.

„Die 20 Trinkwasserspender wären in der Stadtmitte vorgesehen und nicht explizit in Außenbezirken wie Feuerbach oder Zuffenhausen“, sagt Jürgen Mutz, zuständiger Leiter der Bauabteilung vom Tiefbauamt. Kosten für die 20 Spender, inklusive Personal: rund 1,2 Millionen Euro. Für die acht Wasserspiele sind weitere 3,4 Millionen Euro nötig.

Rund 100 von 250 Brunnen sind Trinkwasserbrunnen

„Es gibt im Stadtgebiet weit mehr Trinkwasserbrunnen als vielen Leuten bewusst ist“, erklärt Mutz. Aus etwa 100 der insgesamt rund 250 städtischen Brunnen könne man bedenkenlos trinken. 18 seien sogar aus besonders gesunden Mineralwasserquellen gespeist. „Aktuell haben wir eine Negativbeschilderung mit Warnschild. Wir sind aber dran, auch eine positive Beschilderung an denjenigen Brunnen anzubringen, aus denen man bedenkenlos trinken kann.“ Trinkwasser habe in Deutschland generell hohe Qualität. Als Betreiber der Brunnen habe die Stadt eine hohe Verantwortung und müsse regelmäßig kontrollieren und Proben nehmen: „Auf dem letzten Meter kann immer etwas passieren“, schildert Mutz: „Neulich hatte jemand in den Wasserauslauf eines Brunnens einen Holzstiel vom Speiseeis gesteckt – und so kam es zu einer Verkeimung.“ Was den Beschluss im Gemeinderat angeht, so hofft wohl auch Mutz auf ein positives Ergebnis: „Wir bauen gerne Brunnen – sie sind sehr beliebt!“

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