Wolfgang Schorlau Foto: dpa

Die Stuttgarter Verleger Michael Klett und Christian Rotta sowie der Schriftsteller Wolfgang Schorlau diskutierten im Literaturhaus über das Thema „Druck auf allen Seiten? Autoren und die Zukunft der Verlage“.

Stuttgart - Der Stuttgarter Verleger Michael Klett will Trost vermitteln in der munteren Diskussionsrunde im Literaturhaus: „Kein neues Medium hat bisher ein altes verdrängt.“ Allgemeines Grummeln ist die Folge. Ganz ohne Widerspruch wollen dies nicht alle der mehr als 150 Besucher hinnehmen in der Veranstaltung „Druck auf allen Seiten? Autoren und die Zukunft der Verlage“ auf Einladung des Wirtschaftsclubs. Denn was zuvor vom Podium zu hören war, kündete eher von Unsicherheiten, wie es in der Buchbranche weitergehen wird. Insofern war eine weitere Aussage von Klett: „Wir befinden uns mitten in einem Umbruch“, eine allgemeingültige Darstellung.

Mangels Perspektive nach vorn war der Blick auf den Stand der Dinge heute umso interessanter. Wolfgang Schorlau, der im November vergangenen Jahres seinen siebten Krimi mit seinem Privatermittler Dengler unter dem Titel „Der zwölfte Tag“ veröffentlichte, berichtet von seinen Ausflügen in elektronische Medien: „Mit meinem Lektor haben wir einmal besprochen, was im E-Book möglich wäre. Spielt die Handlung an einem realen Ort, könnte man dies entsprechend bebildern. Geht es wie hier um Massentierhaltung, könnte man Grafiken hinzufügen. Wir haben uns dagegen entschieden, schließlich wollen wir die Leser zu einem fiktionalen Traum verführen.“ Allerdings veröffentlicht er seine Recherchematerialien auf seiner Internet-Seite. Schorlau: „Das wird extrem gut angenommen“. Schorlau prangert die Zahlungsmodalitäten der Verlage an: „Beim Autor bleiben gerade mal fünf bis 15 Prozent vom Gesamtumsatz seines Buches. Das ist skandalös wenig. Würde ich meine Texte ins Internet stellen, blieben mir wohl 80 Prozent.“ Dennoch hält er am Verlagswesen fest: „Da gibt es Vertreter, die hoffentlich in den Buchhandlungen auch auf mein Buch hinweisen. Dann werden meine Lesungen koordiniert, und es gibt die Öffentlichkeitsarbeit. Das könnte ich selbst alles gar nicht leisten.“

Auf Schorlaus Vorwürfe ging Klett nicht direkt ein. Am Beispiel Schulbuch, dem mit Abstand wichtigsten Segment der Klett-Gruppe,verdeutlichte er, dass die Verlage auch weiterhin sehr viel Geld selbst benötigen. „Da sind nicht mehr die Bücher die zentralen Träger, sondern die zusätzlichen Materialien dazu, die wir den Schulen elektronisch zur Verfügung stellen“, so Klett. „Da haben wir in riesige Datenbänke investiert, die wir immer wieder vergrößern müssen.“ Seine Konkurrenz sieht er nicht mehr in den anderen Schulbuchverlagen, sondern in der Internet-Suchmaschine Google: „Da wird extrem viel Wissen gesammelt.“ Hier pflichtet ihm auch Christian Rotta bei. Der Verleger des Deutschen Apotheker-Verlags mit Sitz in Stuttgart ist in dieser Diskussionsrunde vor allem als Moderator engagiert, doch als Verleger zahlreicher Fachzeitschriften denkt er ähnlich wie Klett.

Beide treibt noch ein weiteres Szenario um: die Aufweichung des Urheberrechts und der Wegfall der Buchpreisbindung. Das könnte ein Resultat des geplanten Freihandelsabkommens zwischen Deutschland und den USA sein. Da sind sich alle drei auf dem Podium einig: Die Kultur muss bei dem Freihandelsabkommen komplett herausgenommen werden.

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