Entlarvende Wunde am Schädel: Martin Bringmann als Dorfrichter Adam Foto: Tobias Metz (cf)

Das Landestheater Tübingen präsentiert am 26. Februar in Fellbach Kleists Meisterwerk. Mit einer Comedy-Zuspitzung bleibt die Inszenierung erschreckend aktuell – und es ist Abiturthema.

Das könnte ein Abend werden, an dem deutlich mehr junge Menschen den Saal bevölkern als sonst bei derartigen Anlässen. Denn die Komödie „Der zerbrochne Krug“, die demnächst in Fellbach zu sehen ist, gehört nicht nur zu den beliebtesten Theaterstücken überhaupt und hat bis heute ihren festen Platz auf deutschen Theaterbühnen.

 

Vielmehr ist der Klassiker auch in den Lehrplänen der Schulen fest verankert. Und: Ab dem Jahr 2026 ist das Stück „länderübergreifendes Abiturthema“.

Provinzposse in Richtung Comedy zugespitzt

Darauf weist das Kulturamt Fellbach explizit hin, das die Inszenierung des Landestheaters Tübingen am Donnerstag, 26. Februar, um 20 Uhr in der Schwabenlandhalle präsentieren wird. Der Zuspruch aus Schülerkreisen wird wohl für volle Ränge im großen Hölderlinsaal sorgen.

Überdies verweist das Kulturamt noch auf einen weiteren Pluspunkt, der junge Menschen begeistern könnte. So heißt es in einer Kritik zur Inszenierung: „Gastregisseur Alexander Marusch hat die Posse um den Dorfrichter Adam noch ein bisschen zur Comedy zugespitzt.“

Heinrich von Kleists 1808 uraufgeführtes Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ um den Gerichtstag in Huisum und den Dorfrichter Adam, der über sein eigenes Fehlverhalten zu Gericht sitzen muss, zählt zu den beliebtesten Komödien der deutschen Theaterliteratur – und zu den hintersinnigsten. Motto: Der Richter als Täter.

„Erschreckende Doppelgesichtigkeit“: Machtmissbrauch im Fokus

Denn was mit viel Sprach- und Szenenwitz wie eine Provinzposse um Schuld, Lug und Betrug daherkommt, ist im Kern ein allgemeingültiges Lehrstück um Macht und Machtmissbrauch, das in Zeiten von „Fake News“ und „Me Too“ nichts an Relevanz verloren hat. „Martin Bringmann erschafft eine Figur von erschreckender Doppelgesichtigkeit“, heißt es in einer Besprechung über die Leistung des Hauptdarstellers.

Gut eine Dreiviertelstunde vor Beginn der Aufführung hält Christine Richter-Nilsson, Dramaturgin am Landestheater Tübingen, um 19.15 Uhr in der Schwabenlandhalle eine Einführung ins Stück und beleuchtet die Feinheiten der Inszenierung.