Die Kardiokapsel ist ein Zehntel so groß wie bisherige Herzschrittmacher. Foto: Hersteller

Am Uniklinikum Tübingen wurde jetzt die sogenannte Kardiokapsel – der kleinste Herzschrittmacher der Welt – implantiert. Diese kommt ganz ohne Drähte aus.

Tübingen - Rund 60 bis 80 Mal muss das Herz eines älteren Menschen pro Minute schlagen, um den Körper ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Wird es langsamer, droht Lebensgefahr – und eine Operation, bei der ein Herzschrittmacher eingesetzt wird.

Rund 75 000 Bundesbürgern passiert das jedes Jahr. Sie bekommen ein Streichholzschachtel großes Gerät in eine Gewebetasche unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Von dort aus führen spaghettilange Elektroden zum Herzen, die es mit kleinen Stromstößen stimulieren. Doch nicht immer passiert dies störungsfrei: Denn die langen Elektroden sind anfällig. Teils beklagen Kardiologen zudem, dass die Kabel auch bakterielle Infektionen begünstigen können.

Der neue Herzschrittmacher kommt ohne Kabel aus

Man könnte es daher schon fast als kleine medizinische Revolution bezeichnen, was am Montag in der Uniklinik Tübingen geschah: Dort wurde erstmals der kleinste Herzschrittmacher der Welt einem Patienten eingesetzt. Dieser ist nur noch ein Zehntel so groß wie die herkömmlichen Schrittmacher und kommt ganz ohne Kabel aus, sagt der Herzspezialist Jürgen Schreieck vom Team der Elektrophysiologie der Uniklinik. „Man kann ihn mit einer Vitaminpille vergleichen.“

Dieser wurde dem Patienten über die Leistenvene ins Herz manövriert und nahe der Herzspitze am Muskel befestigt. Die Widerhaken sorgen dafür, dass der winzige Schrittmacher an Ort und Stelle bleibt. „Durch diese minimalinvasive Methode komme es zu keinen Narben unter dem Schlüsselbein“, sagt Schreieck. Obendrein ist der Eingriff sehr viel schonender für den Körper. Mit zehn Jahren hält die Batterie des winzigen Schrittmachers genauso lange wie die des großen Bruders.

Die Kardiokapsel ist nur begrenzt einsatzfähig

Allerdings profitiert nicht jeder Patient, der einen Schrittmacher benötigt, von dieser medizintechnischen Neuerung: Das liegt zum einen an den Kosten in Höhe von mehreren tausend Euro, die von den Krankenkassen noch nicht übernommen werden.

Zum anderen kann die Kardiokapsel nur in der rechten Herzkammer stimulieren. Dies betrifft aber nur rund 20 Prozent aller Patienten. „Doch für diese begrenzte Gruppe stellt der Mini-Schrittmacher eine gute Alternative dar“, sagt Schreieck.

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