Neben den Etablierten schicken auch die Freien Wähler, Volt und die MLPD Direktkandidaten im Wahlkreis Böblingen ins Rennen.
Neben den Parteien, die bereits im Bundestag oder im Landtag vertreten sind, bewerben sich auch kleinere Parteien und politische Vereinigungen um Sitze im neuen Bundestag. Im Landkreis Böblingen sind dies die Freien Wähler, Volt und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD).
Die vorgezogene Bundestagswahl hat die kleinen Parteien unter Druck gesetzt: Normalerweise müssen sie bis zum 69. Tag vor der Wahl mehr als 2000 Unterstützungsunterschriften sammeln, um auf die Wahlzettel zu kommen. Doch wegen der vorgezogenen Wahl hat sich diese Frist verkürzt: den Parteien blieben deshalb nur 34 Tage Zeit, um die notwendigen Unterschriften einzureichen. Das ist nicht jeder kleinen Partei gelungen.
Die Freien Wähler sind in Bayern stark vertreten
Die Freie Wählern (FW) betrifft dies aber nicht. Für sie tritt der Böblinger Norbert Volz als Direktkandidat an. Auf der Landesliste der FW steht der Richter am Amtsgericht Leonberg auf Platz vier. Bei dieser Partei handelt es sich um eine Bundesvereinigung der Freien Wähler, nicht aber um die gleichnamige parteiunabhängige Gruppierung, die im Kreis in vielen Gemeinderäten und auch im Kreistag vertreten ist. Die Partei bezeichnet sich als „wertkonservativ und bürgerlich-liberal“. Sie ist besonders in Bayern stark vertreten, bekam 2023 bei der Landtagswahl 11,6 Prozent der Stimmen und stellt seit 2018 mit Hubert Aiwanger den stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister.
Bei der Europawahl war Volt vor allem bei jungen Wählern beliebt
Die Partei Volt bezeichnet sich selbst als paneuropäisch und schickt in Baden-Württemberg 29 Direktkandidaten ins Rennen. Für den Kreis Böblingen ist Hasso Kraus aus Herrenberg-Gültstein der Direktkandidat der Volt-Partei. Der Kreisrat ist bei den Kommunalwahlen im Juni 2024 über eine Gemeinschaftsliste von ÖDP und Volt in den Kreistag eingezogen. Bei der Europawahl 2024 verbuchte Volt vor allem bei jungen Wählern große Stimmenzuwächse. Auf diesen Trend wird der im Kreistag vertretene kaufmännische Angestellte wohl auch dieses Mal hoffen.
Die MLPD wird vom Verfassungsschutz beobachtet
Für die MLPD geht die ehemalige Betriebsrätin Johanna Jäckh-Vermeulen als Direktkandidatin auf Platz zwölf der Landesliste ins Rennen. Die MLPD ist eine kommunistische Partei, die 1982 aus dem Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) hervorging. Sie versteht sich als revolutionäre und radikal linke Alternative zu anderen politischen Kräften. Die MLPD wird vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft und beobachtet. Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte die MLPD weniger als 0,1 Prozent der Stimmen.
Der Partei werden fehlende Unterschriften zum Verhängnis
An den Unterstützerunterschriften gescheitert ist Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (kurz Die Partei). Sie ist eine deutsche Kleinpartei mit satirischem Charakter und wurde 2004 von Mitarbeitern des Satiremagazins „Titanic“ gegründet. Ursprünglich hatte für den Kreis Böblingen Frank Martin Eisele den Hut in den Ring werfen wollen. Die ist nun jedoch nicht geglückt. Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte Die Partei ein Prozent der Stimmen.
Die Sindelfingerin Friedhild Miller kandidiert bei der Bundestagswahl
Da der Landeswahlausschuss die Landesliste der Partei mit dem Namen Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer nicht zugelassen hat, steht auch der Wahlkreisbewerber Serdar Şevik trotz Zulassung im Wahlkreis nicht zur Wahl.
Auf den Stimmzettel geschafft hat es allerdings die Böblingerin Friedhild Miller. Die 55-Jährige macht wieder das, was sie am liebsten tut: Sie kandidiert – diesmal bei der Bundestagswahl. Bereits 2017 und 2021 trat sie als Einzelkandidatin im Wahlkreis Böblingen an. Bisher war ihr Erfolg allerdings überschaubar. 2017 kam sie auf 0,5 Prozent der Erststimmen, 2021 nur noch auf 0,1 Prozent.