Kleinkunstabend in Korntal-Münchingen Ein Schnelldurchlauf durch die Kleinkunst

Von Stefanie Köhler 

Musik, Tanz, Jonglage, Akrobatik, Zauberei: Beim Komüka-Talentabend ist fast jedes Genre dabei.

Korntal-Münchingen - Manche Zuschauer saugen hörbar Luft ein. Was sie auf der Bühne im Münchinger Widdumhof sehen, sehen sie nicht alle Tage: Der Akrobat Jesse Suttles (22) hält mit den Händen seine Partnerin Paula Passenheim (19) in die Höhe. Sekundenlang steht die junge Frau, die nicht einmal 50 Kilogramm wiegt, barfuß und kerzengerade über Suttles Kopf. Das Publikum in den vorderen Reihen erkennt, wie sehr Suttles Arme vor Anstrengung zittern. Mit tosendem Applaus zollen die Zuschauer den Kraftakrobaten ihren Respekt. Bis zu fünf Stunden täglich trainieren die zwei. Sie gehen auf die Artistenschule in Gschwend (Landkreis Lörrach), wo sie ihre dreijährige Berufsausbildung absolvieren. Sie sind im zweiten Lehrjahr. Für den Besuch der Artistenschule hat Suttles seine Heimat Kentucky in den USA verlassen.

Später setzen so viele Zuschauer ihr Kreuzchen vor den Programmpunkt des Artistennachwuchses wie vor sonst keinen anderen: Passenheim und Suttles gewinnen damit beim Talentabend des Vereins Komüka den ersten Preis. Komüka steht für die Stadtteile Korntal, Münchingen und Kallenberg.

Erfolg für alle Beteiligten

Auch beim mittlerweile 23. Kleinkunstabend erwartet die Zuschauer eine Art Schnelldurchlauf durch viele Richtungen: Neben Akrobaten treten Musiker ebenso auf wie Tänzer, Zauberer und Jongleure. Jonglage, das ist die Spezialität des Diabolo-Künstlers Stefan Bauer. Der gebürtige Stuttgarter begeistert mit dem gelben Spielgerät, das er flink übers Seil jongliert und in die Luft wirft. So sehr, dass er den zweiten Platz belegt. Den ruhigsten Auftritt hat der Kornwestheimer Zauberer Hans-Peter Hurth alias Hape. Als Kunstexperte zeigt er, wie mit dem Apparatus Compositionem, eine Kompositionsmaschine, das „Maritime Stillleben“ des Malers Ari van Delft entstanden ist. Trotz diverser Änderungswünsche des Auftraggebers passt das Gemälde auf wundersame Weise immer in den Rahmen. Mit dem Programm, das er zehn Monate lang einstudiert hat, gewinnt Hape den dritten Preis.

Plattform für den Nachwuchs

Für die Sieger war der Samstagabend ein voller Erfolg. Für den Verein Komüka war er das auch. Wieder einmal. „Seit einigen Jahren ist der Talentabend immer ausverkauft. Das passiert jedes Jahr früher“, sagt der zweite Vorsitzende Rolf Spinner. Alle 270 Karten waren in diesem Jahr bereits zwei Wochen nach dem Start der Werbung und des Vorverkaufs am ersten Schultag im September weg. „Der Kleinkunstabend hat sich längst über die Region hinaus herumgesprochen“, sagt Spinner. Was früher ein Geheimtipp war, wurde mit der Zeit immer größer, anspruchsvoller und professioneller, ergänzt Ella Hornung.

Die 87-Jährige gründete Komüka vor 23 Jahren. Mitte der 1990er Jahre wurde im Gemeinderat der Kulturetat gekürzt. Also beschloss die damalige Gemeinderätin Hornung, die Kulturszene in Korntal-Münchingen in Eigenregie zu bereichern. Bis Januar war sie die erste Vorsitzende, nun hat Hornung das Amt an Martin Schmid abgegeben. Als Ehrenvorsitzende bleibt sie dem Verein aber weiterhin treu.

Treu bleibt der Verein auch seinem Vorsatz, vor allem dem Nachwuchs eine Plattform zu bieten. Etwa den Hip-Hoppern aus dem Ditzinger Stadtteil Hirschlanden. Die Mädchengruppen EXP und EXP Junior heizten dem Publikum ein. Dass sie „Hip-Hop aus Leidenschaft“ tanzen, spüren auch die Zuschauern in den letzten Reihen.

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