Aus ihrem Gelände hat Familie Löffler ungeplant einen kleinen Streichelzoo gemacht. Kinder erleben hier hautnah die Natur - füttern Ziegen und spielen im Matsch.
Neben einem knisternden Lagerfeuer nimmt eines der freilaufenden Hühner gerade ein Sandbad. Der Sohn der Familie Löffler hackt unter einem weißblühenden Baum Holz. Schmale Trampelpfade führen zu den weitläufigen Tiergehegen. Wo? Auf dem Ziegenstückle in Reichenbach - pure Bauernhofromantik am Ortsrand der kleinen Gemeinde. Was mit privater Tierhaltung begonnen hat, hat sich zu einem kleinen Streichelzoo entwickelt, der als echter Geheimtipp unter Familien gilt. „Geplant war das so nie. Es ist alles zu uns gekommen“, erzählt Inhaber Thomas Löffler, der das Gelände zusammen mit seiner Frau Tina von der Gemeinde gepachtet hat.
„Durch Mund-zu-Mund-Propaganda hat sich das herumgesprochen. Im vergangenen Jahr nach dem Besuch einer Influencerin ist das irgendwie eskaliert“, erzählt der 46-Jährige, der als Klassenlehrer an einer Waldorfschule arbeitet. Teilweise würden bei schönem Wetter mehr als 100 Besucher kommen. Immer mittwochs – und ab April auch samstags – dürfen alle für den Eintrittspreis von drei Euro das Stückle der Familie für ein paar Stunden besuchen.
Verdienen würde die Familie nach eigenen Angaben daran nichts, das Geld fließe in den Unterhalt der Tiere und in den Erhalt des Geländes. Vor allem für Kinder ein Erlebnis, da man die Gehege von Ziegen und Schafen betreten und die Tiere füttern darf. Die Tiere scheint das zu freuen. Tritt man durch das Törchen, kommen sie neugierig angelaufen. Von Scheu keine Spur. „Wir haben nur eigene Nachzuchten, damit sie von klein auf an Menschen gewöhnt sind“, sagt Thomas Löffler – zudem würden sie natürlich genau wissen, dass sie von Besuchern gefüttert werden.
In Reichenbach lernen sich Tier und Kind kennen
Offiziell ist das Ziegenstückle ein Streichelzoo, aber man sieht und fühlt, dass hier in erster Linie die Familie in ihrer Freizeit mit den Tieren zusammen lebt. Ihr „Hobby“, wie sie es nennen, will die Familie mit anderen teilen. Man spürt förmlich, wie Thomas Löfflers Pädagogenherz höherschlägt, wenn er von den Kindern erzählt, die zu Besuch kommen: „Es ist einfach toll, wenn ein Kind, das im rosa Tutu das Gelände betritt, sich anfangs vor den Tieren fürchtet, aber schon nach ein paar Stunden in einer Matschpfütze sitzt.“ Das sei es auch, was sie antreibe. Die Kinder werden ermutigt, Natur zu erleben, ganz nah an die Tiere ranzukommen, zu begreifen, was es bedeutet, sich um sie zu kümmern.
„Geplant war das so nie. Es ist alles zu uns gekommen.“
Thomas Löffler über die Entwicklung des Ziegenstückles
Wie kam es dazu? Angefangen habe alles mit Tina Löfflers Wunsch nach einem Huhn. Aber das Gelände würde heute natürlich nicht den Namen Ziegenstückle tragen, wenn es dabei geblieben wäre: „Es wurden immer mehr Tiere“, sagt Thomas Löffler. Heute leben hier Rinder, Schafe, Schildkröten, Hühner und natürlich Ziegen. Ein Bekannter der Familie bringt an diesem Tag noch Gänseeier vorbei, die im Inkubator ausgebrütet werden.
Der Streichelzoo bedeutet viel Arbeit für die Familie
Vor mehreren Jahren hätten sie den Kindergeburtstag ihres Sohnes dort ausgerichtet, das sei so gut angekommen, dass auch andere Eltern angefragt hätten. Auch sonst kamen die Kinder aus dem Ort gerne dorthin. 2018 fiel dann die Entscheidung, ein Gewerbe anzumelden. „Wir haben gedacht, wir sind mittwochs sowieso immer da, dann wird das unser Öffnungstag“, sagt Thomas Löffler. Seitdem bieten sie neben den Öffnungstagen auch Kindergeburtstage, Spaziergänge mit den Tieren und weitere Naturerlebnisse an.
Wie viel Zeit sie mit der Arbeit hier verbringen? „Die bessere Frage wäre: Wie viel Zeit nicht?“, kontert Tina Löffler (43) und lacht. „Wenn das Wetter gut ist, müssen wir das ausnutzen und sind dann immer hier.“ Durch die Unterstützung der weiteren Familie und durch Freunde könnten sie aber auch mal in den Urlaub fahren. Seit 2020 steht auf dem Gelände zudem ein Naturkindergarten, bei dem Tina Löffler angestellt ist. Eigentlich ist sie gelernte Tierarzthelferin, inzwischen bringt sie den Kindern den richtigen Umgang und die Pflege der Tiere bei.
Lämmchen im Ziegenstückle
Trotz aller Freude darüber, dass ihr Stückle bei den Menschen so gut ankommt: Vergrößerungspläne haben sie nicht. Das habe auch mit dem Schutz der Tiere zu tun, der ihnen sehr am Herzen liege. Längere Pausen zwischen den Öffnungstagen seien wichtig, damit die Tiere nicht überfordert werden. Zudem bestehe die Gefahr der Überfütterung. „Die Leute wissen das, was wir hier anbieten, zu schätzen und sind vorsichtig mit den Tieren“, sagt Thomas Löffler.
Zur Sicherheit stehe in jedem Gehege immer ein Helfer, um das zu überwachen. Auch regelmäßige Besucher würden mit ein Auge darauf haben, dass beispielsweise den Hühnern nicht hinterhergerannt wird. „Wenn es ihnen zu viel wird, haben sie genügend Platz, um sich zurückzuziehen“, sagt Löffler. Schon bald wird der Andrang auf dem Stückle wohl noch größer werden: „Die Schafe sind gerade hoch tragend. Die Lämmchen kommen vermutlich um Ostern auf die Welt“, verrät Tina Löffler.
Das Wichtigste auf einen Blick
Öffnungszeiten
Das Ziegenstückle hat immer mittwochs von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet – ab April auch samstags. Einzelkarten kosten 3 Euro, Familienkarten 10. Am Samstag, 4. April, findet dort von 15 bis 19 Uhr ein Osterfeuer statt.
Anfahrt
Das Gelände hat keine eigene Adresse. Es befindet sich in Reichenbach an der Fils, unterhalb des Schafhauses und des Natur- und Waldkindergartens – dort, wo die Weinbergstraße, die Danziger Straße und die Straße In den Bergteilen aufeinandertreffen.
Weitere Angebote
Ein Besuch außerhalb der Öffnungszeiten ist ebenfalls buchbar, das kostet 20 Euro. Zudem gibt es Schafwanderungen, Ziegen-Trekking, Kindergeburtstagsangebote und Ferienbetreuung. Alle Preise und weitere Informationen gibt es online unter: www.dasziegenstueckle.com