Kleiner Schlossplatz Viel Beton, Skater und Pauls Boutique

Von Uwe Bogen 

Das Stuttgart-Album lädt zur Zeitreise in die jüngere Vergangenheit der Stadt ein. Für unsere Serie Leserin Gisela App Ansichtskarten aus dem Nachlass ihrer Schwiegermutter geschickt – Fotos vom Kleinen Schlossplatz in den 1970ern.

Stuttgart - Die Geschichte des Kleinen Schlossplatzes ist eine Geschichte der Emotionen. Vor dem Bahnprojekt Stuttgart 21 ist über kein anderes Thema in dieser Stadt so heftig gestritten worden. Es schien, als würden die stadthistorischen Erbanlagen für ein ewiges Trauma sorgen, als sei die Mitte der Königstraße zum Provisorium verdammt. Hart umkämpft war jeder Schritt von der Ruine des Kronprinzenpalais bis zum rundum verglasten Kunstmuseum.

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Unsere Leserin Gisela App hat nach dem Tod ihrer Schwiegermutter eine Kiste mit alten Ansichtskarten aus Stuttgart gefunden, die aus den 1970ern stammen. Der Kleine Schlossplatz wurde damals dominiert von Beton. Autos und Straßenbahnen fuhren auf der Königstraße. Auf den alten Fotos sieht man vor dem Aufgang zum Kleinen Schlossplatz einen alten Torbogen, der vom Kronprinzenpalais stammt, das an dieser Stelle stand. Kronprinz Karl lebte dort mit seiner Frau Olga bis ins Jahr 1864, ehe er König wurde.

Skater in den Tunnelröhren

Nach dem Bombenangriff des Zweiten Weltkriegs blieben die Außenmauern erhalten – ein Wiederaufbau wäre möglich gewesen. Doch OB Arnulf Klett wollte den Verkehrsweg in den Westen öffnen. Nach langem Streit wurde das Palais 1965 abgerissen. Über den Verkehrsknotenpunkt stülpten die Architekten einen Deckel, den sie „Stadtbalkon“ nannten. 1977, als die Königstraße zur Fußgängerzone wurde, entstand eine merkwürdige Situation. Die Fahrspuren mit ihren Eingangslöchern blieben unter dem Betondeckel verwaist, der damit seinen Sinn verlor. Der Kleine Schlossplatz wurde zum Treff der Skater. Rollende Bretter rasten in die leeren Tunnelröhren.

1992 kam dem Architekten Walter Belz die geniale Idee, eine 30 Meter breite Freitreppe von der Königstraße hoch zur Betonplatte zu bauen. Die wurde zur Internationalen Gartenschau (Iga) im Jahr 1993 fertig – mit überwältigendem Erfolg. Die Menschen in Stuttgart hatten einen neuen Lieblingsplatz. 2002 kamen die Bagger. Die Freitreppe musste für das Kunstmuseum weichen, das 2005 eröffnet wurde. Es entstanden neue Stufen, die kleiner und etwas zurückversetzt sind. An die alte Freitreppe erinnern sich noch immer viele gern. Kaum war sie auf der Facebook-Seite des Stuttgart-Albums zu sehen, klickten in der ersten Woche bereits 63 000 Menschen darauf.

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