Skater auf dem Kleinen Schlossplatz in: Wenn sie landen, wird es laut. Foto: Matthias Somberg

Coole Typen auf schnellen Brettern sieht man trotz Verbot häufig auf dem Kleinen Schlossplatz in Stuttgart. Viele faszinieren die waghalsigen Tricks. Für Büroangestellte und das Kunstmuseum ist das Treiben zu laut.

Stuttgart - Während auf dem Kleinen Schlossplatz die Passanten mit großen Augen den Skatern nachschauen, ist das Vergnügen im Kunstmuseum getrübt. „Die Skater stellen unbestreitbar eine Lärmbelästigung dar“, sagt Ulrike Groos, die Leiterin des Kunstmuseums. Trotzdem habe es keine Beschwerden der Besucher gegeben. Seit Ende Februar ersetzt eine Betondecke das defekte Glasoberlicht des Museums – direkt über den unterirdischen Ausstellungsräumen. Einige Male habe man mit Skatern gesprochen. „Die meisten wussten gar nicht, dass sich unter dem Platz das Museum befindet, haben aber ganz verständnisvoll reagiert“, so die Leiterin.

Wer sich oben umschaut, versteht, wie der Krach entsteht. Es sind nicht die kleinen Räder, die über den Platz rollen. Es sind die Sprünge und Tricks, die meist eine laute Landung nach sich ziehen – egal, ob sie gelingen oder nicht. Die Skater können verstehen, dass es manche stört. „Es kamen auch schon Leute zu uns und haben sich beschwert“, sagt einer von ihnen. Allerdings sind es keine Kunstinteressenten, sondern die Mitarbeiter der umliegenden Büros. Deswegen würden manche Skater darauf achten, erst am Abend zu fahren, wenn die Büros leer sind. „Es fehlen einfach gute Alternativen“, sagt er. Der zentrale Ort sei natürlich ein idealer Treffpunkt. Ob das Fahren allerdings auf dem Kleinen Schlossplatz erlaubt ist, weiß der Skater nicht: „Es fährt einfach jeder hier.“

Skateboardfahren verboten

Wer genau hinschaut, kann drei Schilder mit Verbotshinweis entdecken. „Das Befahren des Platzes mit Skateboards ist ausdrücklich verboten“, sagt auch der Leiter der städtischen Verkehrsbehörde, Bernd Eichenauer. Dass dort trotzdem gefahren wird, sei allerdings bekannt. Derzeit plane man trotzdem keine verstärkten Kontrollen. „Der städtische Streifendienst und die Polizei wissen Bescheid und schauen bei ihren Rundgängen immer wieder am Platz vorbei“, sagt Eichenauer. Man beobachte die Situation.

Besonders das Unfallrisiko beschäftigt Bert Schlichtenmaier von der Galerie Schlichtenmaier. „Grundsätzlich finde ich es gut, dass der Platz so belebt ist“, sagt der Galerist. Er befürchtet, dass es zu Unfällen kommen kann. Voraussetzung für die Nutzung sei also eine umsichtige Fahrweise: „Nichts soll kaputtgehen und niemand soll zu Schaden kommen.“

Groos will eine Lösung durch Kommunikation

Museumsleiterin Ulrike Groos hat ebenfalls nichts gegen die Skater. Sie sind ihrer Meinung nach Teil des urbanen Lebens. Durch die Umbauarbeiten am Kleinen Schlossplatz und den Neubau des Kunstmuseums sind die Tunnelröhren verschwunden, die zuvor von den Skatern genutzt wurden. Im Jahr 2012 gab es neun Wochen lang auf dem Schlossplatz eine benutzbare Skulptur in Form einer Skaterrampe von Künstler Michel Majerus. Das Museum habe damit die Skater einladen wollen.

Das Problem will die Leiterin jetzt im Gespräch mit den Skatern und der Stadt lösen. „Wir müssen zunächst zusammen mit der Stadt klären, ob der Bodenbelag und die dort eingelassenen Leuchtröhren diese Belastung auf Dauer aushalten“, sagt sie. Wenn das der Fall ist, könnte man in Absprache mit der Stadt das Skaten außerhalb der Öffnungszeiten des Museums erlauben. Falls der Platz baulich nicht dafür geeignet ist, müsse man einen anderen Weg gehen. Weil der Grund der Stadt gehört, wird die aber das letzte Wort bei den Verhandlungen haben. Vielleicht könnte es dann bald ganz ruhig werden auf dem Kleinen Schlossplatz.

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