Die Liststraße mit ihren Cafés, Lokalen und Geschäften ist bereits jetzt ein beliebter Ort in Stuttgart-Süd, insbesondere an sonnigen Tagen. Foto: Archiv/Georg Friedel

Seit über einem Jahrzehnt setzen sich Anwohner im Stuttgarter Lehenviertel für mehr Grün und Aufenthaltsfläche in der Liststraße ein. Nun wird der verkehrsberuhigte Abschnitt Realität.

Vor mehr als zehn Jahren hatten Menschen aus dem Stuttgarter Lehenviertel die Idee, mehr zu machen aus der Liststraße, an der sie wohnten oder arbeiteten. Sie träumten von breiteren Gehwegen, mehr Bäumen, mehr Sitzgelegenheiten. Berthold Stelzer, der damals die Hubertus-Apotheke führte, gehörte zu jenen Menschen, genauso der Ende letzten Jahres verstorbene Architekt Heinz Lermann, der damals eine erste Skizze für „Klein-List“ erstellte.

 

Später arbeitete Lermanns Frau, Petra Zeese, ebenfalls Architektin und Stadtplanerin, mit ihrer Kollegin Heike Buff an den Entwürfen weiter. Sie kamen in den Bezirksbeirat Stuttgart-Süd, ernteten dort überwiegend Zustimmung, sollten eigentlich weiter in den Gemeinderat, doch das Thema verlor sich in kommunalpolitischen Prozessen, wurde immer wieder verschoben. Bis jetzt.

Denn nun hat der Gemeinderat die Pläne zur Aufwertung der Liststraße abgesegnet, 2028 soll „Klein-List“ Realität werden – durch insgesamt knapp 1,5 Millionen Euro aus dem Stadtplanungsamt und dem Tiefbauamt. Zwischen Strohberg und Römerstraße soll es durch 16 neue Bäume grüner und schattiger werden. Es wird neue Sitzgelegenheiten geben und die Möglichkeit für Außengastronomie. Zudem sind Abstellflächen für E-Scooter, zwei für Motorräder, eine für Lastenräder und zwei für Fahrräder angedacht. 26 von 34 Auto-Parkplätzen fallen weg, zwei für Carsharing kommen dazu.

Antrag zu Ausdehnung von Tempo 20

Die schmale Pelargusstraße wird künftig eine Einbahnstraße in Fahrtrichtung Filderstraße sein. Um ihre Einmündung entsteht ein verkehrsberuhigte Geschäftszone, in der die Fahrbahn an die Höhe des Gehwegs angepasst wird. Die Trottoirs außerhalb dieses Kernbereichs werden ebenfalls verbreitet, die Fahrbahn wird hier aber nicht erhöht. Hier soll weiter Tempo 30 gelten. Das irritiert die Stadträte der Gruppierung PULS. Wieso kein verkehrsberuhigter Bereich auf ganzer Länge zwischen Strohberg und Römerstraße? Die Stadt prüft nun, ob sich das machen lässt. Die Räte stimmten der potenziellen Änderung bereits im Voraus mehrheitlich zu – vorausgesetzt, sie lässt sich einfach und schnell umsetzen.

Ebenfalls offen ist noch, ob die Bäume Teil eines innovativen Rigolensystems sein werden (Prinzip Schwammstadt). Fest steht, dass Regenwasser von den Gehsteigen in die ebenerdigen Pflanzbeete geleitet werden soll.

„Das ist ein ganz arg wichtiges Projekt für den Stadtbezirk“, sagt Bezirksvorsteher Jonathan Makurath (SPD). Nicht nur der Bezirksbeirat, sondern auch Gewerbetreibende und die Mehrheit der Anwohner befürworten demnach „Klein-List“. Jonathan Makurath, Petra Zeese und der Bezirksbeirat Reinhard Otter (Grüne) freuen sich, dass es nun, nach mehr als zehn Jahren Vorgeschichte, losgehen kann. Sie blicken gespannt – und genau – auf die Umsetzung. „Das muss nicht teuer sein, aber gut“, betont Petra Zeese. Es handle sich um keine klassische Straßenbaumaßnahme, sondern um eine Gestaltungsmaßnahme. „Eigentlich müsste das Grünbauamt da mitwirken.“ Soll heißen: Es ist wichtig, wie das Ganze letztlich aussieht. Der Bezirksbeirat, sagt Makurath, werde den Umbau deshalb konstruktiv begleiten.

Der Wegfall der Parkplätze war immer wieder auf Kritik gestoßen, etwa vonseiten der FDP-Fraktion im Gemeinderat, die prüfen lassen wollte, ob nicht das Land die Kosten „für das Projekt der Kategorie ‚Wir erzwingen autofreie Innenstadt‘“ übernehmen könnte (Antrag abgelehnt). Zuletzt fragten die Freien Wähler bei der Stadtverwaltung nach, ob man als Kompensation senkrechte oder schräge Parkplätze in der Liststraße einplanen könnte. Doch laut Stadtverwaltung ist beides nicht umsetzbar. Das Problem bei den Parkformen, auch wenn es sie an anderer Stelle in der Liststraße gibt: Solche Parkplätze müssen mittlerweile länger und breiter geplant werden als früher, um den größeren Autos gerecht zu werden, und brauchen dadurch mehr Platz als vorhanden ist.

Bezirksbeirat Otter verweist auf das wachsende Carsharing-Angebot von Anbietern wie Stadtmobil. Laut einer Studie reduzierten 60 bis 80 Prozent der Carsharing-Nutzer die Zahl der Fahrzeuge in ihrem Haushalt. Die Zulassungsstatistik für den Stuttgarter Süden zeige, dass die Zahl der Fahrzeuge seit dem Jahr 2016 fast durchgängig sinke. Die Stadtverwaltung spricht von acht bis zehn Autos, die ein Carsharing-Fahrzeug erfahrungsgemäß ersetzen könne.