Elisabeth Gekeler (l.) und Inga Ritter organisieren die Kleidertauschparty in Sillenbuch. Foto: Caroline Holowiecki

Am 13. April findet in Stuttgart-Sillenbuch die erste Kleidertauschparty statt, bei der Blusen, Kleider und Hosen kostenlos die Besitzer wechseln sollen. Die beiden Macherinnen wollen ein Zeichen gegen Verschwendung setzen.

Sillenbuch - Wow, diese Jacke muss ich haben! Jeder kennt sie: Impulskäufe. Ebenso kennt jeder aber auch Schrankleichen, also Kleidung, die auf den zweiten Blick doch nicht so cool ist und einfach nicht getragen wird. Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace hatten 2016 die Deutschen rund 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in ihren Schränken, doch 40 Prozent davon würden selten oder nie genutzt. Und landeten irgendwann im Müll.

Inga Ritter, selbst Greenpeace-Mitglied, kennt solche Zahlen. „Ein Erwachsener kauft pro Jahr im Schnitt 60 Oberbekleidungsstücke. Jugendliche noch mehr“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Sie will etwas dagegen tun. Gemeinsam mit der Kirchengemeinderätin Elisabeth Gekeler organisiert sie die erste Sillenbucher Kleidertauschparty. Die steigt am Samstag, 13. April, im evangelischen Gemeindehaus am Gosheimer Weg. Das Prinzip ist simpel: Jeder kann zwischen 10 und 12 Uhr bis zu zehn gewaschene und makellose Stücke abgeben und ab dem Mittag ungefähr genauso viele Teile kostenlos mitnehmen. Ab 15 Uhr ist dann der Kehraus, sagt Elisabeth Gekeler. „Dann kann jeder irgendwas mitnehmen, auch wenn er nichts gebracht hat.“ Was auch dann nicht wegkommt, wird einem karitativen Zweck zugeführt. Die Klamottenfete richtet sich an Frauen und Männer. Nicht angenommen werden Kindersachen, Unterwäsche, Schuhe und Sportkleidung.

Altkleidercontainer quillt jede Woche über

Den Frauen geht es um mehr als ums reine Ausmisten. Sie wollen ein Zeichen setzen. „Wir müssen aufhören mit dem Wahnsinn des Verschwendens und des Konsums“, sagt Inga Ritter. Für die Produktion von Kleidung würde viel Wasser verwendet, außerdem kämen massig Chemikalien zum Einsatz. Auch prangert sie die oftmals unwürdigen Produktionsbedingungen in Ländern wie Kambodscha, China oder Bangladesch an. „Billige Kleidung? Das hat ein anderer bezahlt“, mahnt Inga Ritter. Dass Kleidung heute oft reine Wegwerfware ist, sieht Elisabeth Gekeler täglich. Vor ihrem Wohnhaus steht ein Altkleidercontainer. „Er quillt jede Woche über“, sagt sie.

Das Duo will den Wert von Kleidung in den Mittelpunkt stellen – und das mit Spaß. Die Kleidertauschparty in Sillenbuch soll mit Kaffee, Kuchen und Sekt zum Event werden. „Das soll Stil haben. Jeder kann sich kreativ beteiligen“, sagt Inga Ritter. Wer einen Kuchen mitbringen möchte, kann sich per Mail an bazar19@gekeler.com melden. Schon vor der Premiere steht für die Freundinnen fest, dass die Veranstaltung künftig einmal im Jahr steigen soll. „Das wird der Beginn einer langjährigen Tradition“, sagt Elisabeth Gekeler augenzwinkernd.

Tauschpartys sollen hip werden

Tatsächlich werden Kleidertauschpartys immer populärer. Am Sonntag, 7. April, richtet der BUND-Kreisverband eine im Umweltzentrum an der Rotebühlstraße aus, am 15. Juni ist eine im Innenhof des Bischof-Moser-Hauses im Bohnenviertel, veranstaltet von Young Caritas und wieder dem BUND-Kreisverband. Den beiden Sillenbucherinnen gefällt der Second-Hand-Trend. Inga Ritter betont: „Da ist nichts Anrüchiges dabei. Das soll hip werden.“

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