Anne Wesonik und Andrea Schulz (von links) sortieren in der Kleiderkammer die Spenden und räumen das, was zum Verkauf geeignet ist, in die Regale. Foto: factum/Archiv

Die Kleiderkammer des Gerlinger Roten Kreuzes wird nach wie vor gebraucht. Sie hat allerdings im Jahr 2017 Verlust gemacht. Dieser lässt sich nicht so recht erklären.

Gerlinger - Das negative Ergebnis ist nicht riesig, aber es schmälert die Rücklage. Knapp 3500 Euro Verlust hat die Kleiderkammer des Gerlinger Roten Kreuzes im Jahr 2017 gemacht. Es wurden gut zehn Prozent weniger Kleidungsstücke und andere Dinge verkauft als im Vorjahr. Über die Theke der sozialen Einrichtung in der Urbanstraße gingen im vergangenen Jahr knapp 15 000 Artikel. Im Vorjahr 2016 wurden mehr als 17 000 Teile verkauft und ein Gewinn von 458 Euro erzielt – bei einem Jahresumsatz von 34 600 Euro. 2015, als viele Flüchtlinge versorgt wurden, waren es 4000 Teile mehr.

Hohe Rücklage, die den Verlust ausgleicht

Thilo Lang, der Ortsvereinsvorsitzende, kann sich die 3500 Euro Verlust nicht so recht erklären. Jedes weniger verkaufte Teil bedeute etwa einen Euro Verlust. In der Kleiderkammer arbeiten sechs Frauen auf Minijobbasis („die schaffen am Anschlag“), und die Einrichtung sei gut nachgefragt von Menschen, die sich neue Kleider kaum leisten könnten. Er betrachte den kleinen Verlust als „rote Null“, meinte Lang im Sozialausschuss des Gemeinderats. Der Verlust wird mit der Rücklage ausgeglichen. Darin befinden sich noch mehr als 66 000 Euro.

Die Einrichtung sei gut nachgefragt, verlautete aus dem Amt für Jugend, Familie und Senioren, vor allem montags würden sich schon vor der Öffnung Schlangen von Wartenden bilden. Es gebe Stoßzeiten, berichtete auch Thilo Lang, nicht nur zu bestimmten Tagen, sondern auch jahreszeitlich bedingt. Doch die Anlieferung von Spenden erfolge meist antizyklisch: Wenn die Leute nach dem Winter den Schrank ausräumen für die Sommersachen – dann würden sie die ausrangierten Winterkleider als Spende vorbeibringen. Die dann erst mal ein halbes Jahr im Keller gelagert werden müssten. In fünf Containern in der Stadt würden zudem pro Jahr 15 000 Kilogramm gebrauchte Kleider abgegeben. Die Räume und die Keller seien voll, so Lang.

Man wolle nicht zur Konkurrenz normaler Läden in Gerlingen werden. Die Öffnungszeiten könne man nicht über die eingeführten drei halben Tage in der Woche hinaus verlängern – sonst brauche man mehr Personal, was die Kosten steigere.

Neue Räume sind nötig

Thilo Lang und seine Kleiderkammer-Truppe wurden im Sozialausschuss durchweg gelobt. Es werde dort „hervorragend gewirtschaftet“, meinte Ulrike Stegmaier (Grüne), „jetzt ist es halt mal ein Jahr schlechter gegangen“. Barbara Günther (SPD) nahm den Bericht zum Anlass, an die Notwendigkeit neuer Räume zu erinnern. In einem größeren Umfeld könne man die Kleidung ganz anders präsentieren. Auch Petra Bischoff (Freie Wähler) erinnerte daran, dass man für das Rote Kreuz neue Räume suchen müsse, „wir müssen uns jetzt etwas einfallen lassen“. Auch der Jugendgemeinderat, ebenfalls in einem der Altbauten der Stadt untergebracht, brauche ein neues Quartier. „Ein neues Gebäude können wir uns abschminken“, meinte Gabriele Badenhausen (CDU), manches sei eben nicht möglich. Die Erste Beigeordnete Martina Koch-Haßdenteufel meinte, wegen neuer Räume seien Rotes Kreuz und die Verwaltung im Gespräch. „Wir versuchen, eine Lösung zu finden. Es dauer aber noch ein bisschen.“

Termine Die Kleiderkammer des Gerlinger DRK ist in der Urbanstraße 3. Die Öffnungszeiten sind montags und mittwochs von 9 bis 12 Uhr und dienstags von 15 bis 18 Uhr.

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