„Meine Probleme sind im Vergleich zu den Problemen der Menschen dort sehr klein“, sagt Lia Schwarz. Foto: Markus Schwarz

Familie Schwarz aus Leinfelden-Echterdingen ist in ein abgelegenes Dorf bei Meiganga gereist, um zu helfen. Diese Eindrücke haben sie in Kamerun gesammelt.

Normale Herbstferien haben Ole und Lia Schwarz nicht verbracht. Anstatt Halloween zu feiern, haben sie ihre Eltern Cornelia und Markus Schwarz zu einem Hilfseinsatz begleitet. Mit 17 Koffern – voll gepackt mit Hilfsgütern – ist die Familie nach Kamerun gereist. Sie sind von Stuttgart über Paris nach Douala geflogen. Nach einem Inlandflug ging es mit dem Jeep weiter in ein abgelegenes Dorf bei Meiganga. Für sich selbst hat die Familie aus dem Leifelden-Echterdinger Stadtteil Oberaichen nur das Nötigste eingepackt. „Ein paar Klamotten, Gesichtswasser und eine Zahnbürste“, zählt die 15-Jährige auf. Das Handy war dem 12-Jährigen wichtig, um Kontakt mit seinen Freunden zu halten.

 

Duftstoffe mussten zu Hause bleiben – wegen der Moskitos. „Das Dorf liegt im Malariagebiet“, erklärt Cornelia Schwarz. Sechs Termine beim Arzt waren nötig, um sich auf die Reise vorzubereiten. Die Familie hat sich gegen Gelbfieber, Hepatitis, Tollwut und Meningokokken impfen zu lassen. Zwei Tage haben die Kinder von ihrer Schule – dem Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasium – zusätzlich frei bekommen.

Familie aus Oberaichen unterstützt Hilfsprojekt in Kamerun

„Komm nach Kamerun – da wird deine Seele gesunden“, hatte Houma Kustermann zu Cornelia Schwarz gesagt. Die Frauen sind befreundet. Cornelia Schwarz arbeitet für die Zahnärzteschaft, Houma Kustermann ist in Rottweil Zahnärztin. Sie ist in dem Dorf bei Meiganga geboren und aufgewachsen. Über ein Stipendium kam sie nach Deutschland, hat sich ein neues Leben aufgebaut. Dennoch kehrt sie immer wieder in ihre alte Heimat zurück.

Sie hat den Verein Hamani gegründet und eine Berufsschule für Näherinnen und Näher aufgebaut. Die Schule ermöglicht 66 Mädchen und vier Jungen eine Ausbildung. Houma Kustermann hat auch Land aufgekauft. Dort werden nun Lebensmittel angebaut. Sie hat eine Fischzucht angefangen, es gibt Hühner, Kühe und Bienenstöcke, zählt Cornelia Schwarz auf. „Das Projekt bietet den Menschen vor Ort ein Auskommen und eine Perspektive“, sagt sie.

„Meine Aufgabe war es, Mädchen und Frauen das Plätzchen backen beizubringen, damit sie diese verkaufen können“, sagt Lia. Cornelia Schwarz hat ihrer Tochter dabei geholfen. Die Teigwaren wurden im Ofen des Hauptquartiers des Vereins gebacken. Für Teilnehmerinnen war beides neu: der Ofen und auch die Plätzchen. In dem Dorf ist es üblich, Essen über dem offenen Feuer zuzubereiten. Bei den Zutaten galt es zu improvisieren. „Schokolade wäre sofort geschmolzen“, sagt Lia. Die wenigen Eier, die es dort gibt, reichten nicht aus. Bananen waren die Alternative, Honig kam statt Zucker zum Einsatz.

Ole und Markus Schwarz haben mit einer Drohe Aufnahmen von dem Gelände des Hilfsprojekt gemacht. Foto: Markus Schwarz

Ole und Markus Schwarz haben das Hilfsprojekt dokumentiert. Der Fotograf wollte würdevolle Porträts von den Menschen dort aufnehmen. Er hatte dafür einen kamerunischen Fotografie-Studenten an seiner Seite. Um Luftaufnahmen von dem Gelände zu machen, hat Markus Schwarz eine Drohe aus Deutschland mitgebracht. Damit haben der Vater und der Sohn auch die neue Aquaponik-Anlage fotografiert, die Fischzucht und Pflanzenanbau kombiniert. Sie reinigt möglichst energiearm das Fischwasser, das dann für den Anbau von Gemüse genutzt werden kann und im Anschluss wieder zurück in den Kreislauf fließt. „Es ist die erste Anlage dieser Art in Zentralafrika“, sagt Markus Schwarz.

Die Menschen leben in Lehmhütten, Wasser wird von einem Brunnen geholt

Die Menschen leben dort in einfachen Lehmhütten. Die Familie Schwarz war in einer kleinen Wohnung untergebracht. „Ab und zu gab es keinen Strom. Es gab viele Krabbeltiere“, sagt Lia. „Im Bad floss ein Rinnsal an Wasser“, sagt Cornelia Schwarz. Mit dem hat sich die Familie gewaschen und mit dem aufgefangenen Waschwasser die Toilette gespült. Sie hatten mehr Wasser, als die Dorfbewohner, welche ihr Wasser mit zwei Eimern von einem Brunnen holen.

Die Familie Schwarz hatte vor der Reise 1800 Euro im Freundes-, und Bekanntenkreis gesammelt und den Betrag auf 2000 Euro aufgestockt. Mit diesem Geld wurde eine Wasserleitung gelegt, damit Kinder beim Wasserholen nicht mehr in den Brunnen fallen können. Die Familie hat von dem Geld auch Plastikboxen gekauft, um die Kleiderspenden nach Größen sortieren zu können und so ein sauberes Lager im Hauptquartier des Vereins aufzubauen. Sie haben Kinder eingekleidet und Spielsachen ausgegeben. Ein zwölfjähriges Mädchen hat ganz schüchtern gefragt, erzählt Cornelia Schwarz, ob sie eine Babypuppe haben könne. „Und war dann ganz im Glück“, ergänzt Lia. Die Familie hat eine Patenschaft für dieses Mädchen und einen Jungen übernommen.

Lia Schwarz Foto: Markus Schwarz

„Unsere Kinder sind extrem aufgefallen“, sagt Cornelia Schwarz. „Alle haben unsere weiße Haut angeschaut, viele wollten meine Haare anfassen“, sagt ihre Tochter. „Der Umgang war aber immer respektvoll“, sagt der Vater. Die Familie hat viele herzliche Menschen kennengelernt, sich wohl gefühlt. „Es war eine tolle Erfahrung. Ich habe was Gutes getan. Es hat mir viel Spaß gemacht“, ist Oles Fazit von der Reise. „Meine Probleme sind im Vergleich zu den Problemen der Menschen dort sehr klein“, sagt Lia.

Spenden hilft

Der Hilfsverein im Netz
Mehr Informationen über das Engagement von Houma Kustermann, ihr Wirken im Kamerun und den Verein Hamami sind im Internet unter der Adresse hamami.org zu finden. Dort ist auch das Spendenkonto aufgeführt.