Das Areal der Firma Kleemann im Stauferpark in Göppingen reicht von der Werfthalle bis zur „Alten Wache“. Foto: /Staufenpress

Die Firma Kleemann will mit der Stadt Göppingen Möglichkeiten für die Nutzung von Tausenden Quadratmetern im Viertel Stauferpark ausloten. Beim Erwerb der Flächen vor sieben Jahren gab das Unternehmen an, die Flächen für die Expansion nutzen zu wollen.

Sieben Jahre ist es her, dass die Stadt Göppingen den Messeplatz, das ehemalige Tigerentenclub-Studio und die südlich an die Werfthalle angrenzenden Gewerbeflächen an die Firma Kleemann verkaufte. Die Vorkaufsoption für die Werfthalle ließ die Stadt sausen. Auch diese Immobilie ging an Kleemann, Hersteller von Brech- und Siebanlagen für die Bauindustrie. 55 000 Quadratmeter wechselten damals den Besitzer. Begründung für den Deal: Die zur Wirtgen-Group gehörende Göppinger Firma, die bereits Eigentümer von großen Teilen des Stauferparks war, brauche neue Flächen für die Expansion.

 

Die Firmenleitung hält sich bedeckt

Die sogenannten Handwerkerhöfe unterhalb der Werfthalle ließ Kleemann nach dem Kauf abreißen. An der Zufahrtsstraße wollte Kleemann bis zu 20 Meter hohe Hallen für ein Werk zur Instandsetzung gebrauchter Anlagen errichten. Das stieß im Gemeinderat auf Widerstand. Die Lokalpolitiker fürchteten eine Ungleichbehandlung gegenüber den Firmen auf der anderen Straßenseite. Nach langem Tauziehen und mehrmaligen Änderungen schlug der damalige Oberbürgermeister Guido Till im November 2019 einen Flächentausch vor. Grob gesagt: an der Manfred-Wörner-Straße nur Parkflächen, Hallenbau oberhalb der Werfthalle.

Seither ist es ruhig geworden um das Areal. Gebaut wurde nicht. Schotterflächen dominieren das Bild. Da die ganze Wirtgen Group mittlerweile vom US-Giganten John Deere übernommen wurde, stellen sich nicht nur im Gemeinderat viele die Frage, wie es weitergeht. Werden die Flächen noch gebraucht?

Die Unternehmensführung lässt sich weiterhin nicht in die Karten schauen. Auf Anfrage erklärten die Kleemann-Geschäftsführer Karl Joachim Janka und Alexander Knam unter anderem: „Die Zeichen bei Kleemann stehen weiter auf starkem Wachstum und aktuell gibt es verschiedene Nutzungsansätze der Flächen. Kleemann befindet sich hierzu im Austausch mit der Stadt Göppingen. Die Kleemann Geschäftsführung hat sich angeboten, in einem persönlichen Termin mit Vertretern der Stadt die aktualisierten Nutzungsmöglichkeiten zeitnah zu erörtern.“ Dass die Flächen bisher noch nicht genutzt wurden, habe jedoch nichts mit dem Verkauf an den John-Deere-Konzern, sondern vielmehr mit kurzzeitigen Auswirkungen der Pandemie zu tun. „Die gesamte Wirtgen Group profitiert von den Synergien mit John Deere.“ Durch die sehr enge Zusammenarbeit mit dem Baumaschinenbereich von John Deere habe Kleemann erhebliche Wachstumsraten erzielt.

Auf die Frage, was aus Tills Vorschlag geworden sei, verweisen Janka und Knam erneut auf die Gespräche über alternative Nutzungsoptionen der gesamten Flächen und versprechen: „Sobald die Stadt und Kleemann hierüber Einigkeit erzielt haben, werden Planungen transparent kommuniziert.“

In der Pandemie diente die Werfthalle als Impfzentrum

Bis dahin will auch die Stadtverwaltung kein Licht ins Dunkel bringen: „Die Stadt ist aktuell mit der Firma Kleemann im Gespräch über Änderungen und Weiterentwicklungen der bisherigen Pläne zur künftigen Werksstruktur“, lässt Oberbürgermeister Alex Maier ausrichten. Die Kleemann-Geschäftsführer widersprechen dem Eindruck, dass Messeplatz und Werfthalle weitgehend ungenutzt sind: „Die Werfthalle als Veranstaltungsort, inklusive der Parkplätze auf dem ehemaligen Messeplatz wurden öffentlich genutzt.“ Sie verweisen auf Großveranstaltungen der vergangenen Jahre wie die Staufer-Festspiele, Märklintage, Konzerte oder anderes. In der Pandemie diente die Werfthalle als Impfzentrum. „Aktuell gibt es gültige Mietverträge für Events in der Werfthalle bis Mitte 2024. Darüber hinaus wurde und wird die Werfthalle seitens der Firma Kleemann für diverse Firmen- und Schulungsveranstaltungen genutzt.“

Zu Überlegungen, die Stadt könne die bisher ungenutzten Flächen zurückkaufen und anderen Firmen zur Verfügung stellen, sagen die Kleemann-Chefs: „Aktuell sieht die Firma Kleemann Bedarf an diesen Flächen.“

Das Unternehmen zählt zu den großen Arbeitgebern in der Stadt

Die Geschäftsführer verweisen darauf, dass der Brecher-Hersteller zu den großen Arbeitgebern der Stadt gehört: „Kleemann beschäftigt mittlerweile mehr als 600 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist stolz darauf, einer der größten Ausbildungsbetriebe in der Region zu sein.“ Derzeit bilde das Unternehmen knapp 80 junge Menschen aus.

Deutsche Firma in Amerikanischer Hand

Kleemann
 Das ehemals Faurndauer Unternehmen Kleemann verlagerte seinen Standort 2010 in den Stauferpark und kaufte zunächst 100 000 Quadratmeter. Später wurde das Betriebsgelände deutlich vergrößert.

Wirtgen
 Die Firma Kleemann ist seit 2006 Teil der Wirtgen Group. Die Gruppe ist ein Verbund von Unternehmen aus der Baumaschinenindustrie, der neben Kleemann und Wirtgen den Walzenhersteller Hamm und den Straßenfertiger-Hersteller Vögele umfasst.

John Deere
Die Wirtgen Group wurde im Dezember 2017 Teil der Construction & Forrestry-Division des US-Konzerns John Deere.